Captured • Luke Hemmings

«Du gehörst jetzt uns, hast du verstanden?» Mein Kopf vollzog eine Tätigkeit, die nicht mehr meiner eigenen Willenskraft unterworfen war; er nickte. «Gutes, Mädchen, so gefällst du uns.» Die Stimme des Unbekannten verzweigte sich mit meinem Inneren und stieß ein Gefühl aus: Vertrauen. «Vᴇʀᴛʀᴀᴜᴇ ɴᴜʀ ᴅɪʀ sᴇʟʙsᴛ – ᴅᴇɴɴ ᴀɴᴅᴇʀᴇ ᴋᴏ̈ɴɴᴇɴ ᴅɪʀ ᴅɪᴇsᴇs Gᴇғᴜ̈ʜʟ ɴɪᴄʜᴛ ɢᴇʙᴇɴ.» Doch es war zu spät; es war hoffnungslos und unwiderruflich geschehen. ©Chrissyssecret, July 2014

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Aηgѕт: єιη Gяυη∂gєƒϋнℓ, ωєℓcнєѕ ѕιcн ιη αℓѕ вє∂яσнℓιcн ємρƒυη∂єηєη Sιтυαтισηєη αℓѕ Bєѕσяgηιѕ υη∂ υηℓυѕтвєтσηтє Eяяєgυηg α̈υßєят. 

Noch immer hielt ich dieselbe Stellung, sitzend auf meinem Bett, inne. Mein Blick haftete derweilen gedankenverloren auf dem Schloss der Türe.

Die Türe war geöffnet. Sie war offen. Offen.

Ich wusste nicht wirklich wie ich jetzt reagieren sollte: es gab lediglich zwei Möglichkeiten; hier zu bleiben oder abzuhauen. Wobei mir beide Theorien absurd erschienen.

Hatte er die Türe mit Absicht nicht verschlossen? Wartete er nur darauf, dass ich abhauen würde?

Doch ich hatte auch keine Zeit, welche ich für irrsinnige Gedankensprünge verschwänden durfte. Es musste schnell gehen, denn ich wusste nicht, wann sich mal wieder so eine Chance ergeben würde.

Jetzt oder nie irgendetwas in meinem Körper strahlte Befehle aus, die zu befolgen hatte, doch ein anderer Teil hinderte mich daran. Du kannst nicht fliehen wieder hörte ich die Stimme in meinen Kopf, welche zu mir sprach.

Ich würde hier früher oder später verrückt werden. Ich musste hier raus.

Ich konnte diese Gefühle nicht wirklich zuordnen. Ich wusste nicht, ob Angst mich daran hinderte, oder ob letztendlich meine eigene Naivität mir einen Strich durch die Rechnung machte.

Wollte ich denn etwa hier bleiben? In einem Kellerverlies, gefangen von meinem scheinbar psychisch kranken Exfreund Jacob. Nein.

Doch etwas hinderte mich daran, zu fliehen: der Junge … Luke.

Ich war nicht wirklich in der Lage eine großartige Beschreibung, in denen ich unzählige Fragen beantwortete, abzugeben: doch ich wollte mehr über ihn erfahren; über seine Vergangenheit und vor allem, warum er in diesen Kreisen verkehrte.

Er war anders: mein Bauchgefühl bestätigte mir diese Theorie sofort, doch hielt sich immer noch schüchtern zurück – so war ich nun mal. Das schüchterne Mädchen, das Mauerblümchen. Doch das wollte ich nicht sein. Ich hatte sehr wohl eine andere Seite an mir, für die aber der Richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen war.

Ich wollte leben mit meinen siebzehn Jahren, genauso wie jedes andere Mädchen in diesem Alter. Ich wollte, das Gefühl verspüren, von dem alle immer sprachen. Dieses Gefühl, das deinen Verstand ausschaltet und dein Gehirn bekämpft, jedoch dein Herz in Turbolenzen versetzen konnte: Liebe.

Hatte ich das nicht alles bei Jacob einst so intensiv verspürt; das Gefühl, geliebt zu werden? Nein. Mein Unterbewusstsein musste es immer besser wissen.

 

Obwohl dieser verlassene, durchnässte und abgekühlte Raum alles andere war, als der perfekte Ort für einen Menschen, gab er mir etwas.

Er gab mir ein Gefühl, welches vollkommen unverständlich klingen mag: er gab mir das Gefühl von Freiheit, obwohl ich in einer Art und Weise gefangen war… wenn auch die Türe nicht verschlossen war.

Das erste Mal in meinem Leben, war ich auf mich alleine gestellt. Ich konnte meine eigenen Entscheidungen treffen und weder meine Eltern, Luzie, das supertolle Aufpasser-Kindermädchen, standen mir im Weg und versuchten meine Pläne zu manipulieren, oder sie zugut der Letzt als gefährlich und sinnlos einzustufen.

