Captured • Luke Hemmings

«Du gehörst jetzt uns, hast du verstanden?» Mein Kopf vollzog eine Tätigkeit, die nicht mehr meiner eigenen Willenskraft unterworfen war; er nickte. «Gutes, Mädchen, so gefällst du uns.» Die Stimme des Unbekannten verzweigte sich mit meinem Inneren und stieß ein Gefühl aus: Vertrauen. «Vᴇʀᴛʀᴀᴜᴇ ɴᴜʀ ᴅɪʀ sᴇʟʙsᴛ – ᴅᴇɴɴ ᴀɴᴅᴇʀᴇ ᴋᴏ̈ɴɴᴇɴ ᴅɪʀ ᴅɪᴇsᴇs Gᴇғᴜ̈ʜʟ ɴɪᴄʜᴛ ɢᴇʙᴇɴ.» Doch es war zu spät; es war hoffnungslos und unwiderruflich geschehen. ©Chrissyssecret, July 2014

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Dυηкєℓнєιт: єιηє σρтιѕcнє Wαняηєнмυηg νση ωєηιg Lιcнт

...

Es war schwarz; schwärzer als die Nacht. Ich erkannte nichts.

Ich fühlte mich wie unter Drogeneinfluss; genau so stellte ich mir es vor, musste es Abhängigen gehen (ich kannte dieses Gefühl lediglich von Erzählungen meiner Freunde – selbst hatte ich immer die Finger davon gelassen). Mein Kopf dröhnte und meine Lider waren schwer und ließen sich nicht öffnen – mein Körper fühlte sich an, als beinhaltete er genauso viele Steine, wie aus dem Märchen ‘der Wolf und die sieben Geißlein‘. Er war schwer und ließ meine Glieder von meinem Körper abstehen, zu mindestens machte es den Anschein, denn ich in meinem beduselten Zustand aufstellen konnte.

Erinnerungen hatte ich keine. Alles war wie gelöscht (als ob jemand die Festplatte – mein Gehirn – ausgetauscht hatte.) Wo war ich? Was war geschehen?

Ich war vollkommen benebelt; nicht bei Bewusstsein. Ich reagierte nicht.

Von weitem vernahm ich Stimmen – keine Ahnung um wie viele unterschiedliche es sich handelte –; doch zwei waren es definitiv. Doch sie klangen anders; anders als sonst: verschwommen und undeutlich und weit entfernt.

War ich tot? War das, der Moment, den viele Scheintote als einprägendes Erlebnis erzählten. Fühlte es sich so an, nicht mehr unter den Lebenden zu sein? Wenn ich die Antwort mit ja beantworten hätte können, wär ich lieber ganz tot gewesen: denn ich fühlte mich nicht mehr wie in meinen eigenen Körper: ich fühlte mich schlapp.

Wieder versuchte ich den Stimmen mein Gehör zu schenken. Sie sprachen etwas Unverständliches. Sprachen sie über mich? Ich konnte es nicht zuordnenden.

Dumpfe Schritte näherten sich. „Ist sie tot?“ der Atem einer Person prallte auf meinem Gesicht auf; verschiedene Geschmäcker nach exotischen Früchten und Minze wurden ausgestrahlt und mit der Vibration der Stimme mit auf den Weg geschickt. Die Stimme war tief, jedoch klang sie jung: schätzungsweise achtzehn bis zwanzig Jahre.

Mein Herzschlag beschleunigte wieder, was ein gutes Zeichen dafür war, dass ich noch am Leben war. Doch was war geschehen? Doch vor allem, wer waren diese Menschen? Und was wollten sie?

„Sie bewegt sich aber nicht.“ Stelle die jüngere Stimme fest. Tatsächlich bewegte ich mich nicht, da ich es nicht konnte: ich war wie gelähmt. Schritte entfernten sich wieder.

„Na und?“ sagte plötzlich eine andere Stimme, sie war älter, viel älter: schätzen konnte ich sie nicht. Sie klang harsch und kalt und war somit das genaue Gegenteil von der jüngeren. Jedoch gehörte sie genauso einem Mann. „Jetzt verschwinde.“ Befahl sie und da ich mich nicht bewegen konnte, war der Befehl nicht an mich gerichtet. „Aber.“ Ich bemerkte wie Angst Überhand über den jüngeren Jungen gewann. „Verschwinde.“ Schrie die ältere Stimme und beließ es einzig bei dieser Aussage.

Ich erschrak und zuckte zusammen: ich war wach.

