This could be heaven or hell

Nachdem die junge Sukkubus* Skylla herausfindet, dass sie nichts weiter als ein Versuchsexperiment des Herrscherpaares der Hölle ist, wendet sie sich von dem Einzigen ab, was sie ihr zu Hause nennen könnte und lenkt dadurch insbesondere Liliths Wut auf sich. Gemeinsam mit dem Dämonenfürsten Nathaniel geht sie nach oben, in die Welt der Sterblichen und findet heraus, dass die Dämonen nicht die Einzigen sind, die dabei sind, einen großen Plan auszuführen... * weibliche Dämonen, die eigentlich nur dafür geschaffen wurden, um mehr Dämonen zu gebären und diese auszubilden.

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1. Kapitel 1

 

 

 

Die Hölle

 

Skylla

 

Als Sukkubus gibt es da ein paar Regeln die du befolgen musst, sonst steht dein Leben auf dem Spiel. Und mein Leben stand gerade auf dem Spiel. Ich war nun schon seit dreißig Jahren hier unten und noch nie hatte ich mich so gefürchtet. Bisher hatte Luzifer mich nur einmal zu sich gerufen, und das war zu meiner Namensgebung gewesen. Wann immer das Herrscherpaar etwas von mir wollte, war es Lilith die zu mir kam und das war auch nicht viel besser. Sich zwischen Lilith und Luzifer entscheiden zu müssen war eine dieser typischen Pest oder Cholera Situationen. Auch wenn viele der Höllenbewohner meinten, dass unser Herrscher im Laufe der letzten Jahrzehnte doch ziemlich verweichlicht geworden war, so traf das ganz bestimmt nicht auf seine Gattin zu. Lilith war dasselbe böse, unberechenbare Biest wie eh und je, und das würde sich bestimmt niemals ändern, da half all hoffen nichts. Sie war eine rothaarige Sukkubus mit einem feurigen Temperament und die ranghöchste unter den weiblichen Dämonen, was sie nicht gerade selten ausnutzte. Ein richtiges kleines Miststück eben. Am Anfang hatte ich noch anders von ihr gedacht, ich hatte mir sogar ein paar Tränen verdrücken müssen, als sie mir ihre ach so rührende Geschichte erzählt hatte. Inzwischen hatte ich nicht gerade wenig Lust, sie anzuschreien, dass sie es doch gar nicht anders verdient hätte. Sie hatte mir in den ersten paar Jahren so sehr geholfen und hatte mich glauben lassen, dass ich in ihr eine gute Freundin gefunden hätte. Aber erst später hatte ich den Grund für ihr außergewöhnlich nettes und entgegenkommendes Verhalten erfahren. Und ich war, gelinde gesagt, schockiert gewesen. Nun wollte Luzifer mit mir sprechen, ungefähr zwei Wochen nachdem mir alles offenbart worden war. 

Seufzend erhob ich mich und streckte mich kurz. Mein Rücken gab ein leises Knacken von sich und ich spürte einen stechenden Schmerz durch meinen ganzen Körper rasen. Sofort richtete ich mich wieder gerade auf und schloss kurz die Augen, dieser verdammte Muskelkater. Bis vor wenigen Stunden war ich noch zusammen mit Lilith und ein paar anderen Sukkubus auf dem Trainingskampf gewesen um unsere Schwertkampftechniken zu verbessern. Lilith war für die eigentliche Kampftrainerin, eine Sukkubus, eingesprungen, da diese sich um ihren neugeborenen Sohn kümmern musste. Das war nämlich der eigentliche Sinn von uns Sukkuben. Wir waren nichts anderes als Zuchtstuten für die höllischen Heere. Wir ließen uns von anderen Dämonen, gewöhnlichen Sterblichen und sehr selten von unwissenden, naiven Engeln schwängern und zogen die Kinder dann groß um sie hier unten selbst auszubilden und ihnen alles beizubringen, was sie wissen mussten. Und obwohl ich jetzt schon seit dreißig Jahren hier war, so hatte ich noch kein einziges Kind großgezogen. Ich hielt mich so gut ich eben konnte von den männlichen Dämonen fern und die Männer der Sterblichen Welt waren weit aus diskreter als die Höllenbewohner, das war also kein Problem. 