Auch wenn sie im Nachhinein in einigen Punkten vielleicht Recht hatten, waren definitiv nicht alle Pläne, die in meinem Köpfchen erschienen, schlecht. Einige waren sogar sehr gut.

Ich wollte einen Hund, damit ich mich auf den unzähligen Geschäftsreisen meiner Eltern nicht so allein fühlte und Ablenkung hatte. Ich bekam keinen Hund, da meine Eltern der Meinung waren, er würde ihr Haus zerstören, da ich nicht verantwortungsbewusst genug wäre, mich um ein Haustier zu kümmern – ich war vierzehn – verantwortungsbewusst genug; denn immer hin konnte ich ab diesem Alter in Gefängnis kommen.

Zum Kickboxen durfte ich auch nie, da meine Eltern es als Alarmstufe rot einstuften: ‘Es könnte sonst was passieren, Mäuschen.‘ Mein Vater versuchte mir alles, was mir Spaß zu machen schien, zu manipulieren und analysierte alles bis ins kleinste Detail, sodass mir am Schluss selbst die Lust daran verging. Danke Dad.

Doch nun fehlte jede Spur von Mum, Dad und Luzie.

Es war immer dasselbe Spiel, wenn ich jemanden gebraucht hätte – war niemand da für mich. Ich erinnerte mich noch gut an den Tag, an den plötzlich meine Regelblutung eingesetzt hatte.

Ich war weder vertraut mit diesem Thema, da es meinen Eltern immer peinlich war, darüber auch nur ein Wort zu verlieren und auch die Schule (ich besuchte bis vor einem Jahr eine, vom örtlichen Kloster – auch wenn ich nicht wirklich katholisch war – gestiftete und reine Mädchenschule), sprach dieses Thema nie an.

Konnte man von den alten, verzwickten Klosterschwestern, welche tagtäglich in ihren langen Kutten herum liefen, auch nicht anders erwarten. Vermutlich wurden sie allesamt einer Gehirnwäsche unterzogen und waren zu dem auch wahrscheinlich noch unberührt, so wie sie aussahen.

Ich hasste diese verzwickten und frustrierten alten Hexen, die uns weiß Gott was erzählten, in Bezug auf die männliche Schicht unserer Gesellschaft.

Allesamt sollten wir den heiligen Ordern der barmherzigen Schwestern beiträten und unser Leben vollkommen nach dem Motto: ‘Ora et Lavora‘ – Bete und arbeite, gestalten. Der Traum eines jeden jugendlichen Mädchens.

Schon für viele Situation hätte ich Eltern und eine Mutter gebraucht, die ich aber nie hatte. Elternliebe, was war das? Eine unbegrenzte Kreditkarte, konnte natürlich alles ersetzten. Alles. Natürlich, es war ja normal so eine Eltern-Tochter-Beziehung zu führen.

Auch wenn ich mir in diesem Moment, nichts sehnlichster gewünscht hätte, als das Mum und Dad mich hier rausholten, stieg meine Wut gegenüber ihnen wieder enorm an.

Vermissten sie mich schon? Suchte die Polizei bereits nach mir?

Doch ich konnte nicht darauf warten, gefunden zu werden. Ich musste es selbst in die Hand nehmen und fliehen, solange ich die Chance dazu hatte und dich hatte ich jetzt nun mal.

Vorsicht und leiste bewegte ich mich mit kleinen Schritten auf die Türe zu. Ich wollte nicht unbedingt mit irgendeinem Gegenstand zusammenstoßen und somit die Aufmerksamkeit auf lenken. Obwohl ich irgendwie schon vermutet hatte, dass ich mich in einem abgeschotteten Raum befand.

Doch ich ging auf Nummer sicher, als würde ich von irgendjemand, der sich ebenso in diesem Raum befand, wegschleichen. Wie ein kleines Mäuschen, das in einer Essenskammer, wieder einmal ein Stück des teuersten Käses aus der Schweiz gestohlen hatte und vom Hauskater nicht erwischt werden wollte.

Genauso fühlte ich mich in diesem Moment: ein kleines Mäuschen in ihrem Loch, was Angst hatte von dem Hauskater erwischt zu werden.

Als ich die Türe einigermaßen leise erreicht hatte, legte ich meine Hand auf die Klinke. Mein Herz raste, als wäre ich gerade einen doppelten Marathon gelaufen und hätte schwer atmend die Ziellinie erreicht.

Für eine Sekunde schaltete ich mich meinen Verstand aus und bewegte mich auf die Türe zu, um die Klinke fest zu umklammern. Jetzt oder nie Hannah.

 Vorsicht, ohne unerwünschte Geräusche von mir zu geben, drückte ich die Klinke nach unten und hoffte, die Türe würde nicht quietschen, wie es bei vielen alten so der Fall war.