Vorsichtig versuchte ich mich – noch immer mit geschlossenen Augen – auf der etwas weichen Unterlage, auf der ich mich scheinbar befand, aufzurichten. „Bleib liegen.“ Diese schreckliche raue Stimme suchte wieder den Eingang meiner Ohren und sprach somit einen Befehl aus, denn ich aber nicht verfolgen wollte. Sie hinterließ ein Schauergefühl auf meiner Haut, doch sie erinnerte mich immer mehr an eine mir bekannte Stimme. Ich hatte sie zuvor schon gehört, konnte sie aber noch nicht wirklich zu ordnen.

Ich richtete mich, trotz des Verbotes auf, machte aber in Sekundenschnelle mit einer Handfläche Bekanntschaft. Ein lauter Schrei entfloh meiner Kehle. „Miststück.hast.du.nicht.verstanden.was.ich.dir.gesagt.habe.?“ der Mann sprach harsch und versetzte mir einen Stoß in die die Körpergegend um meinen Bauch. Es schmerzte höllisch, war jedoch nichts gegen den psychischen Schmerz, denn ich auf Grund meiner Gedächtnislücken erlitten hatte.

Was war geschehen? Immer und immer wieder versuchte ich meine Erinnerungen, die wie Puzzlestücke verstreut zu sein schien, zu ordnen, um etwas Licht in das Dunkle meines Gedächtnisses zu bringen. Erfolglos jedoch.

Das letzte an das ich mich erinnern konnte, war der Streit zwischen meiner besten Freundin Liah und mir: sie hatte mich mit meinem Freund betrogen, ich hatte sie erwischt, wir stritten und ich lief nachhause – alleine. Ich ging zu Fuß, da ich einen klaren Kopf fassen wollte und einmal die Geschehnisse verdauen musste, ich bog in eines der Gässchen ein, und konnte in weiter Ferne bereits das Haus meiner Eltern erkennen, doch ab da, ist alles schwarz; alles ist gelöscht.

Ich wusste nicht wo ich war. Was ich so schreckliches gemacht hatte, dass ich geschlagen wurde. Und wer verdammt noch mal die diese Menschen waren, die sich das Recht gaben, mich zu schlagen.

Ich hatte noch nie wirkliche Probleme gemacht. In der Schule war ich eine der ruhigen Schülerinnen; ein unscheinbares Mädchen, brav und zuvorkommend.

Meistens wurde ein großer Bogen um mich gemacht: ich hatte nie wirklich viele Menschen um mich. Doch ich hatte Liah. Sie war meine beste Freundin seit der Vorschule vor zwölf Jahren. Wir verbrachten so gut wie jeden Tag miteinander, konnten zusammen durch dick und dünn gehen.

Ich vertraute ihr wie niemand anderem, doch dieses Vertrauen hatte sie missbraucht; sie hatte ihren Spaß mit meinem Freund – (obwohl unsere Beziehung geheim war und das seit mehr als drei Monaten; meine Eltern durften einfach nichts davon erfahren: er kam aus armen Verhältnissen) – wusste sie, dass ich in Jacob verliebt war, und das bereits seit Jahren.

Der einzige, der auch davon wusste, war mein Bruder Louis, der aber seit einem halben Jahr in Australien ist und dort ein Auslandsstudienjahr macht. Sein Traum war es schon immer etwas auf dem Gebiet Rechtwissenschaften zu studieren und deshalb hatte er sich dazu entschieden ein stinklangweiliger Paragrafenreiter, auch Anwaltskopf genannt, zu werden.

Ich hingegen wollte lieber etwas im sozialen Sektor machen: Krankenpflegerin oder Kindergärtnerin, doch natürlich passten diese Vorschläge meinen Eltern nicht in ihren Karrierekram. Unanständig und nutzlos waren die Adjektive, die sich wie rote Fäden durch ihre Vorträge zogen. 

Doch davon ließ ich mich nicht abhalten, ich würde in weniger als einem Monat meine Volljährigkeit erreichen und hätte dann freies Verfügen über mich und mein Leben. Niemand sollte mir dann noch Vorschriften machen; auch nicht Mum und Dad.

