Captured • Luke Hemmings

«Du gehörst jetzt uns, hast du verstanden?» Mein Kopf vollzog eine Tätigkeit, die nicht mehr meiner eigenen Willenskraft unterworfen war; er nickte. «Gutes, Mädchen, so gefällst du uns.» Die Stimme des Unbekannten verzweigte sich mit meinem Inneren und stieß ein Gefühl aus: Vertrauen. «Vᴇʀᴛʀᴀᴜᴇ ɴᴜʀ ᴅɪʀ sᴇʟʙsᴛ – ᴅᴇɴɴ ᴀɴᴅᴇʀᴇ ᴋᴏ̈ɴɴᴇɴ ᴅɪʀ ᴅɪᴇsᴇs Gᴇғᴜ̈ʜʟ ɴɪᴄʜᴛ ɢᴇʙᴇɴ.» Doch es war zu spät; es war hoffnungslos und unwiderruflich geschehen. ©Chrissyssecret, July 2014

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1. •prólogo•

Die Straßen sind überfüllt mit ihnen.

Sie sind überall.

Überall wohin man blickt, kreuzen einen glückliche Menschen.

Verliebte Pärchen, Eltern mit ihren Kindern, in die Jahre gekommene Menschen, die mit ihren Hunden die letzte nächtliche Runde, vor dem zu Bett gehen drehen.

Sie ignorieren uns, wir sind nicht gut für sie – ein schlechter Einfluss für ihre überdurchschnittlichen Wunderkinder. Keine Mathematikgenies, keine Chemieexperten oder Sprachwunder. Nichts desgleichen sind wir.

Nie würden sie uns beachten.

Wie ich jedes einzelne strahlende Gesicht hasse. Dieses Lügen. Diese gespielte Lächeln. Alles

Jede besetzte Parkbank löst erneut einen Würgereflex in mir aus, welchen ich nur schwer unterdrücken kann. Ja, ich verabscheue euch alle.

Wie sehr ich jeden dieser Menschen hasse und es jedem einzelnen in sein makelloses Gesicht schreien würde, doch dazu fehlt mir der Mut. Der Mut, dass zu tun, was schon lange fällig wäre: die Wahrheit zu sprechen.

Keiner in dieser verdammten Kleinstadt hatte jemals den Mut sein Haupt zu erheben und die Wahrheit preis zu geben: die Wahrheit, das Hookville, nichts weiter als eine weitere heruntergekommene Stadt ist.

Nach außen hin glänzen wir mit einem überdurchschnittlich hohen Rugby-Verein, der es aber trotzdem nie weiter, als in die Vorausscheidung zum eigentlichen Meisterspiel geschafft hatte: erbärmlichJa, ihr seid Versager.

Jeder einzelne Grashalm hat seine eigene Geschichte und kann weitere hunderte erzählen, auch wenn sie zurzeit unter einer dünnen Schneedecke begraben waren.

Ist es nicht eigentlich so, dass man auf seine Heimat stolz sein sollte? Seinen Hintergrund im Herzen tragen und ihn vom höchsten Maße preisen sollte?

Doch welche Perspektive hatten wir schon großartig? Müllmänner? Fabrikarbeiter. Keine schlechten Jobs, keine Frage, jedoch nicht, dass was ich mir vorstellte.

 „Luke, ein einziges Mal noch.“ Sagte er, während er seinen Rucksack über seine Schultern hing und seine Sonnenbrille aufsetzte.

„Du weißt was für uns am Spiel steht Alter.“

„Ja. Ja. … Klar.“ Ich antwortete zögernd. Ein letztes Mal, leise wiederholte ich die Worte, damit ich sie begriff. Ein letztes Mal … Allerletztes Mal.

Er war mein bester Freund. Wir hatten keine Geheimnisse, teilten uns alles.

„Willst auch ‘n Zug?“ Kopfschüttelnd lehnte ich ab, ich wollte aufhören mit dem ganzen Zeugs und zog stattdessen eine Chips-Packung aus meinem Rucksack, während ich mich auf die Eisenbahnabsperrung hockte. „Was ist jetzt eigentlich mit deiner Kleinen?“ fragte ich Jacob, während ich versuchte die Öffnung der Packung einzudrücken.

Er hatte eine Freundin, sprach aber nicht wirklich gerne darüber. Keine Ahnung wieso.

Nach und nach stopfte ich mir eine Faust voll Chips in meinen Mund. Sie schmeckten ekelig: billig.

Jacob nahm den letzten Zug seiner Zigarette, ehe es sie anschließend auf einem Maulwurfshügel ausdrückte und sich zu mir auf die Absperrung gesellte. „Mhm.. es läuft.“ Antwortete er monoton.