Leise summend, um mich zumindest etwas zu beruhigen, verließ ich meine Höhle und warf einen Blick über meine Umgebung. Viel Variation gab es dort nicht, denn zumindest was das anging, so hatten die Sterblichen in Sachen Hölle vollkommen recht. Rot war die eigentliche Grundfarbe der Hölle, aber etwas anderes war wohl auch kaum zu erwarten. Das steinerne Fundament der Hölle war wohl eigentlich von einem hellen braun, aber durch die Lava Seen und die kleinen Feuer, welche überall brannten, wurden die Steine rot verfärbt. Außerdem war es hier wirklich immer unglaublich heiß. Es war nicht diese angenehme Wärme, die man im Winter vor dem Kamin genoss, sondern eine unangenehme, drückende Wärme der man nicht entkommen konnte. Immer noch summend ließ ich den steinerne Weg entlang, die kleinen Steine bohrten sich in meine bloßen Fußsohlen, aber ich zuckte nicht mit der Wimper. Die meisten von uns Dämonen, trugen keine Schuhe. Sie waren einfach zu unpraktisch hier unten und hinderten einen mehr, als dass sie halfen. Am Anfang war ich bei jedem Stein, der meinen Fuß auch nur ansatzweise berührte, zusammengezuckt. Aber das war nun vergangen. Mittlerweile hatten meine Füße sich ganz wunderbar an den rauen Untergrund gewöhnt und selbst das Kämpfen mit bloßen Füßen fiel mir nicht mehr schwer. 

Die Höhle des Herrscherpaares befand sich auf dem höchsten Felsen, ganz oben in der Hölle. Umringt war sie von den, etwas kleineren, Höhlen der Dämonenfürsten und Foltermeister. Ihre Höhlen standen am Fuße des riesigen Felsens mit genügend Abstand voneinander. Die meisten Dämonenfürsten waren ehemalige Engel und Generäle der himmlischen Heere gewesen, die aber nach Luzifers fehlgeschlagener Rebellion mit ihm aus dem Himmelreich verbannt worden waren und ihm in die Hölle gefolgt waren. 

Die ganze Zeit über hatte ich meinen Blick nach oben gerichtet und bemerkte so nicht den Dämon, der mir jetzt entgegen kam. Erst als wir heftig gegeneinander stießen und ich mit einem gedämpften Geräusch zu Boden fiel, bemerkte ich ihn. Verwundert sah ich nach oben und meine Wangen verfärbten sich sofort zu einem dunklen Rot. Es war einer der Dämonenfürsten, einer der wirklich gut aussehenden. Und sein Gesicht kam mir so bekannt vor… 

„Entschuldige, ich hätte besser aufpassen sollen!“, hörte ich ihn sich schnell entschuldigen und nahm nur nebenbei war, wie er mir seine Hand hinhielt. 

Ein Dämonenfürst, der sich für so etwas entschuldigte. Das sah man auch nicht alle Tage. Die meisten gingen einfach schnell weiter und ließen sich von einem solchen Ungeschick nicht weiter stören. Oder aber sie blieben kurz stehen, um einen anzufauchen, man solle doch besser aufpassen. Nicht so dieser… Alles an ihm wirkte so vertraut, von den kurzen, leicht gelockten Haaren bis hin zu seinen kräftigen Armen. Plötzlich wurde mir bewusst, dass er mir ja immer noch seine Hand hinhielt und ich ergriff diese schnell. Mit einem kräftigen Ruck zog er mich hoch, sodass ich fast gegen seine Brust taumelte. Mir kam es so vor, als würden meine ohnehin schon roten Wangen noch ein kleines Bisschen dunkler werden und ich senkte beschämt den Kopf. Der Dämon lachte leise.

