Dear Diary...

Eine Fanfiktion nach den Lyriks von Rock Me :)

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2. Kapitel

 

 

 

 

Do you remember summer '09?
Wanna go back there every night
Just can't lie it was the best time of my life
Lying on the beach as the sun blew out
Playing this guitar by the fire too loud
Oh my my they could never shut us down
I used to think that I was better alone
Why did I ever want to let you go
Under the moonlight as we stared at the sea
The words you whispered I will always believe...

Rock Me – One Direction

 

 

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Kapitel 2

 

 

 

„Daddy, ich muss aufs Klo!“, jammerte Phil. So laut, dass ich es selbst über meine Musik hinweg hören konnte. Er zappelte auf seinem Sitz neben mir herum. Ich rollte mit den Augen. Dad sagte irgendwas, aber ich konnte es nicht verstehen. Wahrscheinlich sagte er sowieso nur, dass er bei der nächsten Raststätte herausfahren würde. Ich war noch zu vertieft in das Buch, das sich wohl irgendwie als das Tagebuch meiner Mum herausgestellt hatte. Wie schräg, ich hatte gar nicht gewusst, dass sie so etwas je gehabt hat. Und vielleicht, nicht nur vielleicht, war es ethisch nicht okay, in der Vergangenheit meiner Mutter herumzuschnüffeln, schon gar nicht in ihrem Tagebuch. Das war etwas sehr Privates und nicht für andere Augen als ihre eigenen bestimmt, aber ich fand es so interessant, zu erfahren, wie sich Mom und Dad kennengelernt hatten, dass ich nicht zu lesen aufhören konnte.

 

 

Am Strand hab ich einen Jungen getroffen. Er heißt Niall.

Er hat für mich gesungen – er hat eine wirklich tolle Stimme – und Gitarre gespielt.

Er ist süß, vielleicht denkt er das ja auch von mir. Hoffentlich …

 

 

 

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11. August 2009

 

 

Katies Sicht

 

 

 

„Kate?“, wisperte er, woraufhin ich den Kopf zu ihm drehte und ihn erwartungsvoll ansah.

Er lächelte; ich lächelte. Und für ein paar Sekunden blieb die Zeit stehen. Nur das Wellenrauschen, die Schreie der Vögel und die Verkehrsgeräusche von weiter Weg. Ich hörte wieder jemanden meinen Namen rufen, aber diesmal war es nicht Niall, sondern ganz unverkennbar mein Cousin Nick. Neugierig reckte ich den Kopf nach ihm und Niall machte es synchron mit mir genauso. Nick trug nur Badeshorts und ein dunkelblaues Shirt mit V-Ausschnitt. Seine Haare waren nach oben gestylt und er hatte die Augen der Sonne wegen leicht zusammen gekniffen. Er joggte uns entgegen und auch ich stand auf, um ihn kurz zu umarmen. Er schlang die Arme fest um mich und hob mich hoch. „Na?“, fragte er, sobald er mich wieder herunter gelassen hatte. „Na?“, gab ich zurück und grinste breit. Und für einen Moment lang vergaß ich, dass auch Niall noch da war, aber dann meldete auch er sich zu Wort mit einem zaghaften und leicht verwirrten „Na?“

 

Nick beugte den Oberkörper leicht, um an mir vorbei zu sehen und sah kritisch an Niall herab. Ich folgte seinem Blick und löste mich aus meiner Starre. „Oh, ja … Nick, das ist Niall; Niall, das ist mein Cousin Nick“, stellte ich sie einander vor. „Wer ist das?“, knurrte Nick etwas leiser an mein Ohr. Ich verdrehte die Augen. Nick mischte sich immer ein, wenn es um einen Typen ging. „Halt dich da raus, ich mag ihn und das geht dich gar nichts an.“ „Jungs in deinem Alter sind alle gleich. Ich will nur, dass du auf dich aufpasst.“ Er drückte mich kurz an sich und verschwand dann. Ich ging wieder zu Niall und setzte mich neben ihn in den Sand. Eine Weile lang sahen wir uns stumm in die Augen. Unsere Gesichter waren nicht weit voneinander entfernt. Er blinzelte nicht, ich blinzelte nicht. Wieder war es bis auf das Rauschen der Wellen völlig still, aber das war mir nicht unangenehm. Es war dieses berühmte Schweigen, das beiderseitig total … magisch war und durch Worte nur seine Bedeutung und seine Energie verloren hätte. Aber da gab es zwei Worte, die in Kombination eine Ausnahme bildeten. „Küss mich.“