Ich bemerkte sofort, dass er nicht darüber sprechen wollte und beließ es auch dabei.

 

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Die Dunkelheit war bereits angerissen und war auch über meine Heimatstadt hergezogen; die Sonne hatte sich vom Himmel für eine weitere Nacht verabschiedet und ihren Schlafplatz am Ende des Horizontes gesucht.

Gänsehaut hatte sich an meinem Körper gebildet, da ich zu dem Tag lediglich mit einem etwas kurzen Kleid bekleidet und einer Winterjacke bekleidet war. Zum Glück hatte ich neben den High Heels, auch noch meine Boots bedacht. Danke, Unterbewusstsein.

Schick wollte ich mich machen, doch was brachte es mir? Nichts. Lediglich, dass ich für diese Jahreszeit kaum bekleidet, durch die Straßen lief. Alleine.

Der Himmel war sternenklar. Leicht beugte ich meinen Kopf in den Nacken um das Schauspiel am Himmel genauer in Betracht ziehen zu können. Es war ein magischer Moment, den ich am liebsten für immer festgehalten hätte; aufgefangen mit einem Spiegel, verwahrt in einem kleinen Döschen.

Vollkommen meinem Unbewusstsein überlassen, gab ich mich diesem Moment, der vollkommenden Schwerelosigkeit und Zufriedenheit, fernab von der Realität, hin.

Vereinzelte Straßenlaternen flackerten und beleuchteten die Straßen zum Teil; mal mehr, mal weniger.

Ich hatte keine Angst, da ich diesen Teil des Straßenabschnittes bereits zur Genüge zurückgelegt hatte. Er war mir bekannter als jeder andere Fleck der Stadt; der Schandfleck, wie er von den Bewohnern liebevoll genannt wurde.

Die Straßenabschnitte waren vollkommen mit Müll und Bierflaschen geziert, doch jeder Teil erzählte seine eigene Geschichte: die Geschichte zwischen Arm und Reich.

Die Temperatur hatte in den letzten Tagen eine einstellige Zahl angenommen. Es war bitterlich kalt, doch es kümmerte mich nicht, ich liebte die Kälte, ich liebte den Winter. Diese Zeit des Jahres war mir am liebsten; von Schnee und Eis konnte ich nicht genug bekommen.

Ich streifte mir meine Kappe noch weiter über die Ohren, da sie schon zum Teil eingefroren waren. Meine Handschuhe ließ ich aber in meiner Tasche.

Ein Blick auf mein Handydisplay verriet mir die Uhrzeit: 1:59. Kurz darauf ertönten die gespenstig wirkenden Glocken des Kirchturms, welche zu jeder vollen Stunde ihren Klang priesen. Einmal, danach verstummten sie und gerieten für weitere Minuten in Vergessenheit, ehe sie erneut zu voller Stunde erklangen.

Mir schien es, als würden sie dieses Mal lauter dröhnen als die Male zu vor; doch vermutlich war es reine Einbildung, die ich mir selbst einredete.

Von weitem konnte ich schon die ersten Villen erkennen; eine war größer und protziger als die Andere. Allein der bloße Anblick, ließ Wut in mir aufkommen: ich hasste es in einer solchen wohnen zu müssen.

Ich hasste mein Leben und meine Eltern. Ständig waren sie mit wichtigen Aufträgen in der Baubranche beschäftigt und stillten ihr Gewissen mit Geld. Doch das Geld nicht das Wichtigste im Leben ist, erkannten sie nicht. Ja Dad, es gab andere Prioritäten im Leben. Ja Mum, du hast eine Tochter.

Da die Stille immer leiser wurde, entschied ich mich dazu mein Handy aus meiner Tasche zu holen und mir Musik in meine Ohren zu stöpseln, um abgelenkt zu werden; ich bevorzugte keine spezielle Musikrichtung, ich hörte was gerade zu meiner gegenwärtigen Stimmung passte. Manchmal fand ich es auch sehr entspannend einfach den klassischen Klängen Mozarts oder Bachs zu folgen. Sie inspirierten mich in einer gewissen und unbeschreiblichen Art und Weise.

Ich scrollte meinen Musikordner mit der Bezeichnung „Favorites“ nach unten. In ihm fanden sich sowohl alt bewährte Partyhits, als auch die neuesten Charts-Erscheinungen. Ich bestückte diesen Ordner mindestens einmal im Monat, da ich nicht lange auf die gleichen Songs stand.

Ich drücke den „Play-Knopf“ und die Töne eines mir bekannten Songs erklangen, welchen ich mich lautstark hingab; ich liebte es zu singen und das obwohl ich es nicht besonders gut kannte.

