Das Leben nach der Liebe

´Was kommt wohl nach dem Tod´, fragte ich mich. Ich wusste die Antwort: Nichts. Ich würde sterben, und mich an nichts erinnern. Aber was wäre, wenn du dich von einer Brücke gestürzt hast, und dich daran erinnern kannst gestorben zu sein, aber nicht mehr du, sondern eine andere Person bist?

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1. Ich

Ich bin 16. Mein Haar ist blond und lockig. Meine Augen sind hellblau. Gerade fiel mir ein Songtext ein und ich spürte wie die Tränen mir die Wangen runterkullerten. No one knows what it´s like to be the bad man, to be the sad man, behind blue eyes.

Ich schluchzte. Ich würde nicht wieder von der Brücke steigen.

´Was kommt wohl nach dem Tod´, fragte ich mich. Ich wusste die Antwort: Nichts. Ich würde mich sowieso an nichts mehr erinnern. Das war mein Stichwort.

Mein Herz raste und meine Hände zitterten. Ich sprang, meine Hände griffen ins nichts und ich schrie. Ich schrie mir die Seele aus dem Leib, doch nichts könnte mich noch retten. Ich hörte noch ein lautes Platschen und ein Rauschen. Ich erinnerte mich an ein Gesicht. Blondes Haar, braune Augen: Es war Kyle. Etwas zerfraß mein Herz. Dann sah ich schwarz.

Ich schrie. Ich schrie immer noch. Was war los?

"Liv! Alles ist gut, Liv. Schsch. Alles ist gut", hörte ich eine Stimme sagen. Es war Zoey. Wir teilen uns ein Haus in Bremen seitdem meine Eltern bei einem Autounfall gestorben waren. Sie ist wie eine Schwester für mich. Ich kann ihr alles erzählen.

"Hast du wieder geträumt? Natürlich hast du geträumt. Ich frage mich wieso du sowas schlimmes träumen kannst? Vielleicht wegen deinen Eltern? Oh tut mir leid." Ich funkelte sie böse an. Daraufhin lächelte sie nur und streichte mein schwarzes Haar hinter mein Ohr. "Du solltest wieder schlafen es ist drei Uhr morgens", sagte sie dann. "Wenn du wieder aufwachst, bin ich einkaufen. Also wundere dich nicht, okay?"

"Okay, schon klar", versicherte ich ihr. Sie lächelte und ging zurück in ihr Zimmer.

Ich kuschelte mich in mein Bett und schloss wieder die Augen.

Es war Sommer und ich befand mich in Kyles Armen. Ich schaute zu ihm hoch. Er lächelte und blinzelte mich an. Ich lächelte zurück und kuschelte mich wieder an seine Brust. Wir schauten auf die Weser.

"Komm steh auf", sagte Kyle plötzlich. "Wir holen uns was zu Trinken, sonst verdursten wir noch." Ich kicherte und Kyle zog uns beide hoch. Er schlang sein Arm um meine Taille und führte mich zu einer kleinen Hütte, wo er für uns beide eine Cola bestellte.

Wir setzten uns auf eine Bank und schlürften unsere Cola.

Plötzlich nahm seine Stimme etwas Ernstes an und sagte: "Ich muss demnächst für ein paar Wochen weg."

"Nein, Kyle", hörte ich mich murmeln. "Kyle geh nicht! Ich liebe dich doch!" Meine Stimme wurde lauter, fast schon hysterisch. "Kyle! Kyle, geh nicht!" Ich kreischte hinter einem Jungen her, den ich nicht kannte, aber trotzdem zu lieben schien.

Ich riss meine Augen auf und schaute mich ängstlich um. Ich lag in meinem Bett, in meinem Zimmer. Beruhigt ließ ich mich wieder sinken. Ich erinnerte mich daran, dass Zoey meinte sie würde einkaufen gehen. Dann dachte ich an meinen Traum und mir fiel ein kleines Detail daran auf: Als das blondhaarige Mädchen und der Junge, der anscheinend Kyle hieß, sich Cola kaufen gegangen waren, hatte der Verkäufer Zeitung gelesen und es war der 20.07.2014. Heute war der 20.07.2031.

Ich verstand den Grund für den Traum, aber nicht was es mit mir zutun hatte.

Ich spürte etwas salziges auf meinen Wangen. Es prickelte leicht und ich merkte, dass ich geweint hatte. Ich wischte die Tränen weg und stand langsam auf. Als ich auf die Uhr schaute wurde ich hektisch, denn es war schon 11:30Uhr.

Schnell ging ich in die Dusche und trocknete danach mein glattes, schwarzes Haar. Dann zog ich schnell meine Hotpants und ein weißes kurzes Shirt an.

Ich war schneller fertig als ich gedacht hatte, also schmiss ich mein Laptop an bis Zoey wieder kam. 

Ich googlete das Datum und kam auf eine Website vom Weser Kurier, in der Folgendes zu lesen war:

Bremen. Am 03.08.2014 hat sich ein 16-jähriges Mädchen von der Wilhelm-Kaisen-Brücke gestürzt. Dieses Ereignis geschah circa um 1:00Uhr morgens. Einer der Passanten hatte Geschrei gehört und sich suchend umgeblickt. "Ich sah nur noch einen Schatten und hörte ein Platschen. Dann habe ich nur noch das Rauschen des Wassers gehört", berichtete der 30 Jahre alte Mann. Die Eltern des Mädchens haben sich am nächsten Tag bei der Polizei gemeldet, da sie sie am Morgen nicht in ihrem Bett aufgefunden haben. Diese haben eine Durchsage durch das Radio gemacht, auf die sich der Passant namens Leo Carter sofort gemeldet und ausgesagt hatte. "Wir verstehen nicht wie das passieren konnte. Sie war immer so glücklich und schlau", erzählten ihre Eltern. "Außerdem hatte sie ein Freund. Sie waren so glücklich zusammen!" Der Freund von Melanie Meyer, Kyle Stryder, berichtete, dass er an dem Tag des Unfalls in Griechenland gewesen sei. Der Grund für ihr Selbstmord ist noch unbekannt, es wird aber noch weiter vermittelt.

Unter dem Artikel war ein Bild von einem blondhaarigen Mädchen mit Locken und blauen Augen. Sie lächelt fröhlich in die Kamera. Es war das Mädchen aus meinem Traum. Da war noch ein Bild von Melanies Eltern und von Kyle.

Ich konnte es kaum glauben. Es waren die beiden aus meinen Träumen. Mein Herz klopfte gegen meine Brust und Schweiß trat mir auf meine Stirn.

"Was ist das? Was guckst du da?", unterbrach Zoeys Stimme meine Gedanken.

"Ich ... Ehm ..." Ich musste meine Gedanken und Worte erstmal ordnen. "Das sind die Leute aus meinen Träumen."

Zoey riss die Augen auf und ließ die Einkaufstüten fallen.

 

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