 

 

 

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Dad nahm mir einen der Stöpsel meiner Kopfhörer aus den Ohren und ich erschreckte mich ein bisschen. Okay, vielleicht ein bisschen mehr als nur ein bisschen. Vielleicht auch ein bisschen so sehr, dass alle anderen im Auto über meinen geschockten „Gesichtsausdruck lachten. „Wir sind an der Tankstelle. Musst du auch aufs Klo?“

Ich schüttelte den Kopf, schloss das Buch und schob es so unauffällig wie möglich in meine Handtasche, bevor jemand meine Lektüre sah. „Sollen wir dir was zu essen mitbringen? Oder sonst irgendwas? Tampons oder so?“ „Dad!“ Ich sah ihn mit weit geöffneten Augen an. „Ja, schon klar, darüber redest du nur mit Mom.“ „Was ist ein Tampon?“ „Dafür bist du noch zu klein, Philly.“ Dad lachte, Phil schmollte. „Willst du was zu essen oder irgendwas von der Tankstelle?“, fragte er erneut. „Nein, ich bleib hier und les noch ein bisschen.“ „Ist wohl ein ganz spannendes Buch.“ Ich hörte ein kleines bisschen Ironie heraus, das lag aber nur daran, dass Dad kein besonders großer Bücherwurm war und meine Liebe zum Lesen einfach nicht nachvollziehen konnte. Auch Mom und Phil stiegen aus und während meine Mutter das Auto volltankte, sprintete mein jüngerer Bruder zur Tankstelle, Dad ihm hinterher, so schnell ihn seine alten Füße noch trugen.

 

 

Nick ist vorbei gekommen und er hat sich wieder so beschissen benommen. Nur wegen Niall. Aber ich glaube, Niall ist anders als die anderen Typen.

Wir haben uns einfach nur in die Augen gesehen und es war irgendwie magisch …

 

 

 

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11. August 2009

 

 

Katies Sicht

 

 

 

„Küss mich.“ Mein Blick huschte zu seinen in meinen Augen perfekten Lippen herab und ich erschreckte mich selbst etwas über meine Offenheit. Aber … es schien mir das Richtige zu sein. Ich wusste nicht warum, aber es war so. Als er nichts sagte, wanderten meine Augen langsam über sein Gesicht nach oben bis zu seinen. Er sah ziemlich überrumpelt an. „D...Dich küssen?“, fragte er mit erstickter Stimme nach. „Natürlich nur, wenn du willst. Ich kann dich ja nicht dazu zwingen. Das wäre ja...“, sprudelte es aus mir heraus, bis er meinen Redeschwall mit einem Kuss erstickte. Meine Augen fielen zu und alles war vergessen. Alles, bis auf das Gefühl seiner Lippen auf meinen, das meinen ganzen Körper erschaudern, eine wohlige Wärme und gleichzeitig eine antarktische Kälte durch meinen Körper strömen und mein Herz um einige Takte schneller schlagen ließ.

Etwas zurückhaltend erwiderte ich den leicht unerfahrenen Kuss des 15-Jährigen, der sich nach knapp zwei Sekunden wieder von mir löste und seine Stirn an meine lehnte.

 

Seine Augen waren geschlossen. Seine etwas geöffneten Lippen umspielte ein leichtes Lächeln. Sein warmer, zittriger Atem streifte meine kribbelnden Lippen. Nialls Lider hoben sich an und das kristallene Blau seiner Augen bohrte sich in das dunkle Braun meiner. Sekunden vergingen, in denen wir einander einfach schweigend in die Augen sahen. Zumindest kam es mir so vor, als wären es nur Sekunden gewesen. Mein Zeitgefühl täuschte mich. Er blinzelte, hielt die Augen geschlossen und legte seine Lippen erneut auf meine. Nur kurz, dann löste er sich von mir und verwickelte mich wieder in einen Kuss.

