Simply Love - the unbelievable conversion of a Slytherin

Draco Malfoy hat endlich das Richtige getan. Er hat sich gegen Voldemort entschieden und kämpft im Krieg auf der Richtigen Seite.
Doch, als er sich gegen Voldemort entscheidet, entscheidet er sich auch gegen seinen Vater und seine gesamte Familie.
Draco steht nun alleine da. Seine Familie und sein Zuhause hat er verloren.
Verzweifelt und verletzt reist er schließlich zu dem einzigen Ort, der ihm in den Sinn kommt. Hogwarts.

Draco hat sich schon darauf eingestellt Weihnachten dieses Jahr alleine zu verbringen, als es gerade die Gryffindorschülerin Hermine Granger ist, die sich seiner annimmt.

Draco ist restlos überfordert. Sein Leben ist gerade vor ihm eingestürzt und nun kommen in ihm Gefühle auf, die er so nie erwartet hätte. Gefühle bei denen auch Hermine eine große Rolle spielt.

Auch Hermine ist überfordert; sie weiß, dass in der nächsten Zeit große Veränderungen anstehen.

Wie werden Lucius und Narcissa mit der Situation umgeben?

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15. 14. The beginning is always today

14. The beginning is always today 

Draco hatte nicht vor sich zu töten. Seine wirren Gedanken ließen es nicht zu, dass er einen perfiden und sinnigen Plan schmieden konnte, um seinen Problemen Abhilfe zu schaffen. Er saß einfach nur da und vergrub die unterkühlten Finger im tiefen Schnee. Er merkte nicht einmal wie ihm einzelne heiße Tränen, die geröteten Wangen hinunter liefen. Es war ihm auch egal, würde ihn einer sehen. Er war es Leid immer nur daran zu denken, was andere von ihm halten könnten. Ehre und Ansehen, das waren all die Jahre sein Antrieb und Lebensinhalt gewesen. Doch nun, da jegliches Ehrgefühl wie weggeblasen schien, konnte er sich die Mühe auch sparen. Draco hatte so viel versucht, doch hatte immer nur enttäuscht. Sich selbst, aber auch jegliche andere, die Hoffnungen in ihn gesetzt hatten. Er war ein Versager und das wurde ihm nun bewusst. Noch nie hatte er etwas erreicht im Leben. Alles was er tat war von seinem Vater gesteuert oder hintenherum ausgeführt worden. Jegliche Meinungsfreiheit war ihm verwehrt worden. Wozu brauchte er auch eine Meinung? Es gab ohnehin niemanden, den sie interessieren würde.

Hermine konnte sich nicht helfen. Schon zum wiederholten Male las sie die Passage, die auf der vergilbten Seite eines eingestaubten Sammelbandes zu lesen war. Keines Falls war ihr die Materie zu wider oder gar unverständlich, doch ihre Gedanken schweiften wieder und wieder zu dem selbstsamen Blondschopf. Was war nur in ihn gefahren? Es ließ ihr einfach keine Ruhe, wie er an ihr vorbei gestürmt war, mit schmerzverzerrtem Blick und blutenden Unterarmen. Wieder und wieder meldete sich in ihr ein Sinn, der ihr sagte, sie sollte ihn suchen gehen. Doch wo sollte sie anfangen? Sie bezweifelte, dass sich Malfoy seit ihrem unglücklichen Aufeinandertreffen im Flur noch immer außerhalb des Gebäudes aufhielt. Durch ein Fenster hatte sie beobachtete wie er in Richtung des Brunnens gerannt war, doch die junge Hexe konnte sich auch getäuscht haben.                                                                                                       Genervt schlug sie das Buch zu und wirbelte damit einige Staubwirbel auf, die sie zum Husten brachten. Prustend stand sie auf und verließ schnellen Schrittes, die ihr so geliebte Bibliothek. Kaum hatte sie die Tür, die nach Draußen führte geöffnet, bereute sie ihre Entscheidung schon. Ein eisiger Wind blies ihr um die ungeschützten Ohren. Fröstelnd rieb sie sich die Arme und stapfte sich den Umhang fest um den Körper schlingend, in die Richtung, in die sie den Slytherin hatte gehen sehen. Das war doch albern, wieso sollte er sich freiwillig in diesen Schneesturm wagen? Und überhaupt, wieso interessierte sie Malfoys Wohlergehen? Er war doch nur ein verwöhnter, arroganter, rassistischer Slytherin, der jede Möglichkeit nutzte, um sie bloßzustellen und zu beleidigen. Doch genau das war es, was die Schülerin verwirrte. Seine Arroganz schien wie weggeblasen, doch nur Nettigkeit schien sie auch nicht ersetzt worden sein. Viel mehr schien er von Angst und Zweifeln getrieben, aber das konnte nicht sein. Ein Draco Malfoy brauchte doch vor nichts Angst zu haben. Er hatte genug Geld, um sich jeglichen Problemen zu entziehen. Er hatte einen Vater, der ihm einfach alles ermöglichte, was auch immer er sich in den Kopf gesetzt hatte. Lucius Malfoy hatte im zweiten Schuljahr sogar die gesamte Quiddichmannschaft mit dem neusten Besenmodell ausgestattet, nur um seinem Sohn die Position des Suchers zu sichern. Daran konnte es also auch nicht liegen. Vielleicht fühlte er sich ohne seine affenartigen Bodyguards Crabbe und Goyle unbeschützt? Hermine schüttelte den Kopf, über was sie sich hier Gedanken machte. Eigentlich sollte sie jetzt in der warmen und gemütlichen Bibliothek sitzen und  in einem  Werk über die Kunst des zauberstablosen Zauberns lesen. Das, was sie hier gerade veranstaltete, war doch gerade zu lächerlich. Wenn Harry und Ron wüssten, dass sich ihre beste Freundin doch tatsächlich Sorgen um ihren gemeinsamen Feind Draco Malfoy machte. Nicht auszudenken wie sie reagieren würden.