„Was ist denn mit dir los, hm? Du bist doch eine Sukkubus oder nicht? Ist es nicht eine der Haupteigenschaften eurer Rassen, ziemlich direkt zu sein? Wie ist dein Name?“, bombardierte er mich förmlich mit Fragen und ich hatte wirklich Lust, ihm zu sagen, dass er seinen Mund halten sollte.

Tat es aber nicht, stattdessen antwortete ich mit leiser und zaghafter Stimme.

„Doch, eigentlich schon, ich bin nur gerade ziemlich nervös. Die große und allmächtige Chefin will mich sprechen“, ließ ich ihn wissen und setzte ein leichtes Lächeln auf. 

Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich unsere Herrscherin wahrscheinlich nicht so nennen sollte, nicht in seiner Anwesenheit, denn er war immerhin ein Dämonenfürst, also ziemlich hochrangig und musste dem Herrscherpaar daher ziemlich nahe stehen. 

Aber entgegen meiner Erwartung grinste auch er und seine dunklen Augen funkelten belustigt. 

„Also bist du gerade auf dem Weg zu Lilith, stimmt’s? Da wäre ich auch ziemlich nervös, wenn ich du wäre, sie ist heute nicht gerade in bester Stimmung, nicht, dass sie es überhaupt mal wäre. Aber heute ist es besonders schlimm… Du hast mir immer noch nicht deinen Namen genannt, also, wie heißt du, kleine Sukkubus?“.

„Skylla“, sagte ich lächelnd, seine lockere Stimmung munterte mich etwas auf. 

Wie schon gesagt, nicht viele Dämonenfürsten verhielten sich so, Rangniedrigeren gegenüber. Um genau zu sein, war er der erste der mir begegnete und nicht voller Verachtung auf mich herabsah. Als ich den Blick hob, um ihn etwas genauer zu betrachten sah ich, dass seiner lockeren und freundlichen Miene Ungläubigkeit und Entsetzen gewichen waren. 

„Skylla?“, wiederholte er leise und sah aus, als würde er jetzt am liebsten verschwinden. 

„Ja…“, bestätigte ich vorsichtig. „Das ist zumindest der Name, den Lilith mir gegeben hat“. 

„Ja! Ja, das weiß ich doch“, rief er und wirkte nun ziemlich verärgert, trat einen Schritt zurück und fuhr sich durch die braunen Haare.

„Ich war immerhin dabei. Bei deiner Namensgebung… Oh Gott, du bist es wirklich“, es sah ganz so aus, als würden da Tränen in seinen Augen glänzen und die Reue die von ihm ausging war all gegenwertig. 

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ja, ich kannte ihn. Erkannte ihn wieder. Dieser gut trainierte, aber nicht übertrieben muskulöser Körper, die sanften dunkelbraunen Augen und die kurzen, braunen Locken. 

„Nathaniel…“, hauchte ich leise und meine Augen weiteten sich. 

Ich war vor ihm in Tränen ausgebrochen und auf die Knie gefallen. Hatte ihn angefleht, mich hier wegzubringen, in Sicherheit. Der höllische Fürst hatte mich mit Mitleid in den Augen angesehen und den ganzen Körper angespannt, seine Hand zögernd auf meine Schulter gelegt. Luzifer hatte sofort reagiert und Nathaniel befohlen, sich zu entscheiden. Zwischen seinem Rang und seinem zu weichen Herzen. Und er hatte sich für seinen Rang als Dämonenfürst entschieden. Ich konnte mich noch ganz genau an die Tritte erinnern, an die Schmerzen, als ich auf dem steinernen Boden der Höhle aufschlug. Und an das Lachen, des Dämons, welcher neben Nathaniel gesessen hatte und in welches dieser eingestimmt war. An das Blut, an Liliths Grinsen und daran, wie Luzifer einen Arm um die Taille gelegt hatte, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. Und dann war alles schwarz geworden… Bis ich das hübsche Gesicht, der Foltermeisterin der Hölle über mir gesehen hatte und…

„Du Idiot!“, schrie ich und spürte, wie meine Augen sich rot färbten. 