Gut gelaunt schritt ich meinen Weg voran, ein Gässchen lag noch vor mir, dann würde ich wieder in der Hölle, die sich zu Hause nannte, gefangen sein. Obwohl sich meine Eltern so gut wie nie im Haus waren, hatte ich eine Art Babysitterin, die sowohl die Tätigkeit einer Köchin und Putzfrau übernahm. Ja Luzie, ich hasse dich.

Mein Handy vibrierte und unterbrach somit den Song. Genervt zog ich es auf meiner Jackentasche. Wie nicht anders zu erwarten, rief meine ach so beste Freundin an. Ich tippte auf den Annehmknopf. „Was willst du noch?“ mit etwas zu lautgeratener Stimme. „Ich glaube, wir haben alles besprochen.“ Keifte ich erneut ins Handy, ohne sie auch nur eine Sekunde zu Wort kommen zu lassen und betätigte im selben Atemzug den roten Knopf, um sie wegzudrücken. Ja Liah, du bist ein Miststück.

Für einen kurzen Augenblick blieb ich mitten am Gehweg stehen. Ich schloss meine Augen und holte tief Luft, um mich abzureagieren und nicht wieder auf 180 zu sein.

Wieso fragte ich mich immer und immer wieder. Wieso gerade meine beste Freundin? Wieso?

Ein kalter Schauer lief mir über meinen Rücken. Die einzige Straßenlaterne weit und breit hatte auch schon beinahe ihr zeitliches gesegnet und flackerte einzig und alleine in einem sehr dunklen Ton; vermutlich müsste ihre Birne ausgetauscht werden, doch darum kümmerte sich niemand.

Am liebsten hätte ich einen lauten Schrei in die Tiefe der Nacht ausgestoßen, doch ich konnte nicht. Ich konnte nicht schreien oder weinen. Meine Emotionen waren wie ausgelöscht. Und wieder stellte ich mir die Frage nach dem Warum?

Mein Handy piepste erneut; die Frage wer sich hinter der Textnachricht befand, war leicht zum Erklären: Liah. Doch ich hatte weder die Lust, noch die Kraft mein Handy aus meiner Jackentasche zu holen und ihrem Entschuldigungsschreiben auch nur eine Sekunde zu opfern. Ich war fertig mit ihr: definitiv.

Mittlerweile hatte ich das Gefühl, als dass die Temperatur noch weiter gesunken war, erstmals überkam mich ein leichtes Frösteln. Es begann auch leicht zu schneien, was mir die leichten Lichtkegel der Straßenlaternen verrieten.

Ich ging weiter, ich wollte jetzt einfach nur mehr in mein Bett und schlafen; diesen Abend für immer vergessen; für immer aus meinem Gedächtnis zu löschen, war der Plan, den ich mit voller Überzeugung verfolgte: Hannah und Liah, würde es nie wieder in dieser Konstellation geben.

Ich bog in die letzte dunkle Gasse, ehe ich mein Zuhause erreichen würde, ein. In weiter Ferne erblickte ich schon das Haus der Millers, welche jedes Jahr übertrieben viele und vor allem bunte Weihnachtsdekorationen, überall um ihr Anwesen angebracht hatten. Sie waren herzensgute, aber komplett verrückte Menschen, doch die liebevollsten Nachbarn, die man sich wünschen konnte.

East Road North Bound stand auf einem der Straßenschilder und deutete somit den Weg, in eine der vornehmsten Gässchen überhaupt. Ohne zu überlegen wählte ich, wie immer, den rechten Gehweg; der Linke war mir aus einem Grund unsympathisch: das Haus der Conners und ihr Hund. Es gab viele Geschichten, das die Conners in ein dunkles Licht rückte, doch obwohl ich dem Gerede nie wirklich Glauben geschenkt hatte, mied ich ihr Haus.

Plötzlich vernahm ich leise Schritte hinter mir. Wie automatisch gesteuert drehte ich mich in Sekundenschnelle um meine eigene Achse, doch ich konnte niemanden erblicken. Die Gasse war menschenleer.

Mein Adrenalinspiegel stieg in kürzester Zeit in die Höhe; Angst machte sich in meinen Adern breit und lies das Blut in ihnen gefrieren: ich fühlte mich aus einem Grund beobachtet.

Du spinnst doch Han redete ich mir selbst gut zu, und machte mir somit Mut, um nicht vollkommen durch zu drehen. Wieder ertönte ein dumpfes Geräusch, welches den Abstand zu mir immer kürzer werden ließ. Jetzt hatte ich wirklich Angst und beschleunigte somit meinen Gang. Ja, ich hatte Angst.

Doch plötzlich geschah alles in Sekundenschnelle: ein Tuch wurde vor meinen Mund gepresst und ich verlor das Bewusstsein.

 

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