Wasserfälle

Meine Geschichten spielen alle in meiner Fantasie Stadt Shangri La , wo alles möglich ist....

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1. Wasserfälle

Wasserfälle

Figliola ging die Strasse runter. Ihre rosa Haare kitzelten sie an den

Unterarmen. Sie hatte einen pinken Pullunder mit einer kurzen roten

Krawatte an. Außerdem trug sie eine ausgestellte rosa Cordhose. Sie war

der einzige Farbklecks an einem grauen, grauen Tag. Flink und ge-

schmeidig bewegte sie sich durch die zähe Menschenmenge. Es ging runter zur Metro. Durch den langsam fließenden Menschenfall bahnte

sie sich ihren Weg. Unten angekommen, sah sie sich um. Sie erblickte einen abgemagerten Penner, den die anderen gar nicht zu bemerken schienen. Sämtliche Passanten hatten die Augen geschlossen. Liola gab dem Bettler etwas Geld und ärgerte sich, dass die Welt so blind zu sein schien. Sie ging direkt auf einen der Leute zu und fuhr mit ihrer Hand über die Augen des Mannes in Richtung Stirn. Worauf dieser kurz die Augen öffnete und verdutzt war. Sein Blick war auf den Bettelnden gerichtet, er schüttelte den Kopf widerwillig, schloss schnell wieder seine Augen und ging an dem Berber vorbei. Liola schnaubte wütend.

Sie schlenderte durch die unterirdische Bahnhofshalle. Plötzlich sah sie in einer U-Bahn einen Jungen mit blauen Haaren. Er war anders als die Anderen, er hatte die Augen offen. Sie rannte zu ihm hin und klopfte an die Scheibe. Er sah sie und lächelte. Da fuhr die Bahn los. Sie klopften beide an die Fenster, er von innen sie von außen. Liola lief noch ein Stück mit der Bahn mit, bis sie verschwunden war. Traurig ging sie nach Hause.

Sie wohnte im siebten Stock eines Hochhauses, es war die oberste Etage.

Heute war Jemand in das Appartement neben ihr eingezogen. Sie ging hoch. Als sie oben war, hörte sie auf dem Balkon nebenan werkeln. Also ging sie raus. Sie wollte den neuen Nachbarn kennen lernen. Verschmitzt schaute sie über die schulterhohe Trennwand. Das war ja er! Sie räusperte sich um auf sich aufmerksam zu machen. „Du!“ sagte er freudig.

„Ja, ich, genau.“ antwortete sie

„Ich dachte ich würde dich nicht wieder sehen. Ich wollte jetzt jeden Tag in der Metro nach dir suchen.“

„So hast du mich vermisst?“ fragte sie lachend.

Er wurde etwas rot: „Nein. Aber im Ernst, du siehst traurig aus.“

„Mir ist heute noch nichts passiert was mich glücklich macht.“

„Dann sorg selbst dafür, dass du was glückliches erlebst!“ warf er ihr entgegen. Daraufhin ging sie grinsend rein. Eine Minute später kam sie mit einem zufriedenen Gesichtausdruck und einem Rucksack auf dem Rücken wieder raus. Sie nahm Anlauf und sprang über die Brüstung. Er wollte schreien, doch da ging schon ihr Gleitschirm auf und sie schwebte zwischen den Hochhäusern hin und her. Er lachte befreit und schallend.

In der Nacht wurde Liola von Musik geweckt. Sie ging auf den Balkon und sah ihren Nachbarn in einem Schlafsack sitzend Gitarre spielen. Er sang: „Sie kann so verrückt werden – Sie hat einen knall- Glücklich macht sie das Fliegen im freien Fall.“ „Hast du das für mich geschrieben?“ fragte sie einfach. „Ja, du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf.“

„Kannst du deshalb nicht schlafen und bist auf dem Balkon?“

„Ich schlafe immer unter den Sternen.“

„Das Lied eben war hübsch.“

„Danke.“ Antwortete er etwas verlegen. Ich habe noch ein Lied über dich und deinen Balkon.“

„Sing!“

Und er fing an, die Gitarre zu zupfen und dichtete: „Ist es glücklich, wo du bist oder kann es sein, dass es einsam ist?“

„Ruhe da oben!“ donnerte es aus Monsieurs Relouxs Wohnung. Sie lachten beide und unterhielten sich leise weiter. „Wie heißt du“ fragte er in die Stille. „Figliola, aber sag ruhig Liola und du?“ „Garcon“

„Hi!“

„Hi!“

„Was machst du so?“ wollte sie wissen.