Gerade hatte sich Hermine dazu entschieden wieder umzukehren, um die Bibliothek wieder aufzusuchen, als sie in der Ferne eine helle Haarsträhne aufblitzen sah. Malfoy! Niemals zuvor hatte sie solch ein helles Blond bei einer Person gesehen. Gerade zu verräterisch Blond leuchteten ihr die Haare des Gesuchten den Weg. Eilig lief sie in Richtung des Brunnens, hinter dem sie den jungen Malfoy vermutete. Dort angekommen, stand sie tatsächlich vor dem Gesuchten. Hermine stockte der Atem. Draco Malfoy saß wie hypnotisiert auf dem Boden. Seine Haut schien beinahe so blass, wie der Schnee, der sie umgab. Auf seinen vor Kälte geröteten Wangen, erkannte die junge Hexe feuchte Spuren. Er hatte geweint. Draco zitterte wie Espenlaub, als Hermine ihn berührte. Erschrocken zuckte sie zurück. Er war eiskalt. Keine Reaktion ging von ihm aus, als sie sich ihm erneut näherte. „ Malfoy?“, fragte sie und tippte ihm ein zweites Mal an die Schulter, doch er rührte sich noch immer nicht. „Was machst du denn hier draußen? Dir muss doch unendlich kalt sein.“, sagte sie leise und fuhr ihm durch das wirrte Haar. Sie sah mit Schrecken wie sich eine Träne aus seinen ausdruckslosen Augen löste und ihm still die Wange herunter lief. Hermine wusste nicht was tun sollte. Sollte sie ihn trösten? Hermine wurde unbehaglich zu Mute, als sie den so verletzlich wirkenden Jungen vor sich sitzen sah. Unsicher fuhr sie ihm in beruhigenden Bewegungen über den mit Gänsehaut überzogenen Arm. Nun ging ein Ruck durch den apathisch in die Luft Guckenden; ein schmerzlicher Schluchzer entfuhr ihm, als er die sanften Berührungen der Gryffindor auf seinem Arm spürte. Die zuckte erschrocken zurück. Ein weinender Malfoy; das war ungewohnt. Draco vergrub beschämt das Gesicht in den tauben Händen. Irgendwie musste es doch möglich sein die Tränen zu verhindern, doch es war als würde er die Kontrolle über seinen Körper verlieren. Der Schmerz der Verzweiflung schien ihn innerlich zu zerreißen. Ein Zucken ging durch ihn, als er wärmende Arme auf sich spürte. Hermine hatte schüchtern die Arme um ihren Albtraum der vergangenen Schuljahre gelegt. Sie hatte keinen anderen Weg gesehen. Sie ertrug es nicht, wie er dort saß, so traurig, so verletzlich, so allein… Sachte tätschelte sie ihm den erhitzten Kopf. Sie spürte wie er versuchte gegen die Tränen anzukämpfen und doch kläglich daran scheiterte. „Shh… es wird alles wieder gut…“, hauchte sie, doch es brach ihr die leise Stimme. Ob es wirklich wieder gut werden würde, konnte sie ihm nicht versprechen. Der Brünetten war klar, dass wenn es selbst einen Draco Malfoy zerbrechen ließ, es wirklich ausweglos sein musste. „Nein…“, hörte sie ihn schluchzen. Es trieb ihr ebenfalls die Tränen in die Augen. Was war nur vorgefallen? Was quälte den Jugendlichen so, dass er solch bittere Tränen vergoss? Sie war einfach da und ließ ihn nicht allein.

Hermine fühlte sich noch immer wie in einem Traum, doch sie träumte nicht. In einem Traum wäre ihr nicht so unsagbar kalt. Von Sekunde zu Sekunde war die Kälte mehr in ihre Glieder gekrochen und hatte ihren Körper mit Eis geflutet. Es schien keine Wärme mehr in ihr zu geben. Wie musste es dann erst für den Jungen sein, den sie noch immer im Arm hielt? Er war dem Winter schon viel länger ausgesetzt. Hermine löste sich aus der Umarmung und sah Malfoy in die grauen Augen. „Lass uns rein gehen.“, flüsterte sie und hielt ihm, nach dem sie aufgestanden war, die Hand hin. Er ergriff sie mechanisch und ließ sich schwerfällig von ihr auf die tauben Beine ziehen. „Kannst du gehen?“, fragte sie, da er keine Anstalten machten sich zu bewegen. Dracos Muskeln waren wie verklemmt. Nichts ließ sich mehr bewegen. Alles tat einfach nur unsagbar weh. Schmerzlich stöhnte er auf, als er sich von Hermine einen Schritt in Richtung Schule ziehen ließ. Diese blieb sofort stehen und schaute ihn erschrocken an. „Was ist los?“, die Muggelstämmige kam besorgt auf Draco zu. Dieser stand unbewegt da und klapperte mit den Zähnen. Hermine verstand und zog sich den Umhang von den fröstelnden Schultern. Draco schaute sie fragend an, aber sie lächelte. Sachte legte sie den dicken Stoff, um die Schultern des Blonden vor ihr. „Na komm.“, sagte sie nun und beeilte sich ins Schloss zu kommen.                                                                                                                                                                                                              Noch immer schmerze jede Bewegung in Dracos Gliedern, doch der schwere Stoff des Umgangs wärmte seine verspannten Schultern. Es schien, als würde sich ein eiserner Griff von seinen Schultern lösen und ihn frei geben. Hermine zog ihn immer weiter in die Dunkelheit.

Im Schloss angekommen umgab sie eine angenehme Wärme, die sie für einen Augenblick einfach still genossen. Unsicher drehte sich die Brünette zu Draco um, aber dieser sah zu Boden. Er wirkte so ungewohnt zerbrechlich und das machte ihr Angst. Was sollte sie jetzt tun? Sie konnte ihn schlecht einfach hier stehen lassen und gehen. Zögernd streckte sie ihre Hand aus, um die seine zu nehmen. Er ließ es zu und schloss sachte seine um die ihre. Hermine lächelte leicht. Vielleicht würde sich endlich etwas ändern. Aber jetzt blieb ihr keine Zeit sich über die leidige Feindschaft zwischen ihnen Gedanken zu machen. Viel mehr musste sie sich nun irgendwie um den unterkühlten Slytherin kümmern. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es bereits Zeit zum Abendessen war. Das war ihre Chance. Schnell huschte sie mit Draco im Schlepptau durch die Flure Hogwarts. Vor dem Portrait der fetten Dame angekommen, wurden sie argwöhnisch von der in rosa gekleideten Dame begutachtet. „Miss Granger, was macht denn ein Slytherin hier vor dem Eingang des Gryffindorgemeinschaftsraumes?“, fragte sie und rümpfte die Nase. Hermine verdrehte innerlich die Augen und sprach, ohne auf die Frage des Gemäldes zu antworten, das Passwort. Widerwillig und mit einem beleidigten Ausdruck auf dem Gesicht, schwang das Bild zur Seite und legte somit ein kreisrundes Loch frei, durch das man in den in Rot und Gold gehaltenen Gemeinschaftsraum gelangte. Hermine löste ihre Hand aus Dracos Griff, um durch das Loch zu klettern. Auf der anderen Seite sicher angekommen, hielt sie dem Slyherin hilfsbereit die Hand entgegen. Dieser stand unsicher vor dem Eingang und wagte es nicht durch das Loch zu steigen. Er sollte hier nicht sein. Er war ein Slytherin und ein stolzer dazu, er hatte hier nichts zu suchen. Er sollte einfach wieder gehen, er hatte es nicht verdient, dass die Gryffindor ihre Zeit an ihn verschwendete. Niemand sollte das tun müssen…

