Dear Diary...

Eine Fanfiktion nach den Lyriks von Rock Me :)

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1. Kapitel

 

 

 

 

Do you remember summer '09?
Wanna go back there every night
Just can't lie it was the best time of my life
Lying on the beach as the sun blew out
Playing this guitar by the fire too loud
Oh my my they could never shut us down
I used to think that I was better alone
Why did I ever want to let you go
Under the moonlight as we stared at the sea
The words you whispered I will always believe...

Rock Me – One Direction

 

 

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Kapitel 1

 

 

 

„Charleen, pack deine restlichen Sachen zusammen. Es wird langsam Zeit.“ „Ja, Mom!“, rief ich zurück. Wie unerträglich. Ich wollte nicht eine Woche lang irgendwo an der Küste Südenglands in einem kleinen Kaff fernab von jeder Stadt rumhängen. Ich hatte keine Lust auf die Familie und ich fand, ich war schon alt genug, allein zuhause bleiben zu können. Gelangweilt stöberte ich durch mein Bücherregal auf der Suche nach etwas Lesestoff. Ich wusste nicht, womit ich mir dort sonst die Zeit hätte verbringen können. Ich würde garantiert nicht mit den Phil und Denis spielen, das kam für mich überhaupt nicht infrage. Ich hatte schon so gut wie jedes Buch in meinem Regal gelesen, bis auf dieses öde Buch vom Weihnachtswichteln vom vorigen Jahr. Das hatte ich angefangen, aber mir war schon der Klappentext genug gewesen, um zu wissen, dass ich das nicht lesen wollte. Aber dann stieß ich auf ein Buch, das mir bis dahin noch nie aufgefallen war. Bestimmt wegen des unauffälligen, mattschwarzen Einbands. Es war etwas schmaler als die anderen Bücher und es hatte weder ein richtiges Cover, noch einen Klappentext auf der Rückseite oder sonstige Aufdrucke auf dem Einband, deshalb schlug ich es auf. Katherine Forwood, stand unten links in der Ecke auf der Innenseite des Einbands. Ein Buch von Mom also. Das erklärte zwar nicht, warum es in meinem Regal stand, aber da gerade das meine Neugier auf sich zog, packte ich es zusammen mit einem meiner bereits gelesenen Bücher in meine Handtasche. Das andere Buch diente mir dann als Ersatzbeschäftigung, falls sich dieses geheimnisvolle Buch doch als stinklangweilig erwies.

 

Dad band noch Phil die Schuhe, als ich mein Zimmer verließ, um auch mich in meine Jacke zu hüllen und mir Schuhe anzuziehen. „Bist du fertig?“, fragte er nach. Seine früher noch blondierten Haare – die hatte ich auf alten Bandfotos gesehen – waren herausgewachsen und jetzt nur noch die natürliche braune Mähne. Sie bildeten einen starken Kontrast zu seinen eisblauen Augen, die er ausgerechnet an meinen kleinen Bruder vererbt hatte. Meine Augen waren braun und einfach nur total langweilig. „Ja, Dad.“ Ich musste kurz überlegen, welches Paar Schuhe ich auf der Fahrt anzog und welches ich zurück lassen würde. Nicht dass es die einzigen Schuhe gewesen wären, nein, ich hatte noch zwei weitere Paar Schuhe in meinem Koffer, aber ich konnte mich einfach nicht entscheiden. „Nimm die da.“ Dad drückte mir die Schwarzen in die Hand.

Auch Mom kam in den Eingangsbereich, als ich meine Schuhe angezogen hatte. Sie band ihre braunen langen Locken zu einem Pferdeschwanz und heute schien sie sich extra für ihre Familie ganz besonders hübsch gemacht zu haben.„Kann ich so rausgehen?“, fragte sie Dad mit der Unschuld eines Teens. Ich rollte mit den Augen. „Babe, du könntest in einer Mülltüte rumlaufen und trotzdem würde dir jede Frau vor Neid das Gesicht abreißen wollen.“ Dad küsste Mom auf die Lippen und ich konnte es mir schon allein wegen diesen schnulzigen Worten nicht verkneifen, ein zweites Mal die Augen zu verdrehen.