Wieder und wieder. Und jeder noch so kurze Kuss fühlte sich unbeschreiblich schön an. Dennoch legte ich eine Hand in seinen Nacken und drückte seinen Kopf zu mir. Seine Lippen trafen erneut auf meine. Nicht nur für eine halbe Sekunde. Ich wollte einen richtigen Kuss. Meine Lippen massierten seine ganz leicht, Niall spiegelte meine führenden Bewegungen wieder, wenn auch etwas zurückhaltender als ich.

 

 

 

„Kate!“, rief die Stimme meines Cousins und Niall und ich schreckten auseinander.

Für einen kurzen Moment hielten wir Blickkontakt, bevor ich meinen Kopf nach der Stimme umdrehte. Meine Wangen wurden ganz heiß, als ich ihn da stehen sah. Ein verbitterter Blick lag auf Nialls Gesicht. „Ist schon spät. Wir sollten nach Hause“, knurrte Nick und sah mich auffordernd und leicht verärgert an. „Fein. Kann ich mich wenigstens noch verabschieden?“ „Nein.“ Mein Cousin kam noch ein paar Schritte näher, zog mich auf die Beine und zerrte mich von Niall weg. Erfolglos riss ich an meinem Arm, den er am Handgelenk fest umschlossen hielt, und schaute mich entschuldigend zu Niall um, der sich immer weiter entfernte. „Was denkst du dir eigentlich? Den kennst du doch gar nicht“, murrte Nick und ich drehte meinen Kopf zu ihm um, während ich hinter ihm her durch den Sand stolperte. „Kann dir doch egal sein, was ich mache!“, fauchte ich bissig und riss mich mit einer erstaunlichen Kraft diesmal mit Erfolg von ihm los und funkelte ihn böse an. „Ich bin keine fünf mehr und brauch keinen Aufpasser!“, zischte ich ihn des Weiteren an. „Oh, und wie du den brauchst!“, beharrte er. „Küsst einfach wildfremde Menschen. Kleine Schlampe“, das letzte war nur noch ein leises, ziemlich unverständliches Gemurmel, doch ich verstand es trotzdem. „Wie hast du mich gerade genannt?“, platzte es viel zu laut und merklich empört aus mir heraus. „Hast schon richtig gehört“, murmelte er nur, die Augen zu Schlitzen zusammen gekniffen und ich verschränkte schnaufend und total wütend die Arme vor der Brust. Er verstand es nicht. Er verstand nicht, dass ich mich auf merkwürdige Weise zu Niall hingezogen und mit ihm verbunden fühlte. Und es hatte sich verdammt richtig und gut angefühlt, ihn zu küssen. Das klang beschissen, aber es war die Wahrheit. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Zähneknirschend ging ich etwas schneller vor ihm her, die letzten Meter bis zum Haus, stapfte extra laut polternd die Treppe hoch, in Chelseas und mein Zimmer, warf die Tür hinter mir ins Schloss und ließ mich auf mein Bett fallen. Meine Schwester war nicht da – zum Glück. Ich wollte jetzt für mich sein. Nachdenken. Das blieb aber natürlich nicht lange so, denn am Abend, als ich noch immer grübelnd zur Decke starrte, streckte Judy den Kopf durch den Spalt zwischen Tür und Angel und riss mich aus meinem Gedankengang, als ich gerade selbst bei „Was hatte ich mir dabei bloß gedacht?“ hängen geblieben war und versuchte, mich in Niall hineinzuversetzen. Musste ja echt schräg für ihn sein oder empfand er vielleicht genauso wie ich? „Es gibt Abendessen“, kündigte meine Tante an. „Kein Hunger“, grummelte ich schlicht, wogegen sich mein Magen aber sogleich lautstark beschwerte. „Ist was, Süße?“, fragte sie fürsorglich, wie sie eben war, nach. Sonst störte es mich nicht, ich mochte ihre Fürsorglichkeit und ihre ständige Freundlichkeit, die von nichts durchbrochen werden konnte, aber im Moment ging es mir nur auf die Nerven. „Nein“, log ich einsilbig und unglaubwürdig. „Ich will allein sein“, hängte ich noch an und drehte meinen Kopf leicht zur Tür herüber, als ich bemerkte, dass sie keinerlei Anstalten machte, zu verschwinden. Sie zog die Augenbrauen hoch und zog ihren Kopf aus dem Türspalt zurück. Kurz danach hörte ich, wie sich die Tür wieder leise knarzend schloss. Den Kopf hatte ich da bereits wieder starr zur Decke gewandt. Vor meinem inneren Auge sah ich Niall, seine einmaligen blauen Augen, die sich in meine bohrten, treu wie ein Hündchen, ehrlich wie ein Kleinkind, aufgeweckt und aufmerksam wie ein Welpe, spürte seine Lippen auf meinen, weich und zart, hörte seine Stimme in meinem Kopf widerhallen, sanft und doch mit einem gewissen, rauen Unterton und seinem irischen Akzent, der ihm zusätzlich etwas Besonderes verlieh, roch den herben Geruch seines Duschgels, nach dem er so intensiv gerochen hatte, als wäre er gerade aus der Dusche gestiegen. Es war verrückt. Ich war verrückt. Nach Niall.

