Der Helm

Es geht um einen magischen Helm und den Zauber der Kindheit Alle meine Märchen sind in meiner fantasie Stadt Shangri La passiert, denn dort ist alles möglich.....

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Hallo ! Mein Name ist Lunette . Ich bin nun schon eine alte Frau von 75 Jahren und ich möchte euch erzählen was vor 68 Jahren geschah:

Meine damals 11 jährige Schwester Soleil und ich verließen gerade das Haus.

„Soleil , eile dich! Wir sind spät! Du weißt doch, dass Eddie nicht gern wartet. Und denk an den Reim für Kubistmann!“

Soleil rannte mit ihrem Helm auf dem Kopf, der eine nicht vorhandene Musik in unsere Köpfe brachte, hinter mir her. Arg aus der Puste drehte sie sich zu unserer Mama um, die uns noch hinterher rief :“Ihr braucht doch keine Helme.“

Mutter winkte uns durch die schwarzen Straßen, den grauen Häusern, unter dem anthrazitfarbenen Himmel mit der dunklen Sonne nach.

Für uns war es nur ein kurzer Fußweg durch die grünen Alleen, mit den bunten Häusern, unter dem blauen Himmel mit der lachenden, gelben Sonne.

Nachdem wir das städtische Museum erreichten, hielt ich Soleil die Tür auf, diese huschte hastig in die Ausstellung. Zielsicher bogen wir nach rechts in den Gemälderaum. Die Personen auf den Leinwänden wurden auf einmal geschäftig. Das ehrenvolle Portrait Edgar Allen Poes lächelte uns freudig entgegen. Außerdem fing die Kopie der Mona Lisa mächtig an zu grinsen(mehr als üblich). Ein modernes Werk im Picasso-Stil blickte mit seinen Augen (dem, dass nach oben um die Ecke kuckte und mit dem, das komisch platziert war) erwartungsvoll auf meine Schwester: „ Hast du einen Reim für mich der so farbig ist, wie mein perspektivreiches Gesicht?“

Brav sagte sie ihn auf :“ Bunt für mich,

​​​grau für sie,

​​​ohne Helm, keine Farben

​​​-Nie“

Auf einmal schrillte ein Schrei durch den freundlichen Raum:“ Ahhhhh!“

Ich rief Soleil zu:“ Schnell, lass uns den Munch mit einem Tuch zudecken – sonst weckt er noch den schlafenden Dackel von Hockney!“

Der Museumsführer kam in den in Grautönen gehaltenen Raum geeilt. Geschäftig schaute er noch auf den schwarz-weißen Chagall und fragte sich, warum der „Schrei“ verhangen war. Er bemerkte aber nicht, dass wir raus schlichen.

Wir gingen am Rosenbrunnen vorbei, freundlich gegrüßt von den dort stehenden Alabasterstatuen.

Mein Kopf juckte, also hob ich den Helm an, sah auf den Granit-Brunnen, kratzte mich, setzte den Helm wieder auf und bewunderte noch einmal den prächtigen Marmor-Brunnen mit seinem lieblich plätschernden Wasser.

Wir durchquerten die Stadt. Am Spielzeugladen winkten uns, wie immer, alle Puppen und Stofftiere hinter her. Am Fotoladen zwinkerten uns die Brautfotos zu und wir hörten, wie sich zwei dicke, alte Hunde Räuberpistolen erschwindelten.

Und da waren wir: im Wald.

Schon an der ersten Weide sahen wir die schwirrenden Lichtpunkte, das waren die Elflein. Wir sahen uns das bunte Treiben kurz an. Die kleinen Wesen flogen zwischen ihren Wurzelstaaten hin und her. Jeder Baum hat eine eigene Welt.

Aber wir hatten ein anderes Ziel, wir wollten unser Einhorn besuchen. Es glitzerte in allen Regenbogenfarben durch die Bäume. Und als wir die Wiese betraten geschah etwas Schreckliches:

Ein Baum stürzte auf uns. Meine Schwester ist nicht wieder Erwacht. Und unsere kostbaren Helme waren zerstört und alles wurde Grau und Schwarz. Ich versank in der Welt der Erwachsenen und spürte keine Wunder mehr.

Doch dann, genau vor zwei Wochen zog eine neue Nachbarin, die in meinem Alter war, ins Haus nebenan. Ihr Name war Stella. Als sie aufgeregt vor meiner Tür stand, dachte ich zuerst, dass sie sich nur vorstellen wollte. Aber nein, viel besser!

Sie erzählte mir, dass es ihr als Kind sehr schlecht ging, weil sie einsam war und plötzlich tauchte eine Freundin, die nur sie sehen konnte auf. Diese unsichtbare Gefährtin, hätte zwei Aufgaben zu erledigen. Die erste wäre, ihrer Schwester Lunette. Klar zu machen, dass der Helm unnötig war. Diese Imagination war Soleil, die all die Jahre da war, und ohne Helm für mich verborgen blieb. Über die zweite Aufgabe wusste sie nichts.

Ich sagte zu meiner neuen Nachbarin:“ Stella, Ohne Helm kann ich sie nicht wahrnehmen.“

Traurig fuhr ich fort:“ Leider zeigte nur mein Helm mir, was verborgen blieb, aber das ist Vergangenheit.“

Da tat Stella etwas womit ich nicht gerechnet hatte. Sie kniff in meine runzelige Hand.

„Au! Was sollte das?“

-„Ist doch egal. Ist doch Verborgen .Nicht zu sehen und nicht physisch zu belegen“

Ich verstand nicht und fuhr sie an:“ Aber ich spüre es doch noch!“

„Lunette,“ antwortete sie:“ Du spürst auch die Wunder der Vergangenheit, wie dieses Gefühl. Du kannst es nicht sehen, aber es ist da. Dein Helm war doch nur aus Papier. Deine größere Schwester hat ihn doch nur gebastelt, weil sie deine Fantasie wecken wollte.“

Und da sah ich meine Schwester. Sie war jetzt auch eine alte Frau. Sie lächelte kurz, bevor sie im Licht verschwand.

Ich entdeckte was mir verborgen war und Stella erkannte, dass sie nun nicht mehr nur eine imaginäre Freundin brauchte.

Soleil hatte beide Aufgaben erfüllt.

Ende

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