 

„Iiiiih!“ Phil flüchtete nach draußen und stieg ins Auto, ich ging etwas langsamer hinterher und zuletzt kamen auch Mom und Dad. Schon zu Beginn der Fahrt stöpselte ich meine Kopfhörer an und holte das Buch aus meiner Handtasche hervor, kapselte mich somit vollkommen von meinem Umfeld ab. „Was liest du da?“, fragte Phil neugierig und spielte mit seinen neusten Legofiguren, die er zum Genurtstag bekommen hatte. Es waren irgendwelche roboterartigen Dinger aus dem neuen Kinofilm. „Ein Buch“, brummte ich. „Und worum geht es da?“„Weiß ich nicht. Ich hab noch nicht angefangen.“ Ich blinzelte ihm mit einem breiten gekünstelten Grinsen im Gesicht an, schaltete die Musik lauter und widmete mich der ersten beschriebenen Seite. Entweder war das der special Effekt an diesem Buch, dass die Seiten wie selbst geschrieben aussahen, oder es war tatsächlich kein echtes Buch, das ich da in die Finger bekommen hatte.

 

 

11. August 2009

 

Dear Diary,

 

Wow, mir muss echt ziemlich langweilig sein, dass genau ich jetzt damit anfange, Tagebuch zu führen, aber heute ist quasi zum ersten Mal in meinem Leben etwas Spannendes passiert. Na ja, am Anfang des Tages hat es noch gar nicht danach ausgesehen. Es war eben der übliche Familienurlaub nach Plymouth, genau wie jedes Jahr und ich hatte absolut keine Lust darauf …

 

 

 

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11. August 2009

 

 

Katies Sicht

 

 

 

Ich saß gerade im Auto und langweilte mich zu Tode. Vor mir mein Block auf dem ich herum kritzelte. Währenddessen hörte ich über meine Kopfhörer Musik (Das Gedudel im Autoradio und die Fröhlichkeit meiner Eltern auf die bevorstehenden drei Wochen hatten mich dermaßen genervt). Vier Stunden fuhren wir bereits, aber es fühlte sich wie zehn an. Im Moment standen wir im Stau, es ging also nur stockend voran. Bald war aber auch diese Hürde überwunden und mein Vater steuerte das Auto von der Autobahn ab auf eine mir nur allzu bekannte Hauptstraße. Knappe zehn weitere Minuten später bogen wir in die Auffahrt zum Haus meiner Tante. Als der Wagen hielt legte ich den Block beiseite, stieg aus und streckte mich ausgiebig. Mein Dad ging ums Auto herum zum Kofferraum, öffnete diesen und drückte mir mein Gepäck in die Hand. Nach meiner Mutter, die ihrer kleinen Schwester – meiner Tante Judy – um den Hals viel, ging ich in das Gebäude.

 

Chelsea folgte mir bis zu unserem Zimmer. Ja, unser Zimmer. Es gab hier nämlich nur zwei Gästezimmer. Die andere Wahl wäre gewesen, dass eine von uns im Zimmer meines Cousins schlief, aber das wollte keine von uns, weil er na ja … er war ein Schwein. Deshalb teilten wir uns eben für drei Wochen ein Zimmer. Viel mehr als schlafen würden wir da drin ja sowieso nicht. Die meiste Zeit würde ich wahrscheinlich draußen am Strand verbringen. Mir gefiel es da. Die Natur hatte ich allgemein schon immer bevorzugt.

Verloren in meinen Gedanken räumte ich die Kommode ein. Chels nahm die untere und ich die obere Schublade, aber im Endeffekt würden wir sowieso die Kleidung des jeweils anderen anhaben. Das war dann noch so ein Vorteil: Sie gab ihr Taschengeld für Klamotten aus, die wir uns dann teilten. Ja, das war etwas gemein … aber nur ein bisschen. Als mein Koffer geleert war schob ich den leeren Koffer unter mein Bett und bezog dieses dann. Meine Schwester war gerade dabei das Zimmer umzuräumen; ihre Kosmetiktasche auf der Kommode auszuleeren, dann verschwand sie aus dem Zimmer. Wenig später kam sie breit grinsend mit einem Spiegel, den sie ebenfalls darauf platzierte. Der würde dann wohl als Schminkspiegel dienen. Ich schüttelte grinsend den Kopf und widmete mich wieder dem Kissenbezug.