England würde ich dann verlassen und genauso wie mein Bruder nach Australien gehen, zuerst einmal als Au Pair für ein Jahr, danach konnte ich mir noch genüg Pläne über meine Zukunft machen: denn ging es nach Granny (vor drei Jahren war sie auf unerklärliche Weise verschwunden – ich befand mich tagelang in einem Sumpf, aus welchem ein Ausweg unmöglich war, gefangen – doch mittlerweile hatte ich mich mit dem Gedanken, sie sei untergetaucht, abgefunden; genauso so wie meine Eltern. Sie schimpften und fluchten; doch ich war mir sicher, dass meine Eltern im Unrecht waren, meine Granny war eine vernünftige und gewissenhafte alte Dame, Mitte fünfzig) sollte man so lange Reisen und die Welt erleben, solange man zum jungen Eisen gehörte.

Sie selbst bezeichnete sich schon Jahre vor ihrem Verschwinden – oder Untertauchen, wie auch immer – als alt: und das obwohl sie eine gesündere Haut hatte als meine Mum, die rund zwanzig Jahre jünger war.

Genau diesen Plan wollte ich verfolgen; eine Weltreise machen – unbekannte Kulturen zu entdecken und seinen Lebensmittelpunkt zu erhalten. Ich wollte die Welt sehen, ganz zum Unmut meiner Eltern.

Irgendwie wurde ich den Gedanken nicht los, Mum und Dad könnten hinter diesen schlechten Scherz stecken: ihre Erziehungsmaßnahmen waren schon immer speziell und mit Vorsicht zu genießen, doch ich konnte das hier nicht wirklich als Scherz – weder lustig, noch bitter – empfinden.

Das erste Mal in meinem Leben hatte ich Angst. Das Gefühl, nicht zu wissen, was als nächstes passieren würde. Ich fühlte mich einengt: meiner Freiheit beraubt.

Mittlerweile wurde es still um mich herum. Meine Augenlider konnte ich auch wieder zum Teil öffnen, doch wie erwartet erreichte mich lediglich Dunkelheit – oder die Farbe Schwarz; ich liebte Farben, jedoch schwarz liebte ich nicht. Diese Farbe verbarg nichts außer Trauer und mit Trauer konnte ich nicht umgehen. „Wo bin ich?“ langsam sprach ich die Worte aus, ich hatte nichts zu verlieren und ich riskierte weiter Schläge für eine Antwort.

Doch nichts außer ein Echo meiner Stimme erreichte mich. Stille lag im Raum. „Bei uns Schätzchen.“ Ich erschrak, ich war nicht alleine in diesem Raum. Eine weitere Stimme, die ich zuvor noch nicht gehört hatte, ertönte und kam näher. „Hast du verstanden Schätzchen?“ die Stimme lag über mir, hatte diesmal einen Hauch von Mango im Atem. „Du gehörst jetzt uns.“ Sie wurde sanfter, doch undeutbarer. Ich erkannte den Gesichtsausdruck nicht und konnte somit die Emotionen, der mir völlig unbekannten Person nicht deuten.

Ich zitterte. „Wer bist du?“ ich hatte Angst. Ein Hauch eines Atems erreichte meinen Hals. „Schätzchen, das spielt keine Rolle.“ Der Junge entfernte sich wieder und stieß einen lauten Lacher aus. „Wir werden noch viel Spaß haben, Schatz, aber jetzt entschuldige mich.“ Er platzierte einen Kuss auf meiner Stirn, entfernte sich aber wieder ohne weitere Aufdringlichkeiten. „Ich habe noch etwas zu erledigen.“ Sagte er. „Schatz. Ich komme wieder.“ Ein erneutes Lachen entfuhr seiner Kehle; doch es war anders: fordernder.

Mein Atem stockte. Wo war ich? Und wer waren diese Person. Mittlerweile hatte ich die Bekanntschaft mit drei gemacht. Mit einem älteren, einem jüngeren und einem Psychopaten – so schien mir letztere.

Die schweren Schritte, welche vermutlich von Stiefeln, wie sie beim Militär getragen wurden, entfernten sich. Die Dielen des Bodens stießen mit jeder Berührung ein Krachen aus.

Eine Türe wurde geöffnet. Kurz wurde der Raum hell, doch zu kurz, um mir ein genaueres Bild zu verschaffen, einzig und allein die Umrisse einer Kommode in der Ecke konnte ich erkennen. Die Türe wurde geschlossen und versperrt: das Drehen des Schlüssels im Schloss verriet mit diese Tätigkeit.

Ich war alleine: zu mindestens hoffte ich es. Vorsichtig tapste ich den Bereich neben meinem Körper ab. Er war weich, wie eine Matratze. Befand ich mich auf einem Bett? Zu mindestens wäre es ein gemütliches Bett, würde es sich nicht im Zuge dieser Vorgänge benötigt werden.

