Das Leben nach der Liebe

´Was kommt wohl nach dem Tod´, fragte ich mich. Ich wusste die Antwort: Nichts. Ich würde sterben, und mich an nichts erinnern. Aber was wäre, wenn du dich von einer Brücke gestürzt hast, und dich daran erinnern kannst gestorben zu sein, aber nicht mehr du, sondern eine andere Person bist?

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4. Tyler

Vor seinem Auto ließ er mich runter und öffnete die Tür. Ich zögerte.

"Was ist los?", fragte er.

"Ich kann nicht einsteigen. Ich würde dein Auto nass machen." Ich biss mir auf die Unterlippe.

"Schon OK. Außerdem bin ich auch nass." Er lächelte.

Er konnte mich nicht überzeugen. Ich schaute ihn schüchtern an.

"Na gut. Ich glaube ich habe noch eine Decke im Kofferraum", gab er dann doch nach.

Er ging zum Kofferraum und zauberte eine Decke heraus, die sehr kuschelig aussah. Dann kam er wieder zu mir und legte sie mir um die Schultern. Er hielt mich in seinen starken Armen fest und fragte: "Besser?"

"Ja", flüsterte ich. Ich schaute in seine grünen Augen, die fast schon unnatürlich aussahen. Ein Drang mich an ihn zu kuscheln kam in mir hoch, doch ich hielt mich zurück. Ich hatte ihn erst vorhin kennengelernt. Was heißt schon kennengelernt? Ich wusste nicht einmal wie er hieß.

Der selbe Gedanke musste ihm gerade wohl auch gekommen sein, denn er fragte: "Wie ist dein Name?"

"Olivia. Olivia Baker", antwortete ich. "Du kannst mich Liv nennen."

"Ich bin Tyler Harper."

Er legte seine große Hand auf meine Schulter und führte mich damit zärtlich auf den Beifahrersitz. Dann schloss er die Tür, ging um das Auto und setzte sich neben mich auf den Fahrersitz.

"Also. Wo wohnst du?", wollte er schließlich wissen.

"Rembertistraße", antwortete ich.

"Okay", sagte er und startete den Motor.

Eine schreckliche Stille umgab uns. Ich schaute schüchtern aus dem Fenster und betrachtete die Autos, die an uns vorbeirasten. Ich spürte wie Tyler mir von der Seite einen Blick zuwarf und errötete. Die Fahrt dauerte nicht lange. Als wir ankamen fand Tyler seine Stimme wieder: "Da wären wir."

Ich zeigte mit meinem Finger auf einen der Wohnblöcke und Tyler hielt genau davor.

"Danke, dass du mich gefahren hast", sagte ich schnell und schnappte mir meine Tasche. Zügig stieg ich aus, um dieser Stille und diesem fremden Jungen zu entkommen. Ich lief zu der Haustür, während ich mit einer Hand in meiner Tasche nach dem Schlüssel suchte. Der Regen prallte immer noch auf mich herab. Tyler saß im Auto und schaute zu mir herüber. Wahrscheinlich wartete er noch darauf, dass ich reinging.

Verdammt! Dachte ich. Ich musste den Schlüssel vergessen haben. Wieder liefen mir Tränen über die Wangen. Ich war so idiotisch. Ich ließ die Tasche auf den Boden fallen. Dann hörte ich, wie Tyler aus dem Auto stieg und auf mich zukam.

"Psch. Wieso weinst du schon wieder? Was ist los?", fragte er einfühlsam und legte seine Hände auf meine Schultern.

"Ich -", stammelte ich.

"Du hast dein Schlüssel vergessen?", fragte er.

Ich nickte.

Er umschlang mich mit seinen Armen und zog mich dicht an seine Brust.

"Wohnst du alleine?", fragte er dann.

"Nein", wimmerte ich. "Ich weiß nicht wann Zoey wieder kommt. Sie ist in Hannover."

"Hm. Dann kommst du zu mir", entschied er. "Bis sie wieder da ist", setzte er noch schnell hinzu.

Ich schluchzte. Was war mit mir los? Jetzt muss ich zu einem Jungen nach Hause fahren weil ich meine Schlüssel vergessen hatte?

"Ich ... Nein ich kann ..." Ich wusste nicht was ich sagen sollte.

"Nein, schon OK", beruhigte mich Tyler. "Komm. Steig wieder ein."

Er ließ mich los und griff nach meiner Hand. Mein Herz pulsierte bei jedem Schritt, den wir in Richtung Auto gingen, schneller. Wieder öffnete er mir die Tür und schob mich zärtlich auf den Sitz. Dann lief er um das Auto und setzte sich. Er startete den Motor und fuhr in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

Diesmal starrte ich ihn von der Seite an. Seine Nase war perfekt geformt, seine Lippen voll und schön geschwungen. Wir hielten an einer Ampel und Tyler wendete sein Kopf zu mir. Er lächelte sanft. Meine Augen füllten sich erneut mit Tränen. Tyler streckte seine Hand nach mir aus und ließ sie auf meiner Wange liegen. Ich schloss meine Augen, damit mir die Tränen nicht über die Wangen liefen. Tyler strich mir mein Haar hinter mein Ohr.

Dann ließ er los und fuhr weiter.

Mit geschlossenen Augen lehnte ich mein Kopf wieder an mein Sitz.

Ich war eingeschlafen, denn ich wachte in einem kuscheligen Bett wieder auf. Ich schaute mich um. Auf einem Schaukelstuhl saß Tyler und beobachtete mich neugierig. Ich spürte wie meine Wangen glühten. Er kam langsam auf mich zu und setzte sich auf die Bettkante. Ich schaute ihm direkt in seine grünen Augen. Er strich mit seinem Handrücken über meine Wange. Ich schloss meine Augen und ließ das Feuer auf meiner Wange brennen.

"Hast du Hunger?", flüsterte er dann und ließ seine Hand auf meiner Wange liegen.

Ich nickte. "Wie spät ist es?", fragte ich ebenfalls flüsternd.

"Es ist 7Uhr morgens", antwortete er.

Ich versuchte mich aufzurichten. Tyler half mir. Ich setzte mich neben ihn und schaute ihn an. Dann ließ ich mich in seine starken Arme fallen.

"Danke, dass du dich um mich kümmerst. Du bist so ... so ...", ich suchte nach den Richtigen Worten. Es gab so viele.

Tyler lachte rau. "Schon gut. Komm wir gehen essen."

Ich bemerkte, dass ich noch die Kleidung von gestern trug.

Tyler zog uns beide auf die Füße und führte mich ins Wohnzimmer. Dort stand ein Esstisch mit zwei Stühlen. Tyler machte eine einladende Bewegung. Ich setzte mich an den Tisch. Er war schon gedeckt. Tyler setzte sich auf den anderen Stuhl und wir fingen an zu essen.

Plötzlich ging die Tür auf und ein Junge mit blondem Haar und blauen Augen. Er schaute erst zu Tyler und dann zu mir, dann wieder zurück zu Tyler. Er grinste frech und fragte: "Mm Tyler, Tyler. Schon wieder jemanden mitgeschleppt? Mann, mann, mann." Er klatschte laut in die Hände.

Entsetzt schaute ich Tyler an. Er starrte wütend auf seine Hände. Ich stand hastig auf und schob wütend, entsetzt und vor allem aggressiv den Stuhl an den Tisch. Ich suchte ein Raum in den ich gehen konnte. Ich lief in Tylers Zimmer und knallte die Tür zu.

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