Der post moderne Prometheus

Meine Geschichten spielen alle in meiner Fantasie Stadt Shangri La , wo alles möglich ist....

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1. Dolly

Vor hundert Jahren baute ein Wissenschaftler eine Puppe und machte sie lebendig. Sie war aus Porzellan und hatte schwarze Haare und ein schwarzes Kleid. Doch leider hatte sie keine Gefühle, weil ihr Herz nicht schlug. Trotzdem war sie eine nette Puppe.

Mit der Zeit ging sie immer mehr kaputt. Die untere Hälfte ihres rechten Arms fehlte, ihr Porzellanknie war angeschlagen, ihr Hals hatte einen Riss, ihr Haar war struppig und ihr Kleid mit Flicken übersäht. Der Wissenschaftler starb und die Puppe blieb in ihrer Spielzeugkiste. Bis Erben in das alte Haus zogen. Das war gestern.

„Mama! Sieh mal was ich gefunden habe!“ rief eine kleine Mädchenstimme. Etwas berührte die Puppe und zog sie hoch, dabei gingen ihre Schlafaugen auf und sie sah die Mutter und ein kleines Mädchen von ungefähr fünf Jahren.

„Hallo.“sagte die Puppe. Dem kleinen Mädchen fielen vor Staunen fast die Augen raus: „Sie ist lebendig!“

„Ja, das stimmt.“ antwortete die Puppe. „Wenn du mir bitte aufhelfen könntest?“ Das kleine Mädchen zerrte an der riesigen Puppe.

Die Mutter sagte: „Meine Mutter hat mir erzählt, dass mein Urgroßvater eine lebendige Puppe erschaffen hat, nachdem seine Tochter gestorben war. Aber bis eben hätte ich es nicht geglaubt.“

„Wie heißt du?“ fuhr die Kleine dazwischen.

„Mein Erschaffer pflegte mich Dolly zu nennen.“

„Hi Dolly! Ich bin Rieke und das ist meine Mama. Ich will dir noch meinen Bruder Ike vorstellen, er ist fünfzehn.“

Dolly lebte jetzt bei der Familie. Sie versuchte immer so menschlich wie möglich zu sein und sie war ein wenig naiv in Gefühlsdingen. Weil sie selber keine Gefühle hatte, verstand sie nichts davon. Aber sie wünschte es sich sehr.

Eines Tages stand sie mit Ike in der Küche und sie unterhielten sich. Ike hatte Dolly gerne, mit ihren ruckartigen mit den unbiegsamen Fingern und ihre holprige Art zu sprechen.(So wie das bei Sprechpuppen nun mal ist.)

Gerade kam Sparki durch die Hundetür herein und schlabberte Ike zur Begrüßung durchs Gesicht.

„Warum macht er das?“ wollte Dolly wissen.

„Er gibt mir einen Begrüßungskuss.“

„Wieso?“ hakte sie nach.

„Weil er mich lieb hat.“antwortete er geduldig.

„Und dann küsst man jemanden?“

„Ja.“gab er zurück

„Mich hat noch nie jemand geküsst.“

Da beugte sich Ike mitleidig zu ihr herüber. Und als seine Lippen ihre berührten,hörte er ein merkwürdiges kurbelndes Geräusch.

Durch den Kuss

Hatte sich Dollys Herzmechanismus in gang gesetzt und es fing an zu schlagen. Beim ersten Schlag knallte es von Innen gegen ihre Porzellanbrust, sie riss und zersprang. Dollys Scherben fielen zu Boden, zerbarsten und zersplitterten.

Ike war so bestürzt über Dollys Tod, dass er selbst das Gefühl hatte innerlich zerrissen zu werden, aber das ging nicht, denn er war nicht aus Porzellan.

Dolly war zwar in dem Moment gestorben, als sich ihr Wunsch erfüllte. Aber das tröstete Ike nicht. Denn er war ein Mensch und musste weiterleben, mit Gefühlen.

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