Entsetzt stellte ich fest, wie mir ein paar heiße Tränen über die Wangen liefen und ich wischte sie schnell verärgert weg. 

„Weißt du eigentlich, was du mir damit angetan hast!?“, inzwischen war ich wieder zu Boden gesunken, zitternd und keine wirkliche Kontrolle über meinen Körper habend. 

Und immer wieder spürte ich diese schrecklichen Schmerzen, hörte meine Schreie und das Lachen der anderen Dämonen, die sich als Zuschauer eingefunden hatten, an diesem schrecklichen Tag. 

„Skylla…“, seine Stimme war nun ganz sanft und ich mochte die Art, wie er meinen Namen aussprach.

Aber trotzdem hielt ich den Blick starr auf den roten Untergrund gerichtet und tat so, als würde ich ihn ignorieren, was er auch mehr als verdient hätte. 

„Es tut mir so leid. Ich weiß, dass ich es auf keine Weise ungeschehen machen kann, aber ich möchte, dass du versuchst, mir zu vergeben“, es war schon fast süß, wie zögernd er gerade vorging. 

Auf einmal kniete er sich neben mich und legte mir vorsichtig einen Arm um die Schultern. Bei dieser zärtlichen Geste wäre ich am liebsten sofort wieder in Tränen ausgebrochen, aber ich riss mich zusammen. Nur weil mir das gefiel, durfte ich nicht vergessen, was mir seinetwegen angetan wurde. Schnell schlug ich seinen Arm weg und erhob mich wieder. 

„Nein, vergiss es Nathaniel! Ich werde dir nicht verzeihen. So etwas kann nicht vergeben werden!“, rief ich und ging dann schnell auf die Höhle des Herrscherpaares zu. 

Den ganzen Weg über, spürte ich Nathaniels Blick in meinem Nacken und als ich es riskierte, kurz zu ihm zu sehen, sah ich die Enttäuschung in seinen Augen. Fast wäre ich zu ihm zurück gerannt, hätte mich in seine Arme geworfen und ich zugeflüstert, dass ich ihm verzeihen würde. Aber nur fast. Ich musste jetzt stark sein und ihm zeigen, was ich von dem, was er getan hatte hielt. Außerdem sollte ich mich nicht von leeren Worten und reuevollen Blicken täuschen lassen. Wie Luzifer selbst, waren fast alle Dämonen Meister der Täuschung und unter den gläubigen Sterblichen war die Geschichte, wie der Teufel selbst sich als getarnt als Schlange im Baum der Erkenntnis einnistete und Eva und Adam dazu verführte, von den Früchten zu essen, was dazu führte, dass sie aus dem Paradis geschmissen wurde. Nicht umsonst wurde er von den Menschen Täuscher, Verführer und Lügner genannt. Oder schlimmeres… 

 

Ich blieb am Höhleneingang stehen und lugte vorsichtig herein. Schließlich wollte ich bei nichts einfach so hereinplatzen… 

„Skylla? Bist du das?“, ich hörte leichte Schritte und dann stand sie schon vor mir. 

