Im Schatten

Ich bin ihre Spielfigur. Sie können mit mir machen was sie wollen, und wenn ich mich nicht an ihre Spielregeln halte, werden sie mich auslöschen. Keiner würde wissen, dass ich mal existierte.

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2. Meine Freunde

Ethan ist mein bester Freund und er weiß alles über mich, ich verheimliche nichts vor ihm. Er weiß auch, dass ich kein echter Mensch bin, doch er nimmt sich mehr Zeit für mich als für seine besten Freunde. Vielleicht ist es auch der Grund dafür, dass ich denke ich sei in ihn verliebt. Er ist so liebevoll und lustig. Seit dem ich ihn kenne, möchte ich keine anderen Freunde haben, denn keiner kann so sein wie er, keiner kann so mit mir lachen, keiner macht mich glücklich außer er. Dennoch habe ich noch zwei andere Freundinnen, die ich aus der Schule kenne. Sie heißen Olivia und Grace. Olivia kann manchmal etwas nerven, ihre Stimme ist viel zu hoch und wenn sie einmal anfängt zu reden kann niemand sie stoppen. Grace kann wundervolle Bilder zeichnen. Manchmal, wenn ich bei ihr zu besuch bin, zeigt sie mir ihre Bilder. Alles sieht so echt aus, dass ich mir manchmal vorstelle, dass ich in diesem Bild lebe, mir fallen dann Geschichten ein. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich diese Geschichten auf. Sonst treffe ich mich in meiner Freizeit jeden Tag mit Ethan. 

 "Was wollen wir heute machen, Flo?", fragt Ethan. Ich führe ihn zu meinem Zimmer.

"Lass uns heute hier bleiben. Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich habe mir für heute nichts überlegt", muss ich gestehen

Ethan lacht. "Das habe ich mir gedacht, das ist typisch für dich, Flo."

 Ich bleibe stehen und schaue ihn beleidigt an. "Das ist typisch für dich, Flo", äffe ich ihn nach. Aber er lacht nur weiter. Das ist klar. Er ist immer fröhlich, er ist mein Gegenteil. Meine Mutter sagt, dass wir uns deshalb so gut verstehen, ich glaube sogar, sie weiß, was ich fühle, als seien wir wirklich verbunden, wie Mutter und Kind. Aber das kann ich mir nicht so gut vorstellen, also rede ich mir immer ein, dass sie weiß was ich fühle, weil sie mich so lange kennt. Ich weiß auch immer, was meine Mutter denkt, denn ihre Gefühle stehen ihr ins Gesicht geschrieben, ich kann ihre Gedanken von ihren Augen ablesen und das ist ein großer Vorteil für mich, denn so weiß ich immer, was sie sich von mir wünscht. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass meine Eltern mich nicht an meine Macher verpetzt haben. Bei Ethan und meinem Vater ist das nicht so leicht, bei ihnen ist es so, als hätten sie eine Maske aufgesetzt, hinter der sie ihre Gefühle verbergen.

 Ich kann nicht anders als mitzulachen. Das musste wohl sehr lustig geklungen haben. 

 "Na gut, dann bleiben wir hier und denken uns was schönes aus", meint er dann grinsend und mir wurde wieder warm ums Herz. Man konnte nicht anders, man musste Ethan einfach lieben. Mit seinen hellbraunen Augen, seinen Braunen Haaren, die immer in alle Richtungen abstehen, und seinem charmantem Lächeln. Er ist ein Traumtyp. Letztes Jahr hatte ich ihn gefragt, ob er mal eine feste Freundin hatte. Und seine Antwort hatte mich nachdenken lassen: Er meinte er hatte eine Freundin, bevor er mich kennenlernte. Ich werde niemals vergessen, wie er mich anschaute, als er mir das erzählte. Ganz anders als sonst, nicht grinsend oder lachend, sondern liebevoll.

 Wir kommen endlich in meinem Zimmer an, oder besser gesagt in meiner Etage. Mir gehört nämlich die ganze dritte Etage. Wir lassen uns auf mein Sofa plumpsen. Ein paar Sekunden lang sagt keiner von uns etwas. Dann bricht Ethan die Stille und fragt: "Was ist eigentlich dein Lieblingstier, Flo?" Ich muss kurz nachdenken, erstens weil ich die Antwort nicht weiß und zweitens, weil er mich so eine Frage noch die gefragt hat. 

 "Hund", meine ich dann schließlich. "Ein Golden Retriever. Und deins?"

 "Ich mag auch Hunde. Besonders Goldies." Seine Mundwinkel zucken. Wieder schweigen wir beide. Diesmal breche ich das Schweigen und frage: "Lass uns ein Spiel spielen. Wir fragen uns Fragen, die wir uns nie gefragt haben, genau solche, wie du gerade. Und man muss die Fragen ehrlich beantworten." Ich kichere, denn das sollte eigentlich ein Scherz sein, aber Ethan meint: "OK, du fängst an."

 Also tue ich so als hätte ich mit der Antwort gerechnet und frage: "Was machst du an den Tagen, an denen wir uns nicht sehen?"

 "An solchen Tagen weiß ich nie, was ich machen soll. Die meiste Zeit denke ich an dich", antwortet er. Ich kichere, und bemerke erst danach, dass er das ernst meint. Dann stellt er die nächste Frage: "Du findest es komisch, dass alle dich wie einen normalen Menschen sehen, richtig?"

 "Ja", gebe ich zu. "Du hast mir etwas mitgebracht, habe ich recht?", frage ich ihn.

 Er antwortet erst spät und ich frage mich, ob ich die Frage nicht hätte stellen sollen. Ethan antwortet mit einer Gegenfrage. "Du empfindest etwas für mich, wahr oder nicht wahr?"

 Erst bin ich geschockt, und dann merke ich auch noch wie ich rot anlaufe. Ich kann es ihm sowieso nicht verheimlichen. Also antworte ich ehrlich. 

"Wahr."

 

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