Im Schatten

Ich bin ihre Spielfigur. Sie können mit mir machen was sie wollen, und wenn ich mich nicht an ihre Spielregeln halte, werden sie mich auslöschen. Keiner würde wissen, dass ich mal existierte.

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3. Die Konsequenzen

Die Konsequenzen bei der Sache mit mir und meiner Aufgabe meine Eltern glücklich zu machen ist diese: Wenn ich mich nicht so verhalte, wie meine Erstatz Eltern es wollen, können sie mich zurück zu meinen Herstellern schicken, und diese können mit mir machen was sie wollen. Sie können mich auslöschen, so dass niemand mehr weiß, dass ich einmal existierte. Außerdem gibt es viele Menschen, die etwas gegen Kreaturen wie mich haben. Kurz gesagt wollen sie uns loswerden, und rufen Arbeiter von meinen Machern, welche uns dann beseitigen müssen. Meine Hersteller waren zwei Personen. So weit Google es mir verraten hat, heißen sie Theodore Harris und Robert Johnson. Sie sind stark gebaut und angsteinflößend. Mit ihren bernsteinfarbenen Augen sehen sie aus wie die Anführer eines Werwolfrudels. Ich habe die beiden mal im Fernsehen gesehen, wie sie in den Nachrichten darüber erzählten, dass unsere Gefühle nur Einbildung sind, aber wir dadurch keine Gefahr für Menschen sind. Und genau in dem Moment, als ich Ethan mein Geständnis abliefere, fällt mir dieser Bericht wieder ein.

 Ethan starrt mich jetzt schon seit gefühlt 10 Minuten so an. Ich will gerade etwas sagen, also öffnete ich mein Mund, doch dann überlege ich es mir anders und schließe ihn wieder. Nach dieser Bewegung erwacht Ethan wieder aus seiner Erstarrung und sagt dann: "Ich hole dann mal dein Geschenk." Dann verschwindet er in der Tür.

 Wenigstens habe ich jetzt Zeit, um zum Spiegel zu gehen, um mein Gesicht zu kühlen und mein Herzschlag zu verlangsamen. Ich betrachte mein Spiegelbild. Meine hellbraunen Locken liegen lässig auf meinen Schultern, und meine grünen Augen blinzeln mich fröhlich an. Dann schaue ich an mir runter. Ich habe eine etwas lockerere helle Jeans an und darüber ein dunkelblaues enges T-Shirt. Obwohl ich weiß, dass Ethan nicht viel Wert auf Aussehen, sondern auf Charakter legt, wuschel ich noch einmal durch meine Haare.

 Ethan und ich kennen uns eigentlich schon immer. Wir sind zusammen groß geworden. Plötzlich überlege ich, ob ich ihm vielleicht auch ein Geschenk hätte kaufen sollen, obwohl es jetzt sowieso zu spät ist. 

 Ich höre die Schritte auf der Treppe und eile dann schnell zum türkisen Sofa zurück. Im nächsten Moment kommt auch schon Ethan wieder, anscheinend musste er sich auch wieder zusammenreißen, denn er sah eben total geschockt aus. Prüfend mustere ich sein Gesicht, doch er hat wieder seine Maske aufgesetzt, und ich konnte nicht sehen was er denkt. Aber er lächelt, das ist ein gutes Zeichen. Jetzt erst öffnet Ethan die Tür ganz und ich sehe, dass er nicht alleine gekommen ist. Nicht nur er lächelt. Neben ihm sitzt ein kleiner Golden Retriever Welpe, der auch aussieht als würde er lächeln. 

 "Ist das dein Ernst?", frage ich ihn lachend.

 "Ja", antwortet er. "Das ist Mr Jimson." Dann nimmt er dem Hund die Leine ab, so dass er bellend auf mich zulaufen kann. Das ist wirklich das Beste was er mir hätte schenken können. 

 Nachdem wir ordentlich mit dem Welpen gekuschelt haben, läuft er durch die Tür nach unten und Ethan schließt die Tür hinter Jimson.

 Er bleibt kurz an der Tür stehen und mustert mich. Dann kommt er wieder zu mir auf mein Sofa. 

 "Du weißt, dass du nicht so bist, wie die anderen, die sie hergestellt haben. Du bist wie ein echter Mensch. Und wenn du jemals etwas schlimmes machen solltest, und deine Eltern dich zurückschicken wollen", er stoppte kurz. Vielleicht weil er mein verwirrtes Gesicht sieht. "Ich würde das niemals zulassen", vollendet er dann sein Satz. 

 Mein Herz klopfter wie verrückt. Ethan kommt näher und seine Lippen berühren ganz sanft meine. Ich schließe meine Augen. Ethan streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht und führt sie hinter mein Ohr. Dann rückt er ein kleines Stück von mir ab und flüstert: "Ich liebe dich, Florence Harper." Er kommt noch einmal näher und küsst mich, nur um mir dann zu sagen, dass er gehen muss. Er hält noch mein Gesicht in seinen Händen und schaut mich eine Weile an. Dann steht er auf und geht, ohne noch etwas zu sagen. 

 Ich bin immer noch sprachlos, und doch war ich enttäuscht, darüber, dass er schon gehen muss.

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