 

 

 

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Ich erschrak mich erneut, als sich die Autotür öffnete und Dad, Mom und Phil einsteigen. Mom stellt zwei Becher Coffee-To-Go in die Halterungen am Armaturenbrett und reicht zwei Tüten Chips und eine Tüte vom Bäcker nach hinten. Zwei Tüten Chips, weil eine allein immer im Streit ausartet, wenn ich sie mir mit Phillip teilen muss. Und da weder Mom, noch Dad wollen, dass die ganze Rückbank voll mit Chipskrümeln ist, kriegen wir immer zwei getrennt. Dad lenkt das Auto aus der Tanklücke, biegt an der Ausfahrt ab und fädelt sich wieder in den Straßenverkehr ein. „Wie lange dauert es noch?“, fragt Phil. „Weiß nicht, frag die Navi-Frau.“ Dad grinst väterlich, ich kann es durch den Rückspiegel sehen. Phil beugt sich so weit nach vorn, wie es ihm sein Anschnallgurt gewährt und stellt seine Frage noch einmal für das Navi. Noch zweieinhalb Stunden. „Wisst ihr, Kinder, als ich noch ein Kind war, gab es gar keine sprachgesteuerten Navis. Da musste man noch alles mit der Hand eingeben und mein erstes Handy hatte auch noch keinen Touchscreen. Da hat es ewig gedauert, eine SMS zu schreiben.“ „Ja, schon klar, Dad. Du hast in der Steinzeit gelebt. Keiner schreibt heutzutage noch SMS, wo es doch Social Networks gibt.“ Ich rolle mit den Augen. Dad hält uns immer vor, wie seine Kindheit doch ausgesehen hat und dass er seine Spiele nicht an Apps auf einem Tablet gespielt hat, sondern noch ganz altmodisch mit Spielzeug, bis er so alt war wie ich. Steinzeit eben. Phil zieht das Tablet vom letzten Weihnachtsfest aus der Tasche am Sitz, schaltet es an und widmet sich seinem Spiel. Auch ich schalte meine Musik wieder ein und klappe das Buch wieder auf, hoffend, dass Mom nicht über den Sitz zu mir nach hinten blickte und sah, was ich hier las. Falls sie mich gefragt hätte, was ich da las, hätte ich genügend Ausreden gehabt, schließlich hatte ich schon viele Bücher gelesen. Aber für den Fall, dass sie einfach hersah und ihr Tagebuch wiedererkannte, war ich aufgeschmissen. 

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