Lilith. Sie sah einfach nur umwerfend aus, wie eigentlich immer. Ihre langen, roten Haare hatte sie elegant hochgesteckt und die schwarze Krone die sie trug, passte perfekt zu ihr. Das dunkelblaue Kleid das sie trug, war zwar knöchellang, allerdings ließ es nicht viel Platz für irgendwelche Fantasien übrig, es war fast komplett durchsichtig und verbarg wirklich nur das nötigste. Aber so war das eben mit der Bekleidung in der Hölle, immer schön leicht und so durchsichtig wie möglich. Etwas störte mich allerdings an ihrem sonst wirklich tadellosen Aussehen… Ihre dunkelgrünen Augen funkelten schwach, beinahe sanft und ihre Wangen waren gerötet. Sie sah ziemlich fertig mit den Nerven aus und mir entging nicht, dass sie trotz dieser Temperatur die hier unten herrschte, am ganzen Körper zitterte. Auch entgingen mir die roten Striemen an ihrer Kehle nicht. Mein Herz begann schneller zu schlagen, so hatte ich die Königin der Hölle noch nie gesehen. Auch wenn ich Lilith vom ganzen Herzen verachtete, so konnte ich jedoch nicht den Funken von Mitleid unterdrücken den ich in diesem Moment für sie empfand. Hatte Luzifer ihr das angetan? Ich hatte schon mitbekommen, dass das Verhältnis zwischen den beiden in letzter Zeit etwas angespannt gewesen war, aber ich hätte nicht gedacht, dass es zu Handgreiflichkeiten kommen würde. Nicht bei ihnen. Sie waren das perfekte Paar, beide unglaublich Bösartig, gehässig und grausam. Die Rothaarige musste meinen neugierigen Blick bemerkt haben, denn sie seufzte ungeduldig und deutete in die Höhle. 

„Hier rein“, sagte sie knapp und ihre sonst so herrische Stimme hatte etwas von ihrem charakteristischem Klang verloren. 

Schweigend begab ich mich in die Höhle und blieb vor dem großen Thron stehen. Wie immer, wenn ich hier war, richtete ich meinen Blick zu erst auf das Paar weißer Flügel, die mit Blut besprenkelt waren und von der Decke über dem Thron hingen. Ich fragte mich ständig, wessen Flügel das waren. Auf keinen Fall Luzifers, so viel war sicher. Und auch keinen der anderen Höllenbewohner konnten sie gehören, sie mussten also einst einem Engel gehört haben. Wahrscheinlich einem, der Luzifer nahe gestanden hatte… Ich hatte Gerüchte über eine Frau- 

„Na endlich ist sie hier“, ich wandte meinen Blick von den Flügeln, Luzifer stand direkt vor mir und sah mir in die Augen. 

Ich schnappte leise nach Luft und entgegnete seinen Blick, bevor ich unkontrolliert weiter nach unten sah und errötete. Konnte er sich nicht einmal ein Oberteil anziehen!? Darum konnte ich den Teufel ja wohl schlecht bitten, aber seine Bauchmuskeln machten es nicht gerade einfacher sich zu konzentrieren. Er grinste leicht, sich vollkommen bewusst, welche Wirkung er auf mich hatte. Dann trat er zurück und nahm auf seinem Thron platz. Überraschenderweise setzte Lilith sich nicht wie sonst auf seinen Schoß, sondern blieb einfach neben dem schwarzen Thron stehen, die Arme vor der Brust verschränkt und musterte mich.

„Also, Skylla, es ist an der Zeit, die Wahrheit zu erfahren“, begann Luzifer und er schien wirklich etwas zu zögernd. 

Was nun? Hatte der große Herrscher der Hölle etwa Angst, mir etwas zu erzählen, was ich eigentlich von Anfang an hätte wissen müssen? Die brauchte er nicht zu haben, schließlich hatte ich schon eine ungefähre Ahnung von alldem, was Lilith an mir versucht hatte. Da ich ihm nicht antwortete, fuhr Luzifer fort. 

„Das alles muss ziemlich verwirrend für dich sein, aber es gibt einen ganz simplen Grund dafür. Das du dich im gewissen Maße von den anderen Sukkubus unterscheidest, hast du sicherlich schon bemerkt. Du bist der Beginn einer ganz neuen Rasse“, er sah mich auffordernd an und ich trat dichter an den Thron heran. 