„Na los, kommt schon.“, forderte Hermine ungeduldig und kam ihm ein Stück entgegen geklettert. Noch immer zweifelnd, griff Draco nach der zarten Hand, die ihn so sehr an die seiner Mutter erinnerte. Das machte ihm Mut. Versucht sich selbst nicht zu verletzten, kletterte er umständlich durch das kreisrunde Loch. „Keine Sorge, es ist niemand hier. Die sind alle beim Essen.“, erwiderte Hermine auf Dracos panisch wirkenden Blick. Dieser entspannte sich tatsächlich ein wenig und wagte einen Schritt in den vom Kamin erhellten Raum. Hermine seufzte leise und nahm wieder seine Hand. Diese hatte  schon um einiges an Temperatur gewonnen, wenn sie auch noch immer unterkühlt schien. Zusammen mit dem veränderten Slytherin machte sie sich geradewegs auf in Richtung der Mädchenschlafsäle. „Warte kurz.“, flüsterte sie und trat ein. Einige Sekunden später streckte sie den von Locken bedeckten Kopf durch den Türspalt. „Die Luft ist rein.“, lächelte sie schüchtern und kam sich vor wie ein Mädchen, dass Angst hatte von ihrem Vater erwischt zu werden, wie sie ihren ersten Freund in ihr Zimmer schmuggelte. Draco folgte Hermine widerwillig in das Reich der Gryffindorschülerinnen. Der für vier Bewohner ausgestattete Raum war überraschend gemütlich, aber auch unordentlich. Man müsste Meinen, Mädchen hätten einen ausgeprägteren Sinn für Ordnung, doch Draco störte sich nicht daran. Bei den Jungs mit denen er zusammen wohnte, sah es wahrlich schlimmer aus.                                                                                                                                        Die Gryffindor fegte mit einer gekonnten Handbewegung ein paar Sachen von ihrem Bett, die polternd zu Boden fielen. Rasch ließ sie sie mit einem Fußtritt unter dem Bett verschwinden. Mit einer einladenden Geste deutete sie ihm, dass er sich setzten sollte. Draco tat wie ihm befohlen. Unsicher nahm Hermine neben ihm Platz. Beide schwiegen, bis Hermine die Augen ihres Gegenübers verdächtig glitzern sah. „Möchtest du drüber reden?“, fragte sie vorsichtig und berührte ihn an der Schulter. Draco zuckte zurück und ließ die Tränen widerwillig gewähren, die sich einen Weg über seine Wangen bahnten. Wieder war da dieses Zittern, dass ihm die Kontrolle über seinen Körper raubte. Mit ihm kam die Unsicherheit zurück. Er hatte alles kaputt gemacht. Wieso hatte er nicht einfach den Wünschen seines Vaters folgen und Anhänger Voldemorts werden können? Wieso war er zu schwach, um seinem Vater den Sohn zu bieten, den er verdient hatte? Wieso war er nur so? Draco schniefte und richtete den Blick hoch an die Decke. Mit dem Ärmel seines vor Kälte gefrorenen Pullovers wischte er sich die salzigen Tränen aus dem Gesicht.

Hermine legte einen Arm um Draco und drückte ihn sachte an sich. Dieser lehnte sich leicht an sie und legte schließlich seinen Kopf auf ihre schmale Schulter. Ein Schluchzen konnte er nicht unterdrücken, während das Mädchen neben ihm sachte über sein blondes Haar strich. „Shh…“, machte sie immer wieder und hört nicht auf mit ihrer warmen Hand sein wirres Haar zu ordnen.

So saßen sie einige Minuten da. Keiner sagte ein Wort. Jeder hing seinen Gedanken nach. Jeder in seiner Welt gefangen, unfähig ihr zu entkommen.

 „Kann ich mal deine Arme sehen?“, fragte Hermine und nickte auffordern in Richtung der Verletzungen, die sich, wie sie wusste, unter dem dunklen Stoff verbargen. Draco nickte und schob leise seufzend die Ärmel seines Oberteils nach oben. Der jungen Hexe stockte der Atem. Blutüberströmt zeigte sich vor ihr die helle Haut Dracos; durchzogen von Schnittwunden unbekannten Ursprungs. Als sie die Wunden mit den Fingern berührte, zuckte Draco, die Luft scharf einatmend, zurück. „Das muss gereinigt werden.“, stellte sie fest und griff schon nach ihrem Zauberstab, der in ihrer Hosentasche steckte. Als der Verletzte den hölzernen Stab erblickte, läuteten in ihm jegliche Alarmglocken. Mit weit aufgerissenen Augen sprang er vom Bett und rannte in Richtung Tür. „Bleib mir vom Leib!“, schrie er ihr entgegen und griff nach seinem Zauberstab, um zu merken, dass er diesen nicht bei sich trug. Panisch rüttelte er an der Holztür und spüre Tränen in seine Augen treten, als diese sich einfach nicht öffnen lassen wollte. Hermine schaute ihm verblüfft hinterher. Was war denn nun passiert? Sie wollte doch nur seine Wunden mit einem Spruch säubern und wenn möglich heilen. „Draco, ich…die Tür ist abgeschlossen.“, sagte sie schließlich und kam auf ihn zu. Draco drückte sich mit schmerzverzerrtem Blick an die harte Tür. „Draco, hör auf! Ich tue dir nichts. Siehst du? Ich lege den Zauberstab auch sofort wieder weg.“, sagte sie und tat dies auch. Unbewaffnet schritt sie langsam auf den Verängstigen zu. Dieser entspannte sich sichtlich, als er sie die vermeintliche Waffe weg legen sah.