„Ich verdiene ein wenig Geld, indem ich für die Shangri Formel 3000 Rennen fahre. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, diese Rage.“

Gerätst du gerne in Rage?“ hakte Liola nach. „Zum Schreiben brauch ich das. Ein Buchhändler in der Rue Saint legt meinen Gedichtband aus.“

„Cool.“ sagte sie.

„Und womit verdienst du dein Geld?“

„Ich singe Liebeslieder im Amour-Club.“

„Dann kannst du gut singen?“

„Ja es geht so.“ sagte sie bescheiden. „Macht es Spaß?“ wollte er wissen.

„Ja, es ist smooth.“

„Dann zeig ich dir morgen beim Rennen was von Rage. Kommst du mit?“

„Ja morgen ist ein grüner Tag…..“

„Häh?“ sagte er, aber sie war schon rein gegangen.

Am nächsten Morgen verstand er, was sie meinte. Sie hatte eine grüne Sonnenbrille auf und sah alles in grün. Sie stiegen auf Liolas Roller. Er hielt sich hinten an ihr fest. „Wie findest du meinen Roller?“

„Er ist rosa!“ antwortete er grinsend. Die Straße war wie eine pulsierende Ader. An der Bushaltestelle rechts neben ihnen hing ein großes Plakat mit einem Herz als Motiv. Sie fuhren los.

Garcon setze sich voller Zufriedenheit in seinen blauen Rennwagen. Er redete leise: „Das ist die Ruhe vor dem Sturm.“ Sagte er und fuhr in die Startaufstellung.

Das Rennen rockte. Er raste wie ein Wilder und gewann durch stürmische und gewagte Überholmanöver. Als er in der Box aus seinem Wagen stieg, küsste er Liola überschwänglich. Er nahm sich sofort seine Notizen vor. „Du weißt gar nicht wie flüssig man nach einem Rennen schreiben kann.

Wenn die ganze Raserei vorbei ist und die Geschwindigkeit nicht mehr auf

deine Schläfen drückt. Es ist wie eine Hatz und du weißt, dass du deine Gegner einen nach dem anderen kriegen wirst. Die süße Schwere in deinem Kopf legt sich erst, wenn du alles raus gelassen hast.- Weißt du, ich will irgendwann einmal in allen Rennautos der Welt gesessen haben. Formel 1, Champcars und so weiter. Ich will Tagebuch darüber führen auf ganz poetische Weise mit Gedichten. Die Leute sollen auch in einen Geschwindigkeitsrausch verfallen, nachdem sie den Beat dieses Buches durchlaufen haben, yeah.“

Atemlos gingen sie in Liolas Club, wo sie heute noch arbeiten musste. Liola hatte dort angefangen an einem gelben Tag.

In ihrem rosa Abendkleid fand Garcon Liola unglaublich süß. Und sie sang so schön, manchmal rauchig, manchmal voll. Es kam eine richtig gute Schmusestimmung auf. Die Paare tanzten eng umschlungen, während Liola auf der Bühne kokettierte. „Wow, du warst gut“ sagte Garcon, als sie vor den Club gingen. „Danke“ hauchte sie ihm zu. „Ich will dir etwas zeigen.“ und zog sie mit. Sie gingen ein paar Blocks weiter auf einen Schrottplatz. „Was soll ich denn hier?“ fragte Liola lachend. „Wart`s ab“ sagte Garcon verschmitzt. „Hier ist es.“

Was sie sah verschlug Liola den Atem. Ein richtiges Luftschiff stand da vor ihr. Garcon stieg ein und reichte ihr die Hand, um sie rein zu ziehen. Er zündete das Feuer an und der Ballon füllte sich. Dann hoben sie ab. Sie fühlten Freiheit, grenzenlose Freiheit. „Wozu Hast…“ fing sie an und wurde unterbrochen von einem Schrei unten auf der Straße. Ein Dieb hatte einer Oma die Handtasche gestohlen und lief weg. Garcon setzte zur Verfolgung an und ging tiefer. Der Räuber rannte jetzt, als wäre der Teufel hinter ihm her. Garcon überholte ihn, landete und versperrte ihm den Weg. Er stellte sich vor dem Dieb auf und entriss ihm die Handtasche. Der war so verdutzt, dass er gar nicht wusste, was er machen sollte. Aber als sein

Erstaunen allmählich nachließ, rannte er davon.

Garcon brachte die Handtasche zu der älteren Dame, die sich überschwänglich bedankte. Doch er sagte nur: „Verschließen sie ihre Augen nicht mehr. Öffnen sie sie und rücken dem Unrecht auf die Pelle.“ Damit verschwanden Liola und Garcon an Shangri Las Nachthimmel.

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