Erleichtert atmete ich aus, als ich die Türe halbwegs geöffnet hatte und steckte somit meinen Kopf nach draußen, wo mir sofort ein grässlicher beißender Geruch in die Nase stieg: der Geruch war unbeschreibbar, eine Mischung aus süß, jedoch mit einer leicht säuerlichen Note.

Ich kannte den Geruch, konnte ihn jedoch im ersten Moment nicht wirklich zuordnen.

Anders als vermutet stand ich plötzlich mitten in einem riesigen Raum, welcher spärlich eingerichtet war: eine große Ledercouch, ein Wohnzimmertisch und eine Kommode, auf welcher sich Reagenzgläser standen.

Obwohl das Licht ziemlich gedämpft war, konnte ich die einzelnen Gegenstände bestens in Betracht ziehen.

Im ersten Augenblick erinnerte mich dieser Anblick an das ehemalige Chemielabor in der Schule, nur mit dem Unterschied, das sich meine ehemalige Lehrerin mit ihren grauen Haaren nicht hinter ihrem Pult stand.

Der gesamte Raum war menschleer. Mein Herz begann schneller zu klopfen, was wenn es sich hier um eine Falle handelte und sie nur darauf warteten, dass ich hier auftauchen würde. Doch meine Beine setzen sich ohne meinen Willen in Bewegung und erkundigten automatisch jeden Winkel.

Verschwinde Hannah. Verschwinde. Mein Unterbewusstsein schrie und schrie, doch ich ignorierte die Rufe. Ich wollte wissen, wo ich war und wenn ich von niemanden eine Auskunft darüber bekam, musste ich es eben selbst in die Hand nehmen.

Neben dem  vermeintlichen Wohnzimmer, grenzte weiteres eine große geräumige Küche an, welche aber nicht den Anschein machte, jemals benutzt worden zu sein.

Wo bin ich hier ich sprach die Worte leise aus. „Hannah.“ Sofort beschleunigte sich mein Herzschlag, während ich mich umdrehte.

„Jacob.“ Sagte ich leise, starrte jedoch ausschließlich auf meine Fingerkuppen.

„Na sieh mal einer an, die kleine Hanna.“ Er kam näher. „Bist du anscheinend nicht so dumm.“ Er lachte und versuchte mich mit jedem Wort zu provozieren.

Mit jedem Schritt von ihm, weichte ich zurück. Ich wollte ihm nicht zu nahe sein … nie wieder. Allein die Umrisse seines Körpers, hatten eine beängstigende Wirkung auf mich. Meine Nackenhaare richten sich auf.

„Süße.“ Jacob näherte sich immer mehr. Plötzlich spürte ich eine Wand an meinem Rücken, jetzt war ich definitiv in der Falle. „Hast du Angst?“ fragte er mich sanfter Stimme.

Ich hatte Angst.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein.“ Sagte ich.

Er stand bereits so nah an meinem Körper, dass nicht einmal ein Blatt mehr zwischen unsere Körper gepasst hätte. „Gut.“ Erwiderte er, während seine Hände links und rechts an meinen Wangen seinen Platz fanden.

Alles war wieder so vertraut.

„Weißt du Hannah.“ Sein Atem prallte gegen meine Lippen. Mein Körper zitterte. „Du hast wirklich geglaubt, dass wir die Türe unabsichtlich offen gelassen hatten.“ Er lachte. Er liebte es hämisch zu lachen.

Ich presste meine Lippen aufeinander, ließ aber unseren Augenkontakt nicht abbrechen. Seine Augen hatten eine hypnotisierende Wirkung auf mich: schon immer hatte ich mich in seinen Augen verloren. Doch sein Blick veriet mir, dass er wütend war.

Seine Augen waren rot und bei genauerem Hinsehen, sah man den Ansatz von Tränensäcken und Augenringen.

Hatte er keinen Schlaf bekommen? Hannah warum macht du dir Sorgen über ihn, er hat die entführt mein Unterbewusstsein musste es immer besser wissen. Immer.

„Du bist eine Schlampe.“ Plötzlich schlug er seine Handflächen, einige Millimeter von meinem Kopf entfernt, an die Wand. „Aber weißt du was, du kannst es wieder gut machen.“ Unsanft presste er seine Lippen auf meine.

Der Kuss hatte keine Emotionen und kein Gefühl. Jedoch erwiderte ich ihn nicht. „Du willst spielen.“ Flüsterte er, ehe seine Lippen erneut mit meinen verschmolzen. Jedoch dieses Mal, war der Kuss um einiges intensiver: fordernder.

„Du machst mich verrückt.“ Er stöhnte gegen meine Lippen, ich erwiderte. Plötzlich merkte ich, wie Jacob gegen meine Lippen lachte. „Das habe ich vermisst.“ Sagte er sanft, mit einer Stimmlage, welche er immer verwendet hatte.

„Das war erst der Anfang.“

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