Bereitwillig ließ er sich von ihr wieder zum Bett führen, setzte sich und versuchte sich zu beruhigen. „Vielleicht ziehst du erst einmal den Umhang aus.“, schlug Hermine vor und begann den Knoten an seinem Hals zu lösen. Seine angespannte Haltung, als sie dies tat, sorgte sie.  Wieso war er so angespannt?  Hatte er etwa Angst vor ihr? Sie würde ihm doch nie etwas tun, vor allem nicht jetzt, da er augenscheinlich nicht auf Streit oder Kampf aus war. Besorgt sah sie in sein müdes Gesicht. „Vielleicht legst du dich lieber ein bisschen hin. Du siehst ziemlich müde aus. Keine Sorge, ich werde dir nichts tun und wenn du willst kann ich meinen Zauberstab auch wegschließen.“, sagte sie sanft an Draco gewandt und konnte sich selbst nicht wirklich erklären, wie sie auf diese abstruse Idee kam, dies zu tun. Draco sah sie einfach nur an. Schätzte vermutlich ab, wie ernst sie das eben Gesagte wirklich meinte.

Nach einigen Minuten des beidseitigen Schweigens hatte Draco sich entschieden. Noch immer von Unsicherheit geplagt, streckte er vorsichtig die zuvor angewinkelten Beine aus. Hermine lächelte ihn aufmuntert an. Schließlich hatte er sich vollends ausgestreckt und starrte die junge Hexe einfach nur an. Diese starrte zurück, bis sie den Kopf schüttelte, als würde sie einen verrückten Gedanken verscheuchen wollen. Nachdenklich hob sie die auf dem Boden liegende Decke auf und legte sie über den zitternden Jungen, der, sich fehl am Platz fühlend, in ihrem Bett lag. Das Zittern wollte nicht verklingen. Kurzerhand schnappte sich Hermine eine zweite Decke und legte sie über die erste. Das Gewicht der beiden Winterdecken lastete schwer auf dem schmalen Jungen, doch langsam spürte er Wärme in sich aufkommen. Als auch das letzte Zittern verschwand, konnte er endlich die Augen schließen. Es dauerte nicht lange bis ihn die Müdigkeit einholte und in einen tiefen Schlaf fallen ließ. Hermine saß unschlüssig ein Bett weiter und betrachtete gedankenverloren den schlafenden Slyhterin. Zu gerne wüsste sie was vorgefallen war, aber sie wollte ihn nicht einfach fragen. Er hatte es so schon wahrlich schwer genug. Seufzend stand sie auf und lief an das Fußende ihres belegten Bettes. Hermine schlug die Decke ein Stück zur Seite und brachte somit Dracos Füße zum Vorschein, die wie erwartet noch in seinen durchnässten Schuhen steckten. Die Muggelgeborene begann die Schlaufe der fest gebundenen Schleife zu lösen und, als das geschafft war, die völlig verdreckten Schuhe von den schmalen Füßen Dracos zu stülpen. Dieser zog im Schlaf die Füße näher an seinen Körper. Hermine entledigten ihn noch des anderen Schuhs und schlug schließlich die schwere Decke wieder zurück. Er tat ihr so leid. Eine einzelne Träne trat aus ihren glasigen Augen. Schnell wischte sie sie weg. Sie musste wohl oder übel für ihn da sein, denn schon jetzt fühlte sie sich auf unerklärliche Weise für den blonden Spross verantwortlich.

Ein schweres Gewicht lastete auf Draco, als er die Augen aufschlug. Um ihn herum sah er nichts als Dunkelheit, die einzig durch den Schein des schmalen Sichelmondes durchbrochen wurde. Nur langsam kehrte die Erinnerung an den vergangenen Tag in sein Gedächtnis zurück. Und eine Frage war es, die ihn seither beschäftigte. Warum hatte sie das getan? Warum hatte Hermine ihn getröstet und sich um ihn gekümmert? Sie hasste ihn. Und er wusste nur zu gut, warum dies der Fall war. Er hatte ihr die letzten Jahre auf Hogwarts wahrlich zur Hölle gemacht und sich nur selten dafür geschämt. Entschuldigt hatte er sich nie dafür. Wieso auch? Sobald sich Zweifel in ihm erhoben, hatte sein erbarmungsloser Vater sie wieder zu Nichte gemacht. Muggel sind wertlos. So war er erzogen worden und hinterfragt hatte er es nie. Bis jetzt. Nun war er frei und würde es nicht zulassen, dass sein wirrer Kopf solche Gedanken auch nur zu lies. Nie wieder würde er es zulassen, dass die kranken Gedanken Voldemorts und die seines Vaters ihn so beeinflussen und kontrollieren würden. Er war ein eigenständiger Mensch und hatte das Recht auf eine eigene Meinung. Auch, wenn sie außer ihn niemand zu hören bekommen würde. Noch nie hatte Draco sich so eingeschüchtert gefühlt. Außerhalb der Anwesenheit seines Vaters hatte er nie so etwas wie Zweifel oder gar Reue verspürt. Lucius hatte ihn bei allen Machenschaften unterstützt und bestärkt. Doch Lucius‘ Hilfe konnte und wollte Draco nicht mehr in Anspruch nehmen. Noch immer todmüde setzte er sich auf. Zu gerne würde er sich einfach wieder in die Federn legen und schlafen, doch er konnte nicht. Er konnte es nicht erklären, aber er fühlte sich einfach zu fehl am Platz, um das zu tun. Er saß mitten in der Nacht auf einem Bett in einem Mädchenschlafraum einer Gryffindor. Das es auch gerade Granger sein musste, die ihn finden musste. Nicht, dass er sich an ihrem Blutstatus störte oder daran, dass sie Muggeleltern hatte. Viel mehr war es die Angst, die ihm die Luft abschnürte. Die Angst vor dem Alleine sein. Auch, wenn Draco es nicht gerne zugab, die schlaue Gryffindor war im Moment die Einzige, an die er sich wenden konnte. Hart traf ihn die Erkenntnis, dass es nach den Ferien wohl auch keine Besserung geben würde. Wenn Pansys Eltern erst einmal Wind von der Enterbung Dracos bekommen würden, dann würde deren Tochter schnell das Interesse an ihm verlieren. Auch ein Kontaktverbot von Seitens Parkinson Senior war denkbar. Auf die Unterstützung seiner anderen sogenannten „Freunde“ konnte auch nicht hoffen. Die waren nicht nur dumm wie Brot, sondern mochten sich selbst viel lieber, als Draco. Schon in der ersten Klasse hatte er immer wieder merken müssen, dass sich die beiden viel näher standen, als er es ihnen jemals könnte. Sie verband alleine schon ihre Leidenschaft für Essen, die Draco noch nie wirklich hatte teilen können. Wie konnte man auch einfach alles in sich hineinstopfen? Und das zu jeder Tages und Nachtzeit? Gerade war Draco dieser Gedanke durch den schmerzenden Kopf gespukt, da verspürte er ein Ziehen in seinem Bauch. Schon hörte er ein lautes Knurren bei dem er dachte, dass es die ganze Schule wecken müsste. Er horchte tatsächlich auf. Doch niemand schien es gehört zu haben. Kurz musste Draco tatsächlich aufgrund seiner eigenen Naivität lachen. Doch es erstarb sofort, als er ein wühlendes Geräusch vernahm. Panisch blickte er sich um, sprang mit einem Satz aus dem Bett, welches ein lautes Quietschen von sich gab. Das laute Knarren ließ ihn noch mehr zusammen fahren.