Mit einer schnellen Bewegung griff er nach meiner Hand und hielt sie ganz fest. Ich konnte Lilith stechenden Blick auf mir ruhen spüren und wagte es nicht, mich weiter zu bewegen. 

„Also, zeig mir deine Augen“, verlangte er und sah mich nun direkt an. 

Die Sache mit meinen Augen war die, dass sie normalerweise von einem himmlischen Blau waren, was hier schon auffiel. Aber noch ungewöhnlicher war, dass sie sich rot färbten, sobald ich starke Gefühle empfand. Anders als all die anderen Bewohner der Hölle konnte ich das nicht kontrollieren, es geschah einfach, daher konnte ich Luzifers Forderung im Moment auch nicht nachkommen. Dachte er etwa wirklich, ich würde irgendetwas für ihn empfinden? Das war doch kompletter Schwachsinn! Als er plötzlich einen Arm um meine Taille legte und mich auf seinen Schoß zog, schnappte ich überrascht nach Luft und zuckte leicht zusammen. 

„Was machst du denn da?“, fragte ich leise und wickelte mir nervös eine Strähne meines blonden Haares um den Finger. 

„Wie gesagt, ich möchte deine Augen sehen. Ich möchte sehen, ob es Lilith wirklich gelungen ist…“, entgegnete er lächelte und legte seine Lippen auf meine, ehe ich irgendwie reagieren konnte. 

Mein Herz begann schneller zu schlagen, als ich den Kuss zögernd erwiderte. Luzifer sah mir fest in die Augen und ich schloss sie nicht, wie es sonst bei jedem anderen Kuss der Fall gewesen wäre. Plötzlich beendete er den Kuss und sah aufmerksam zu Lilith. 

„Also wenn ich dieses Prinzip richtig verstanden habe, dann verfärben sich ihre Augen nur, wenn sie ihre Aufgabe nicht richtig erfüllt, um sie abstoßend auf die Sterblichen wirken zu lassen“, vermutete er und sah kurz wieder zu mir. 

„Zum Teil, ja“, die Rothaarige trat näher. „Aber es verhindert sie vor allem darin, romantische Gefühle zu empfinden, denn auch dann würden sich ihre Augen rot färben. Und das würde wohl jeden abschrecken“, ich wusste ganz genau, dass sich meine Augen während des Kusses nicht verfärbt hatten und Luzifer lächelte zufrieden. 

„Sehr schön, ich bin stolz auf dich, Lilith“, lobte er die Sukkubus, welche nur mit einem leisen Seufzen antwortete und ihm den Rücken zuwandte. 

„Allerdings wundert es mich, dass du keine Gefühle für mich empfindest, Skylla…“, fuhr er leise fort, bevor er mich sanft von seinem Schoß schob und zum Höhlenausgang deutete. 

„Du kannst jetzt wieder gehen“, nun sprach er wieder so laut, dass auch Lilith ihn hören konnte und ich kam seiner Aufforderung natürlich sofort nach. 

Draußen angekommen, lehnte ich mich erst einmal gegen die raue Steinwand und atmete tief durch. Mein Herz klopfte wie wild und ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Mir gefiel das hier nicht. Es gefiel mir wirklich überhaupt nicht! Was eben geschehen war, konnte ich nicht mehr ungeschehen machen und vergessen würde ich es wohl auch nicht. Nachdem ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte, stieß ich mich von der kalten Wand ab und machte mich auf den Weg herunter von den Felsen. Erst als ich mich wieder in meiner Höhle befand, realisierte ich, dass ich am ganzen Körper zitterte. 