 

 

Gerade als wir beide fertig waren, rief uns meine Tante – übertrieben fröhlich wie immer – zum Essen. Nick, mein Cousin, war nicht da, vermutlich arbeitete er noch. Er hatte einen Ferienjob in einem Souvenirshop. Vielleicht war er aber auch nur bei einem seiner Kumpels. Das Mittagessen verlief mit den üblichen Tischgesprächen. Die Erwachsenen unter uns hatten sich viel zu sagen, besonders meine Mutter und ihre Schwester schienen viel nachholen zu müssen. Meine Schwester und ich aßen größtenteils schweigend, bis auch wir in das Gespräch gezogen wurden. „Und, wie läuft's in der Schule?“ Das war doch die Frage, die jeder zu hören hasste. „Wie immer. Eins, eins, eins …“, sagten wir synchron und grinsten uns an, während wir in den Nudeln herum stocherten. Damit war das Thema auch schon wieder abgehakt und Judy fing an unaufhörlich von ihrem Urlaub auf Zypern zu schwärmen. Oh, wie ich das hasste. Am liebsten hätte ich mich gleich mit meiner Gitarre an den Strand verkrochen. Der Meinung meiner Eltern nach war das aber „unhöflich“, da wir uns schon so lange nicht mehr gesehen hatten. Leider war ich nicht rebellisch genug, um meinen Eltern Widerstand zu leisten, also musste ich wohl oder übel warten, bis alle am Tisch aufgegessen hatten.

 

Nach dem Essen musste ich erst einmal noch meine Schwester zehn Minuten anbetteln und schließlich noch bestechen, damit sie heute den Abwasch für mich erledigte. Ich wollte hier so schnell als möglich raus. Da scheute ich auch nicht, die Hälfte meines Taschengeldes dafür hinzublättern. Im Moment war ich einfach nur schrecklich genervt von allem und wollte allein sein und das war in keinem Winkel des Hauses möglich, sofern ich mich nicht im Badezimmer einschließen wollte.

Mit der Gitarre unterm Arm machte ich mich auf den Weg zum Strand, der gleich am Ende der Straße einen beigen Schleier zwischen Asphalt und Wasser zog. Das war so ziemlich das einzige wofür es sich für mich lohnte, hier her zu kommen. Die Wellen rauschten und brachen ein paar Meter vor meinen Füßen. Ich ging so nahe hin, wie es ging, ohne dass ich nass werden würde, und ließ mich dann im Schneidersitz im feinen Sand nieder. Meine Gitarre fand ihren Platz auf meinem Schoß und nachdem ich sie etwas gestimmt hatte, begann ich vor mich hin zu klimpern und zu summen. Ausschließlich langsame Nummern, um mich entspannen zu können.

 

Hey“, hörte ich eine sanfte, dennoch männliche Stimme hinter mir. Ich sah von den Saiten des Instrument auf, drehte mich aber nicht zu der Geräuschquelle um. [style type="italic"]Hier hat man aber auch nie seine Ruhe[/style], dachte ich und sprach es sogar aus. Ups, nicht sehr nett. So begrüßt man niemanden. Und schon gar nicht in diesem Ton. So machte man sich Freunde. Ich könnte mich für meine große Klappe manchmal echt ohrfeigen. „Ich kann auch wieder gehen, wenn ich störe“, nuschelte er etwas eingeschüchtert vor sich hin. Er hatte einen ausländischen Akzent. Irisch, das erkannte ich sofort. „Nein, sorry, so war das nicht gemeint“, stammelte ich vor mich hin. „Ich kann dir ja nicht verbieten hier zu sein. Das ist ein öffentlicher Strand“, hängte ich noch etwas selbstsicherer an. Gott, wo ist bloß meine Coolness hin? „Okay, von vorne“, beschloss er. „Hey“, begrüßte er mich ein zweites mal als hätte nie etwas zwischen uns stattgefunden. „Hi“, nutzte ich meine zweite Chance. Der Junge setzte sich neben mich. Etwas schüchtern drehte ich meinen Kopf zu ihm und sah geradewegs in zwei Augen, die so blau waren, dass es schon verboten schien. Sie leuchteten, als wären sie von Innen beleuchtet. Wie die einer Katze, wenn im Dunkeln Licht darauf schien. Bevor ich völlig darin versank, konnte ich meine Augen von dem Jungen mit den blondierten Haaren abwenden. „Niall“, stellte er sich vor. „Kate“, machte ich es ihm nach, und sah wieder auf meine Gitarre. Meine Finger strichen leicht über die Saiten, sodass die Klänge über die tosenden Wellen hinweg kaum hörbar waren. Eine Weile war es still zwischen uns, sodass man nur das Rauschen der Wellen wahrnehmen konnte. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, er anscheinend auch und trotzdem war mir das Schweigen nicht unangenehm. Niall behäufte seine Hand mit dem feinen Sand und spreizte seine Finger, sodass er hindurch kriselte. Der Wind leerte seine Hand dann restlos. Er blies mir kühl in den Jacken und mir jagte ein Schauer über den Rücken, obwohl es nur eine leichte Sommerbrise gewesen war. Ich konzentrierte mich wieder auf meine Gitarre, setzte meine zweite Hand wieder an dem Hals an und fing mit der anderen wieder an zu spielen, wie bevor er mich unterbrochen hatte.