Hermine wurde durch ein knurrendes Geräusch geweckt. Leise in die Decke grummelnd, kuschelte sie sich in ihr weiches Kissen. Es war doch noch dunkel draußen, wieso war sie schon wach? Da hörte sie ein Geräusch. Es klang wie das Quietschen eines alten Sprungrahmens. Plötzlich war sie hellwach. Wer war hier im Zimmer? Pavati und alle anderen Gryffindor-Mädchen waren in den Ferien nach Hause gefahren und somit nicht hier. Ängstlich blickte sie sich um, doch außer der Schwärze, die sie umgab, konnte sie nichts erkennen. Wieso musste es auch so dunkel in ihrem Zimmer sein? Wo war der Mond, wenn man ihn einmal brauchte? Vermutlich verdeckt von einer vorbei treibenden Wolke, die sich vor ihn geschoben. Vor Angst wie gelähmt, schlich Hermine leise aus ihrem Bett. Den Zauberstab fest in der Hand, bereit ihn jederzeit einzusetzen, lief sie über den kalten Boden. Plötzlich spürte sie etwas spitzes, dass sich in ihren nackten Fuß bohrte. Vor Schmerz stöhnte sie leise auf. Erschrocken schlug sie sich die freie Hand auf den Mund. Wie sollte sie nun weiter gehen? Würde sie den schmerzenden Fuß wieder auf den Boden setzten, lief sie Gefahr das Ding, was auch immer es war, weiter in ihren Fuß zu drücken. Hermine versuchte gerade so leise wie möglich mit einem kleinen Sprung einen Schritt vorwärts zu hüpfen, als sie das Gleichgewicht verlor. Lautstark krachte sie zu Boden, wobei sie etwas oder wohl eher jemanden mit zu Boden warf. Erschrocken und vor Schmerz jaulte sie auf. Hinter sich hörte sie eine zweite, tiefer klingende Stimme panisch schreien. Ihr Herz blieb für einen kurzen Moment stehen, bis es schließlich in dreifacher Geschwindigkeit zu schlagen begann. Das beidseitige Schreien war verklungen und wechselte zu einer erdrückenden Stille, die keiner der beiden brechen wollte. Zu verängstigt waren beide, was sie daraufhin erwarten würde. „Hallo?“, hörte Hermine plötzlich die gedrückte Stimme Dracos Malfoys fragen. „Oh Gott, Malfoy! Den hatte ich ja völlig vergessen…“, dachte Hermine erleichtert und atmete laut aus. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass sie die Luft angehalten hatte. „Hermine?“, hörte sie die gleiche Stimme nun leise wimmern. Schon der Tonfall versetzte ihr einen Stich. Doch als das Gesagte ihr Bewusstsein erreichte, musste sie erst einmal erstaunt innehalten. Hatte Malfoy sie etwa gerade Hermine genannt? Noch nie hatte sie ihren Namen aus seinem Mund gehört. Es hörte sich gut an. Schnell verwarf sie diesen Gedanken und tat endlich das einzig Richtige. „ Ja?“, antwortete sie auf Dracos Frage hin. Hermine vernahm ein erleichtertes Aufatmen einige Meter vor sich. Kurzerhand robbte sie in die Richtung, in der sie den Jungen vermutete. Mit ausgestreckter Hand tastete sie nach ihm. Als sie ihn fand, schreckte er abermals zusammen. „Shh, ich bin es nur.“, flüsterte Hermine und strich beruhigend über Dracos Hand. Dieser entspannte sich tatsächlich ein wenig. „Du hast mich echt erschreckt.“, lachte Hermine nun nervös. „Und du mich erst.“, gab Draco schwer atmend zurück. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. „Hast du dir weh getan?“, fragte Hermine nun und setzte sich ein Stück auf. Auch Draco korrigierte seine Haltung. „Nein, geht schon.“, antwortete er schließlich. Er schien sich wirklich nicht mehr verletzt zu haben. An die allgegenwärtigen Schmerzen in Rücken- und Brustbereich hatte er sich mittlerweile gewöhnt; sie waren auszuhalten. Nur seine Armen brannten noch auffällig stark vom gestrigen Fallen, doch das musste die Gryffindor ja nicht wissen. Also schwieg er. Die bauschigen Wolken waren am Nachthimmel weitergewandert und gaben den leuchtenden Mond wieder frei. Ein feiner Lichtstrahl hellte den Raum. Erst jetzt sah Draco das schmerzverzerrte Gesicht Hermines. „Aber du hast dir weh getan.“, stellte er fest. Hermine biss die Zähne zusammen. „Zeig mal her.“, forderte der Slytherin und zeigte auf Hermines Fuß, den sie besorgt begutachtete. Zögerlich lehnte sie den schmerzenden Fuß in seine Richtung. „Machst du mal Licht?“, fragte er und Hermine sprach schnell einen Lumos-Zauber. „Oh…“, hörte sie Draco sagen, als er sich immer weiter zum Auslöser ihrer Schmerzen hinunterbeugte. Mit kalten Fingern strich er über die schmerzende Fußsohle. „Das könnte jetzt kurz wehtun.“, informierte Draco sie. Mit einem Ruck riss er etwas aus ihrer Haut. Erschrocken durch den kurzzeitig verursachten Schmerz, keuchte Hermine auf. „Aua, was machst du?“, zischte sie ihn an und spürte wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. „Dir helfen.“, war die einfache Antwort. Triumphierend hielt Draco ein kleines blutiges Etwas in den Lichtstrahl, der von Hermines Zauberstab ausging. Die junge Hexe kam etwas näher, um das Etwas besser erkennen zu können. Sie identifizierte es als eine kleine Reißzwecke, die sich in ihr Fleisch gebohrt hatte. Draco betrachtete es noch immer mit einer Faszination, die Hermine nicht wirklich verstehen konnte. Hatte der junge Malfoy etwa noch nie eine Reißzwecke gesehen? Gleich darauf bestätigte sich ihre These. „Was ist das?“, fragte er tonlos und drehte das bluttropfende Metallstück in seinen Fingern. „Eine Reißzwecke.“, die Brünette seufzte, sie hatte jetzt wirklich keine Lust dem jungen Spross den Sinn einer Reißzwecke zu erklären. Dieser fragte auch nicht weiter nach, sondern gab nur ein kleines, erstauntes „Oh“ von sich. Als Hermine Dracos Blick zu dem kleinen, aber gefährlichen Helfer in seiner Hand folgte, wurde ihr langsam, aber sicher, übel. Ein leichter Schwindel überkam sie und sie musste sich am Boden abstützen. Malfoy schaute auf. „Alles okay?“, fragte er sie und hob leicht eine Augenbraue. Hermine atmete konzentriert ein und aus. „Hast du dir noch wo anders wehgetan?“, fragte Malfoy weiter und schaute ihr verwirrt bei den Atemübungen zu. „Oder-“, er unterbrach sich selbst. „Jetzt sag mir nicht, du kannst kein Blut sehen?“, fragte er keck und Hermine konnte ein leichtes Grinsen auf seinem vom Mond erhellten Gesicht erkennen. Hermine atmete geräuschvoll aus. „Nur mein eigenes nicht, anderer Leute Blut ist kein Problem.“, presste sie hervor und schloss die Augen. Draco war verdutzt. Nie hätte er gedacht, dass ein paar Tropfen Blut die junge Hexe so umhauen würden. Ein wenig besorgt, betrachtete er die Gryffindor, die immer blasser zu werden schien. Er rückte noch ein Stück näher an sie heran. „Geht’s?“, fragte er leise und strich ihr eine lose Haarsträhne hinter das rechte Ohr. Hermine versteifte sich. Seine Berührung kam genauso unerwartet, wie sein Atem, der ihre Haut sachte streifte und eine leichte Gänsehaut hinterließ. Draco rückte ein Stück von ihr ab, ließ sie aber nicht aus den Augen. Schließlich stand er auf und reichte ihr seine Hand. Dankbar griff Hermine danach und ließ sich langsam auf die wackligen Beine ziehen. Er führte sie zu dem Bett, dass eigentlich sowieso ihr gehörte, er aber mehr oder weniger unfreiwillig für sich beansprucht hatte. Sie setzten sich auf die weiche Matratze und schwiegen einen Moment. Dann legte sie sich rücklings auf den nach Draco duftenden Stoff und schloss erneut die Augen. Der angeschlagene Malfoy widmete sich derweil wieder ihrem noch immer blutenden Fuß, den er sachte auf einem Kissen, welches auf seinem Schoß lag, gebettete hatte. „Hast du vielleicht ein Pflaster?“, fragte er Hermine, die daraufhin ihre Augen wieder öffnete. „Im Badezimmer.“, sagte sie leise und streckte ihre Arme in Richtung Himmel, um sich zu strecken. Draco nickte und wollte schon in Richtung Bad gehen, als Hermine ihn zurück hielt. „Warte! Dann lässt du mich aber auch um deine Unterarme kümmern.“, bestimmte sie und sah ihm fest in die Augen. Der Slytherin gab sich geschlagen und machte sich weiter nickend auf den Weg. Dass die kleinen Schrammen an seinen Armen sein kleinstes Problem waren, konnte Hermine ja nicht wissen. Und sie würde es auch nicht erfahren. Es reichte schon, dass sie von denen Blessuren an den Armen wusste, da musste die neugierige Gryffindor nicht auch noch von den restlichen seiner Verletzungen erfahren.