 

Lilith 

 

Nachdem Skylla die Höhle verlassen hatte, ließ ich mich auf einen der abgeflachten Steine nieder und lehnte meinen Rücken vorsichtig gegen die Wand der Höhle. Auch wenn ich so vorsichtig gewesen war, so spürte ich doch den stechenden Schmerz, welcher meine Rücksäule entlang jagte und ich zuckte leicht zusammen, was das Ganze nicht verbesserte. Kalter Schweiß stand mir auf der Stirn und ich fuhr mit den Handrücken darüber. Mein Atem ging schnell, aber flach. Ich hatte wohl etwas Angst, das musste ich zugeben, aber das hätte wohl jede noch so starke Sukkubus an meiner Stelle gehabt. Mein Hals schmerzte immernoch und ich war mir sicher, dass die roten Striemen noch gut sichtbar waren. Langsam hob ich den Blick und sah unauffällig zu Luzifer, welcher immernoch auf dem großen Thron saß. Er schenkte mir keinerlei Beachtung, war wohl noch wütend auf mich und die Anschuldigungen die ich gegen ihn ausgesprochen hatte. Aber sie waren berechtigt gewesen und das wusste er auch, ich wusste, dass er es wusste. Die Flügel die an der Decke hingen waren meiner Meinung nach Beweis genug, er hing einfach zu sehr, hatte sie noch nicht vergesse, auch wenn es jetzt schon so lange her war, seitdem er sie das letzte Mal gesehen hatte. Natürlich machte das mich wütend, ich hatte alles für ihn aufgegeben, im wahrsten Sinne des Wortes. Für ihn hatte ich den Garten Eden verlassen, das Paradies. Für ihn hatte ich gegen Adam rebelliert und den Zorn Gottes auf mich gelenkt. Das hatte sich auch für eine Weile bezahlt gemacht, immerhin war ich doch die Herrscherin der Hölle geworden und hatte das Kommando über alle weiblichen Dämoninnen, es war also nicht umsonst gewesen. Das einzige Problem, welches zwischen uns beiden stand war dieser gefallene Engel. Die, die immer viel besser, schöner und begabter als ich sein würde und die, die Luzifer einfach nicht vergessen konnte. Amy. Warum hatte nicht alles wie ganz am Anfang bleiben können?

 

„Es wäre eine kluge Entscheidung, viel musst du nicht machen, widersetze dich ihm einfach. Mein Vater wird es bemerken und so wie ich ihn kenne, wird es ihm nicht besonders gefallen. Er denkt doch immernoch, dass Menschen perfekt und ohne jegliche Aufgaben sind. Er denkt praktisch, sie hätten keinen freien Willen und würden immer seinem Plan folgen. Ich möchte dir nicht zu nahe treten, Lilith, aber ihr Menschen ihr seid alles andere als fehlerfrei. Ihr seid voller Fehler, kleine wie große. Und das Einzige, was du tun musst, um dies zu unterstreichen, ist es, dich Adam zu widersetzen“, der Erzengel sah die rothaarige Frau abwartend an und schien ziemlich gespannt auf ihre Antwort zu sein. 

Sein Vater durfte bloß nie herausfinden, dass er seine Finger bei dieser Sache im Spiel gehabt hatte, denn das würde wahrlich nicht gut für ihn enden. Denn sein Vater war nicht einfach nur irgendwer, er war Gott selbst. Und Gott verärgerte man besser nicht, auch nicht, wenn man sein Lieblingssohn war. Denn daraus hatte er nie einen Hehl gemacht, Gott hatte immer ganz offen betont, dass Luzifer sein Liebling war, auch wenn seine anderen drei Söhne Michael, Gabriel und Raphael auch ganz wunderbar waren, so war der Lichtbringer doch der beste von ihnen. 

„Aber ich weiß doch gar nicht, wie ich das machen soll. Und außerdem gibt es gar keinen Grund für mich das zu machen, ich bin glücklich hier. Essen und Trinken gibt es in Fülle, Adam behandelt mich gut, ich kann mir nichts besseres vorstellen“, der schwarzhaarige verdrehte mit einem leisen Seufzer die eisblauen Augen. 