Ich nahm allen meinen Mut zusammen und setzte mich auf, dieses Mal ohne Schläge erleiden zu müssen. Kerzengerade starrte ich gerade aus, konnte aber nichts erkennen: Fenster gab es hier anscheinend keines. War ich in einem Keller? Wo war ich?!

„Wo bin ich?“ fragte ich leise, doch wie zu erwarten bekam ich keine Antwort. „Hallo?“. Stille.

Ich drehte mich zur Seite und ließ meine Füße aus dem vermutlichen Bett hängen. Es war nicht hoch, denn nach einigen wenigen Zentimetern hatten meine Füße bereits den Boden erreicht. Aus welchem Material er war, konnte ich nicht zweifelslos sagen: Parkett oder doch Marmor?  

Langsam hatten sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt und vertrauen in ihr Gefunden. Das schwarz schien mir plötzlich nicht mehr so dunkel zu sein, doch ich wusste, dass es komplett den gleichen Ton hatte, wie Minuten zu vor.

Du kannst hier nicht einfach aufstehen eine innere Stimme sprach zu mir, doch ich ignorierte sie gekonnt. Ich wollte wissen wo ich war.

Sollte ich aufstehen? Sollte ich einen Lichtschalter suchen? Sollte ich? Ich war mir nicht einmal sicher, ob es in diesem Raum (wenn es überhaupt ein Raum war) Licht oder etwas was der Ähnlichkeit dessen entsprach, geben würde.

Mit vorsichtigen und leisen Schritten tapste ich auf den Punkt zu, aus dem vor einigen Minuten das Licht gekommen war. Würde es einen Lichtschalter geben, müsste er sich wie gewöhnlich neben der Türe befinden: so mit kombinierte ich mein Vorhaben jedenfalls.

Es fiel mir nicht leicht in der Dunkelheit meinen Weg zu wagen, doch er war nicht lange, schon nach einigen Metern hatte ich eine Wand erreicht. Sie war kalt und feucht: ich befand mich in einem Keller, das bestätigte mir die Feuchtigkeit in diesem Raum.

Ich machte mir mehr Sorgen darüber, dass sich hier Schimmelpilze befinden hätten können, als das ich eingeschlossen war oder noch schlimmer, dass ich haarige Mitbewohner hatte.

Ich hasste Mäuse und Ratten. Allein der Gedanke daran war Auslöser dafür, dass sich die Härchen in meinem Nacken aufstellten. Hannah hier sind keine Ratten…Nein Nein Nein. In letzter Zeit wurde es zu meiner Gewohnheit, mir selbst Mut zuzusprechen. Was anderes konnte ich auch nicht machen.

Immerhin war ich gefangen, aus einem Grund, der mir nicht bekannt war. „Wieso?“ ich schrie so laut ich konnte in die Dunkelheit, mir war bewusst, dass mich keiner hören würde, der mich befreien konnte, doch es kümmerte mich nicht; im Gegenteil es befreite – wenn auch nur ein wenig.

Sollte ich sterben meine Gedanke überschlugen sich. Angst machte sich in mir breit. Ich begann wieder am gesamten Körper von Zitteranfällen heimgesucht zu werden. Mach dich nicht selbst verrückt … die Stimme in meinem Kopf meinte es gut mit mir, ohne den Ernst der Lage zu verstehen.

Du kommst hier wieder raus Hannah – gesund und ohne bleibende Schäden sie sprach und sprach, doch ich schenkte ihr keinen Glauben. Es war hoffnungslos, niemand wird mich jemals hier in diesem Verließ finden.

Suchten sie bereits nach mir? Mit Sicherheit nicht. Wahrscheinlich ist es noch niemanden aufgefallen, dass ich verschwunden war. Typisch.

Vorsichtig ließ ich mich an der Wand nach unten sinken, ich war mit meinen Kraftreserven bereits am Ende angekommen: Leer - zeigten die Behälter in meinem Körper an. Mit angewinkelten Beinen saß ich an der feuchten Wand und schloss meine Augen.

 

Schritte. Ich hörte Schritte, sie näherten sich. Sie verstummten – die Türe wurde geöffnet. Sie quietschten und ließ die Dillen unter ihr knarren. Mein Kopf sprang nach oben und blickte in ein mir bereits bekanntes Gesicht. „Du?“ ich war fassungslos. 

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