Hermine hörte lautes Poltern aus dem Bad und einen leise fluchenden Malfoy, der sich offenbar den Kopf an irgendetwas gestoßen hatte, doch sie sah nicht auf. Viel zu versunken war sie in ihren verworrenen Gedanken. Was ein verrückter Tag. Erst ein weinender und nun ein führsorglicher Malfoy. Hier konnte doch etwas nicht stimmen. Normalerweise hätte er sie höchstens ausgelacht, wenn er überhaupt auf sie geachtet hätte. Normalerweise hätte er aber auch nicht in ihrem Bett geschlafen und das ganze wäre gar nicht passiert. Das junge Mädchen seufzte und setzte sich schließlich auf, als sie Draco auf sie zukommen sah. Etwas überfordert, balancierte er eine Schachtel mit Verbandszeug, einen feuchten Lappen, sowie ein Handtuch auf den Armen. Hermine musste unwillkürlich lächeln. Der Junge hatte ja beinahe den ganzen Inhalt des Badezimmers mitgeschleppt. Draco schaute sie gespielt böse an. „Jaja, lach doch den kleinen Malfoy aus, der ist doch eh nichts wert.“, schnaubte er und schob schnell ein Lächeln hinterher. Hermine aber bemerkte, dass die Worte nicht nur Spaß waren. Sein Lächeln wirkte gekünstelt und unehrlich. Dachte er das wirklich? Hatte er wirklich das Gefühl weniger wert zu sein, als andere? Hermine war verunsichert. Das passte doch alles nicht zusammen. Draco war schließlich immer derjenige gewesen, der mit allem geprahlt hatte, was er besaß. Niemals zuvor war sie einem derartig eingebildeten Jungen begegnet. Wie er immer durch die Gänge Hogwarts stolzierte, vor Selbstbewusstsein trotzend. Und genau dieser sollte plötzlich so etwas wie Selbstzweifel hegen? Nein, das war nun wirklich zu viel des Guten. Sie war wohl einfach übermüdet oder die kleine Wunde an ihrem Fuß war es, die ihr jegliche Wahrnehmungs- und Einschätzungsfähigkeiten nahm. So musste es sein. Ihre Vermutung war doch geradezu lächerlich. Würde Malfoy davon erfahren, würde er sie lautstark auslachen, dessen war sie sich sicher.