 

„Darf ich mal?“, fragte er vorsichtig und durchbrach so das Schweigen. Als ich zu ihm rüber spähte und sah, dass er auf meine Gitarre deutete, hörte ich mit dem Spielen auf und reichte sie ihm zögerlich. Ich beobachtete den etwa gleichaltrigen Jungen dabei, wie er sie auf seinem Schoß platzierte und – wie ich kurz zuvor – anfing zu spielen.

Nachdem er sich kurz eingespielt hatte, begann er zu summen und irgendwann wagte er es auch zu den Gitarrenklängen zu singen. Seine Stimme war mindestens genauso außergewöhnlich wie seine Augen. Meine Augen klebten förmlich an seinen Lippen.

Ich drehte mich etwas weiter zu ihm um und musterte ihn ganz. Von den braunen Haaren, den unbeschreiblich blauen Augen, die aufs Wasser gerichtet waren, der blassen Haut zu den schiefen Zähnen hinter seinen Lippen. Mein Blick wanderte weiter über das rote Baumwoll-Shirt und die locker sitzende, verwaschene Jeans, bis zu seinen abgenutzten Chucks. Er saß – wie ich – im Schneidersitz und auf seinem Schoß lag nun das Stück Holz, das mir so viel bedeutete, dass es nicht einmal meine Schwester verstehen konnte.

Seine Stimme war so … wow. Man sah ihm gar nicht an, dass aus seinem Mund solche Töne kommen könnten. Klar, er klang nicht wie ein Superstar, aber annähernd so gut auf jeden Fall. Wurde ich hier schon zum Fan? Von einem Typen von dem ich gerade mal den Namen wusste? Aber er war etwas Besonderes. Es war nicht nur seine Stimme oder seine Augen. Nein, es war er. Ganz allein er.

 

Als der letzte Ton ausklang und er zu mir sah und merkte, dass ich ins Starren verfallen war, grinste er mich schief an. Ich wandte meine Augen schnell von ihm ab. Peinlich, peinlich. Aus dem Augenwinkel bekam ich mit, wie er meine Gitarre neben sich legte. „Sooo, Kate. Erzähl mir was von dir.“ Bei seinen Worten zog ich die Stirn in Falten und drehte den Kopf wieder etwas zu ihm rüber. Seine stechend blauen Augen durchbohrten mich mit einem interessierten Blick.„Viel gibt’s da nicht zu sagen. Ich bin Katie, fünfzehn Jahre alt, wohne in London und im Moment extrem genervt von meiner Familie.“ Er grinste mich belustigt an. „Jetzt du“, forderte ich nun mit dem selben Ausdruck auf dem Gesicht wie er. „Hmm … ich bin Niall, auch fünfzehn, aus Irland und wie du vielleicht schon gehört hast, 'verschwende' ich meine Zeit mit dem Singen und Gitarrespielen.“ Das Wort 'verschwende' untermalte er mit einem extra genervt klingenden Unterton, als hätte ihm das jemand eingeredet. „Also ich finde deine Stimme schön“, gab ich kleinlaut zu. „Danke“, sagte er und beobachtete wie ich seinen Zeigefinger, der kleine Kringel zwischen uns in den feinen Sand zeichnete.

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