Das Leben nach der Liebe

´Was kommt wohl nach dem Tod´, fragte ich mich. Ich wusste die Antwort: Nichts. Ich würde sterben, und mich an nichts erinnern. Aber was wäre, wenn du dich von einer Brücke gestürzt hast, und dich daran erinnern kannst gestorben zu sein, aber nicht mehr du, sondern eine andere Person bist?

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3. Ihr Haus

Ich lief schnell, denn ich war voller Adrenalin und ich hatte auch Angst, dass es anfangen würde zu regnen.

Als ich an der Schlachte angekommen war, fiel mir erst mein größtes Problem ein: Ich wusste nicht, wo genau Melanie gewohnt hatte. Wie konnte ich nur so dumm gewesen sein?

Es war schon ziemlich spät. Es wurde langsam dunkel und die Wolken rückten immer enger zusammen. Ich schaute verzweifelt in den grauen Himmel.

Mist, dachte ich. Ich stampfte wütend auf den Boden und erregte die Aufmerksamkeit einiger Passanten.

Ich setzte mich an den Rand der Weser und stützte meinen Kopf auf meinen Händen ab.

Ich hätte nicht versuchen sollen, das Haus zu finden. Es war leichtsinnig und naiv. Wieso sollten dann die Träume aufhören? Wieso träumte ich überhaupt von einem toten Mädchen? Was hatte das alles mit mir zutun?

Ich schloss meine Augen, doch meine Gedanken wollten nicht geordnet werden.

Mir liefen Tränen die Wangen runter. Schwere kalte Regentropfen nieselten auf meinen Rücken. Ich hörte wie die Menschen um mich herum liefen, um schnell ein trockenes Plätzchen zu finden. Ich kümmerte mich nicht um sie. Ich blieb sitzen und konzentrierte mich auf die Regentropfen, die mein T-Shirt durchnässten.

Nach einer Zeit legte jemand seine Hand auf meine Rücken und sagte: "Du solltest lieber nicht hier sitzen, Liv"

Doch ich ignorierte auch diese Stimme, die mir bekannt vorkam. Ich rührte mich nicht. Und es half: Die Person ging schließlich weg und ließ mich wieder allein.

Ich schluchzte.

Komm jetzt, Liv, versuchte ich mir selbst Mut zu machen. Du stehst jetzt auf und läufst los. Wenn du von den Erinnerungen einer Toten träumen kannst, muss dein Herz dich wohl zu ihrem Haus führen!

Dieser Gedanke war schon wieder naiv, doch ich stand wie traumatisiert auf und lief los. Ich sprintete mit geschlossenen Augen und laut weinend die Weser entlang. Ich sah nicht wo ich hinlief, meine Füße führten mich, und ich wusste nicht wohin. Meine Füße bogen ab und ich hoffte, dass ich nicht in die Weser lief, doch ich öffnete meine Augen nicht, ich lief einfach weiter.

Plötzlich stand mir etwas im Weg, denn ich lief dagegen und fiel auf den Boden. Ich öffnete meine Augen nicht. Ich schluchzte laut und stand wieder auf, ohne meine Augen zu öffnen. Dann rannte ich wieder los, doch ich kam nicht weit, denn etwas packte mich von hinten.

Ich schrie laut, doch meine Augen blieben geschlossen. Ich versuchte mich von dem Griff zu befreien, doch dieser unbekannte Mensch war zu stark.

Er drehte mich um, um mir in die Augen zu schauen vermutete ich, doch ich ließ meine Augen geschlossen.

"Schsch. Hey, was ist los? Öffne Deine Augen. Bitte. Bist du verletzt?", fragte eine tiefe männliche Stimme. Ich könnte wetten, dass er gut singen konnte.

Ich riss meine Augen auf und schaute direkt in smaragdgrüne Augen. Sie waren weit aufgerissen. Beschämt starrte ich auf den Boden.

"Lass mich los." Eigentlich wollte ich, dass es sauer klingt, aber es kam nur ein Flüstern heraus.

"Du wärst fast in die Weser gerannt", sagte der Junge. Er musste ungefähr 18 sein. "Wenn ich dich loslasse, würdest du dann wieder wegrennen?", fragte er dann und lockerte seinen Griff.

Ich hob mein Kopf etwas und bemerkte, dass auch er total durchnässt war. Sein weißes T-Shirt lag eng an seinem Körper, so dass ich seinen durchtrainierten Oberkörper sehen konnte. Meine Wangen glühten und ich fing wieder an zu schluchzen.

"Psch. Beruhig dich." Er hob mein Kopf an, so dass ich dazu gezwungen war ihn anzusehen. Er hatte braunes, lockiges Haar. Seine Wangenknochen traten deutlich hervor und seine Lippen waren perfekt geformt, doch was mich anzog waren seine Augen, die sogar bei diesem schlechten grauen Wetter grün leuchteten.

"Ich...", begann ich, obwohl ich nicht recht wusste, was ich sagen wollte, und stockte.

Der Junge lächelte mich sanft an. Ich kam mir total blöd vor und fing wieder an zu weinen. Ich brach zusammen und kauerte mich auf dem Boden zusammen.

Der Junge erschrak und schaute mich ein paar Sekunden erschrocken an. Dann setzte er sich neben mich, schlang seine Arme um mich und zog mich an seine Brust. Er stützte seinen Kopf auf meinem ab und streichelte langsam mit seiner Hand über mein Rücken, um mich zu beruhigen.

Überall wo sein Körper meinen berührte entflammte ein Feuer, welches mein Herz zum pulsieren brachte.

"Wieso bist du nicht einfach an mir vorbeigegangen?", fragte ich ihn, als ich mich beruhigt hatte.

"Wieso rennst du mit geschlossenen Augen durch die Gegend?", fragte er zurück.

Als ich nicht antwortete und er merkte, dass ich auch nicht antworten werde, hob er wieder mein Kopf an.

"Weil ich nicht so bin", antwortete er mir. Seine Augen leuchteten mir ins Gesicht. Er strich mir mit seinem Daumen über die Wange. Dann schaute er schüchtern auf den Boden und fragte: "Wo wohnst du? Ich werde dich nach Hause fahren."

"Ich... Du musst mich nicht fahren. Das ist nicht nötig ich kann auch", setzte ich an.

"Ich bestehe aber darauf. Wenn ich weggehe würdest du weiterrennen. Außerdem regnet es", unterbrach er mich.

"Aber du... Wieso läufst du überhaupt im Regen durch die Gegend", fragte ich leise.

Er schaute mich kurz an, dann schaute er in den Himmel.

"Weiß ich nicht. Vielleicht ist es ja Schicksal, dass ich dich davor bewahrt habe in die Weser zu rennen", antwortete er und lächelte mich an. Ich konnte nur zurück grinsen.

"Also komm ich fahre dich nach Hause." Er machte Anstalten aufzustehen, doch ich wollte nicht aufstehen. Ich wollte für immer in seinen Armen liegen bleiben, aber ich sagte nichts.

Er stand auf und hielt mir seine Hand hin.

"Ich kann mit Bus fahren", versuchte ich es noch einmal.

Er schaute mir eine Weile tief in die Augen. Dann hob er mich hoch und trug mich Richtung Straße.

"Also", setzte er lachend an. "Wo wohnst du nochmal?"

Ich lächelte ihm zu und kuschelte mich an seine Brust.

Mein ganzer Körper brannte.

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