Nachdem Draco Hermines Fuß verbunden hatte, machte diese sich daran seine Arme zu verarzten. „Was hast du denn gemacht?“, fragte sie, als sie den tiefen Schrammen mit dem Finger folgte. Draco zog daraufhin seinen Arm zurück. „Nichts.“, sagte er kalt und versteckte die wunde Haut unter dem Stoff seines Pullovers. „Aha.“, war das einzige was Hermine dazu zu sagen hatte. Wenn er nicht darüber reden wollte, na bitte. Dann eben nicht. Es grenzte ohnehin an ein Wunder, dass es der Syltherin und die Gryffindor überhaupt schafften eine normale Unterhaltung zu führen. „Ich geh dann mal.“, murmelte Draco und stand auf. Hermine schnalzte genervt mit der Zunge. „Jetzt mach dich nicht lächerlich.“, sagte sie und hielt ihn am Oberarm fest. Überrascht darüber wie leicht es für Hermine war diesen zu umgreifen, ließ sie ihn wieder los. Erschrocken beobachtete sie die Reaktion Malfoys. Er sah blinzelnd zur Decke, während er seine Hand zitternd über der Stelle schweben ließ, die Hermine umfasst hatte. „Es tut mir leid…“, wimmerte sie, ein Schluchzen unterdrückend. Sie wollte Malfoy doch nicht wehtun. Im Gegenteil, Hermine hatte ihm doch nur helfen wollen. Draco hatte begonnen leicht auf und ab zu gehen. In gleichmäßigen Abständen pustete er Luft aus seiner Lunge, den Blick noch immer zur Decke gerichtet. „Draco bitte…“, schluchzte Hermine nach einer Weile; die Tränen liefen ihr über die Wangen. „…sag doch was.“

In dem jungen Malfoy tobten die Emotionen. Der Schmerz, der durch seinen Arm jagte, raubte ihm alle Sinne. Durch eine gezielte Atmung versuchte er den Schmerz weg zu hecheln. Während der Zeit im Kerker des Malfoy Manors, hatte es ihm so einige Male geholfen. Nur leise hörte er die Stimme der Gryffindor, die mit ihm zu reden schien. Mit dem Blick zur Decke versuchte er die Tränen wegzublinzeln, die sich in seinen müden Augen gebildet hatten. Wieso er auch immer weinen musste, das war doch mehr als peinlich. Wenn sein Vater mit einem Recht gehabt hatte, dann damit, dass Malfoys nicht zu weinen hatte. Es war unmännlich und sinnlos. Noch niemandem hatte es geholfen, salzig brennende Flüssigkeit aus seinen Augen zu ergießen. Danach waren sie nur rot und geschwollen. Als der Schmerz langsam nachließ und für Draco wieder erträglich wurde, ließ er den Blick wieder zu Hermine schweifen. Diese saß schluchzend vor ihm auf dem Bett. Das tränenüberströmte Gesicht  hatte sie in den zitternden Händen vergraben. Der Slyhterin hastete erschrocken auf sie zu. „Hermine, hey… was ist denn los? W-warum weinst du?“, fragte er vor Verzweiflung stotternd. Er konnte nicht damit umgehen, wenn Menschen vor ihm weinten. Meistens verließ er daraufhin fluchtartig den Raum oder nutzte die Gelegenheit, um der Person eins reinzuwürgen. Aber Granger… er konnte sie jetzt nicht alleine hier zurück lassen. Nicht, nachdem sie sich zuvor so selbstlos um ihn gekümmert hatte. Und das nach allem, was er ihr angetan hatte. Sollte er sie ihn den Arm nehmen? Er hatte keine Ahnung. Er wurde nicht oft getröstet. Zuletzt war es seine Mutter gewesen, die er in die Arme geschlossen hatte. Der Verstoßene musste unwillkürlich hart schlucken. Er vermisste seine Mutter schon jetzt. Mit glasigen Augen starrte er auf die weinende Hexe vor sich. Unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Unsicher wie nie, setzte er sich auf die hölzerne Kante des Einzelbettes. Zögernd legte er einen Arm um Granger. Diese blickte überrascht auf, für einen Moment waren ihre Tränen versiegt. Um anschließend noch schneller aus ihren geröteten Augen zu treten. Heftige Schluchzer durchfuhren sie und schüttelten ihren gesamten Körper. Draco war verdattert in der Bewegung verharrt. Er verstand es nicht. Merlin, wieso weinte sie denn so? Hilflos tätschelte er ihren Arm. Hermine schniefte daraufhin laut und wischte sich beschämt über die Augen. „Hermine, bitte! Jetzt sag mir doch warum du so fürchterlich weinst.“, hörte sie Draco verzweifelt fragen. „Es tut mir so leid.“, schniefte sie und wieder verließen Tränen ihre Augen. „Was tut dir leid?“, fragte er weiter. „Ich wollte dir nicht wehtun…“, murmelte sie und es tat ihr ehrlich leid. Die schlaue Hexe spürte seinen Blick auf sich ruhen. „D-das macht nichts.“, er schien ernsthaft getroffen. Nervös kratzte er an seinem Ellenbogen, bis er gerötet war. „Weißt du…-“, begann Hermine und knetete unruhig ihre Fingerknöchel. „- ich hasse dich wirklich. Du machst mir das Leben seit dem ersten Schuljahr zur Hölle. Weißt du wie oft ich geweint habe, weil du mich ‚Schlammblut‘ genannt hast?“, Draco sah sie schuldbewusst an, doch Hermine fuhr unbeirrt fort. „Oft kann ich dir sagen! Aber irgendwann… hab ich aufgehört zu weinen. Ich … ich habe versucht es zu ignorieren, es an mir abprallen zu lassen und …. es hat funktioniert. Meistens zumindest. Aber trotzdem… will ich dir nicht wehtun. Egal, wie sehr du es verdient hättest. Ich weiß nicht, was bei dir während den Ferien vorgefallen ist und du musst es mir auch nicht erzählen. Nur habe ich das Gefühl, es hat dich verändert und das verwirrt mich. Verstehst du? Du kommst hier unangemeldet an, wirkst total nervös und naja… sag mir wenn ich mich irre, aber auch irgendwie … ängstlich? Keine 12 Stunden später irrst du wie von Merlin verhext durch die Gänge, rennst alles, inklusive mir, was dir in den Weg kommt um. Bist offensichtlich verletzt, aber gehst einfach weiter. Du wirst es nicht glauben, aber ich war so dumm und bin dich tatsächlich suchen gegangen, weil ich mir Sorgen um dich gemacht habe!“, sie lachte kurz auf. „Dann finde ich dich im Schnee sitzen und … du weinst! Ich… weiß nicht, warum ich dir das erzähle, wirklich nicht! Aber Draco-“, sie betonte seinen Vornamen, als wäre er das Tor zu seiner Seele und sah ihm bewusst in die Augen. „- ich verstehe dich nicht. Du verwirrst mich. Was machst du nur mit mir?“, fragte Hermine nun und sah ihm mit glasigen Augen entgegen. Draco war sprachlos. Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Völlig überfordert mit der Situation fuhr er sich durch die verstrubbelten Haare. Wie sollte er diese Rede einschätzen? Die Gryffindor war verwirrt von seinem seltsamen Verhalten, aber was sollte er tun? Der junge Malfoy war doch selbst von seinem Verhalten verwirrt. Noch nie war er ein sich von seinen Emotionen leitender Mensch gewesen. Er tat was ihm logisch erschien. Das was sein Vater ihm befohlen hatte. War der Slytherin überhaupt in der Lage eigene Entscheidungen zu treffen? Ein Vatersöhnchen, so würde man ihn nennen. Wie oft Draco mit seinem Vater gedroht hatte; er kam sich lächerlich vor. Potter und die anderen hatten sich vermutlich regelmäßig ins Fäustchen gelacht, bei dem albernen Verhalten, dass er an den Tag gelegt hatte. Draco schämte sich. Schämte sich für alles, was er in seinem Leben falsch gemacht hatte, und das war so viel gewesen. Täglich hatte er Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Entscheidungen diskriminiert. Hermine hatte es ihm gerade eröffnet: Sie hasse ihn. Sie hasste den Slytherin für alles, was er ihr angetan hatte. Dafür, dass er sie getriezt und beschimpft hatte. Dafür, dass er jemals in ihr Leben getreten war. Und dabei war sie bestimmt nicht die Einzige. Sogar sein eigener Vater hasste ihn. Er war ein schlimmer Mensch und jeder hasste ihn. Zu Recht.