Da war er auch schon, einer der vielen Fehler der Menschen, Naivitet. Wie konnte man nur so voller Hoffnungen und guten Glaubens sein. 

„Kannst du dir nichts besseres vorstellen als Gleichberechtigung, wirklich? Glaube mir, mein Vater hat schon alles perfekt zurecht gelegt. Frauen als das schwächere Geschlecht, weil er nur Söhne hat und denkt, das wir Männer ohnehin besser, klüger und stärker sind. Unfair, nicht wahr? Also, ich würde mir die ganze Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen, falls du dich doch noch für meinen Plan entscheidest, dann lass es mich wissen, ich werde dir zu Seite stehen“, er erhob sich von dem Stein auf welchem sie gesessen hatten und wandte sie ab, die strahlend weißen Flügel weit aufgespannt, bereit zum Flug, als die zarte Stimme ihn zurück rief. 

„Warte!“, sie sprang von dem Stein herunter und ihr langes, rotes Haar wehte sanft im Wind. 

„Ich habe meine Entscheidung getroffen… Ich werde dir bei deinem Plan beistehen, aber nur, unter einer Bedingung“, Luzifer blieb stehen und drehte sie schnell zu ihr herum. 

Seine Augen funkelten aufgebracht und er schien verärgert zu sein. 

„Normalerweise bin ich derjenige, der die Bedingungen stellt“, seine Stimme klang warnend, aber davon ließ Lilith sich nicht einschüchtern, sie hatte die Arme trotzig vor der Brust verschränkt und entgegnete seinen Blick trotzig. Stur war sie, das musste man ihr lassen, daher nickte der Erzengel langsam. 

„Also schön… Dann stelle deine Bedingung, was ist es?“, sie lächelte zufrieden, wusste, dass sie ihren Willen trotz allem durchsetzen konnte. 

„Du willst die Menschheit schon im Kern vernichten, richtig? Das würde bedeuten, dass du auch mich vernichten wirst und daher springt bei unserem kleinen Packt nicht das Geringste für mich heraus, auch wenn du versucht hast, dass zu verbergen, aber so leicht lasse ich mich nicht täuschen. Ich bin nicht dumm, weißt du. Wenn du versprichst, mich zu verschonen, dann werde ich dir helfen“. 

Er lachte leise und sah sie kopfschüttelnd an:

„Na, eines muss man dir lassen, du verstehst dich darin, zu verhandeln. Natürlich hast du Recht, für dich sollte dabei ursprünglich nichts herausspringen, aber wenn ich so darüber nachdenke, dann könntest du dich doch noch auch weiterhin als nützlich erweisen“, seine Stimme war nun kaum mehr als ein leises Murmeln und er trat dichter auf die Frau zu. 

„Sieh dich doch nur einmal an, nur ein Mensch, so schwach und so gefühlt mit Fehlern. Aber das könnte sich natürlich ändern lassen, sobald mein Vater eingesehen hat, was für unnütze Kreaturen er erschaffen hat, wird er sich vielleicht schuldig fühlen, solch schwachen Körpern überhaupt Leben gegeben zu haben. Eine Seele, ein Gedächtnis, ein Gewissen. Die Reue wird ihn so sehr treffen, dass er sich deiner erbarmen wird. Dann könntest du so werden wie ich, ein Engel, wäre das nicht etwas schönes? Der Himmel ist so viel schöner als das, was mein Vater Paradies nennt. Garten Eden“, darauf erhielt er augenblicklich eine angemessene Reaktion. 

Ihre grünen Augen weiteten sich ungläubig, aber Begeistert von der Vorstellung, dass es tatsächlich so kommen könnte. Sie wirkte wirklich glücklich über dieses Angebot und klatschte einmal kurz in die Hände, in diesem Moment sah sie so unglaublich froh aus und so voller Hoffnung. Sie war so schön…

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