Es vergingen mehrere Minuten, doch noch immer saß der Slytherin einfach da und schien tief in seinen Gedanken versunken. Hermine kaute nervös auf ihrer Unterlippe. Vielleicht war sie doch etwas zu hart gewesen. Immerhin hatte sie ihm gerade gesagt, dass sie ihn hasste! Hass war so ein schlimmes Wort. Noch nie hatte Hermine jemanden wirklich gehasst. Doch Draco Malfoy hatte dies geschafft. Sie hasste ihn. Doch nicht in den letzten Stunden. Sie konnte mit dem Draco der letzten Stunden vielleicht nicht gut umgehen, aber sie hasste ihn nicht. Sie wollte sich nichts einreden, aber dennoch hatte Hermine das Gefühl, dass sich etwas in ihm veränderte. Würde das nicht passieren, wäre er schließlich nicht hier, oder? Auch, wenn diese Möglichkeit natürlich bestand, hatte Hermine nicht das Gefühl, dass Draco ihr etwas vormachte. „Malfoy?“, Hermine hatte eine Hand auf seinen Arm gelegt. Dabei achtete sie sehr darauf ihm nicht noch einmal wehzutun. Draco hob blinzelnd den Kopf und betrachtete sie mit einem für sie nicht deutbaren Blick. „Danke.“, sagte er ruhig und tätschelte ihre Hand. Mit großen Augen beobachtete sie wie Draco mit einem entschuldigenden Lächeln aufstand und in Richtung Ausgang ging. Kurz vor dem Ziel entschied er sich jedoch anders und stürzte in das kleine Bad. Es war das klirrende Geräusch eines sich öffnenden Toilettendeckels zu hören. Hermine kämpfte sich aus dem Bett und vernahm schon einige Sekunden später ein würgendes Geräusch. Erschrocken humpelte sie in Richtung des Bades. „Draco?“, sie steckte den Kopf schüchtern durch den kleinen Spalt, der zuvor nur angelehnten Tür. Draco hing keuchend über der Toilettenschüssel. Mit zitternden Händen krallte er sich an dem weißen Porzellan fest. Als er Hermine entdeckte, drehte er den Kopf erschöpft in ihre Richtung. Unnatürlich blass blickte er ihr mit traurigen Augen entgegen. Der Gryffindor versetzte es einen Stich. Nie hatte sie geglaubt, den Schrecken ihrer Schulzeit bemitleiden zu müssen. Doch genau das löste sein Anblick bei ihr aus: Mitleid. Mitleid und Sorge durchflutenden ihre müden Knochen. Langsam hinkte sie auf Draco zu und legte ihm beruhigend eine Hand auf den Rücken, während er nicht an sich halten konnte und sich wieder in das helle Porzellan erbrach.

Nachdem Draco auch das letzte bisschen Inhalt seines Magens in die Porzellanvorrichtung erbrochen hatte, brachte Hermine den leichenblassen Jungen wieder zurück in sein Bett. Rasch legte sie eine der Decken über seinen zittrigen Körper. Unsicher setzte sie sich an den Rand des Bettes und betrachtete ihn beim Versuch zu schlafen. So fertig hatte sie ihn noch nie gesehen. Selbst für Malfoy-Verhältnisse war er unnatürlich blass. Die hellen Haare standen ihm wild zerzaust vom Kopf ab. Auf seiner Stirn hatten sich feine Schweißperlen gebildet, die Hermine mit dem zuvor von ihm herbeigeholten Handtuch vorsichtig wegtupfte. Leise schnaufend, ließ er sich tiefer in die Kissen sinken. Die Gryffindor kam zu dem Entschluss ihn wohl besser in Ruhe schlafen zu lassen und erhob sich. Ohne wirklich zu wissen warum sie das tat, nahm sie seine kalte Hand und drückte sie leicht.

Zurück in ihrem eigenen Bett, das eigentlich einer der Partil Zwillinge gehörte, schlief Hermine schnell ein. „Was für ein Tag.“, war der ihr letzter Gedanke des Tages.    

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