Im Schatten

Ich bin ihre Spielfigur. Sie können mit mir machen was sie wollen, und wenn ich mich nicht an ihre Spielregeln halte, werden sie mich auslöschen. Keiner würde wissen, dass ich mal existierte.

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7. Der Nachbar

Ethan bringt mich noch nach Hause. Ich schließe die Tür auf und wir treten ein. Meine Mutter kommt uns entgegen, jede Farbe ist ihr aus dem Gesicht gewichen. 

"Kommt rein, wir haben Besuch", stottert sie. 

Irritiert gehe ich ins Wohnzimmer. An unserem Esstisch sitzen zwei Männer in schwarzen Anzügen und unser geheimnisvoller Nachbar, der mich nie mochte, aber immer sehr herzlich zu meiner Mutter ist. Die zwei Männer in den Anzügen trugen Sonnenbrillen und der Nach bar schaute mich böse an. Alle Blicke waren auf mich gerichtet. Beschämt trete ich einen Schritt zurück. Ethan kommt rein und fasst mich auf die Schultern.

Ich kann ahnen was hier vor sich geht. Ich öffne meinen Mund um etwas zu sagen, aber heraus kommt nur ein eigenartiger Laut.

"Meine Damen und Herren", sagt unser muffiger Nachbar. "Ich habe herausgefunden, dass die "Tochter" meiner Nachbarn ein Monster ist. Und als ich diese beiden Turteltäubchen heute am Strand sah, wie sie sich küssten, ging es zu weit. Ich halte das nicht mehr aus!"

Ich spüre wie meine Augen sich mit Tränen füllen. Ich schluchze. Ich wusste, dass es nicht gut war, dass man es gegen uns verwenden würde, dass ich mich nicht in Ethan hätte verlieben sollen.

"Was wollen sie damit sagen?", fragt Ethan kühl.

Der Nachbar stockt kurz. Dann wendet er sich an die Männer in den schwarzen Anzügen. "Ich bitte sie, suchen sie in ihren unterlagen nach einer Florence Harper, doch sie werden sie nicht finden. Ich bin seid der Highschool in ihre Mutter verliebt, doch sie hat sich nie für mich interessiert. Dann hat sie Richard kennengelernt ihren Mann. Als ich das erfuhr, habe ich akzeptiert, dass es kein Platz mehr für mich in ihrem Leben geben wird. Ich habe sie Jahre lang nicht gesehen, und dann sind sie hier eingezogen." Unser Nachbar legt eine Wirkungsvolle Pause ein.

Ich schaue zu meiner Mutter, wie sie wohl auf diese Rede reagiert, doch sie starrt den Nachbarn nur mit großen Augen an. Währenddessen hat einer der Männer in den schwarzen Anzügen ein Tablet aus seiner Tasche gekramt. Wahrscheinlich sucht er, ob es mich in der Liste der Monster wirklich nicht gibt.

Dann führt er fort. "Ich habe dann die traurige Nachricht bekommen, dass die beiden keine Kinder bekommen können. Ich wollte ihnen etwas gutes tuen. Also adoptierte ich ein Kind auf ihren Namen als ich hörte, dass sie eines ihrer hergestellten Kreaturen kaufen wollten."

Mir laufen tränen über die Wangen, denn jetzt ergab alles einen Sinn.

"Ich habe dem Boten Geld angeheuert", erzählt unser Nachbar weiter. "Und ich habe die Kinder vertauscht. Mein Kind, Jordon Rush, ist die Kreatur, nicht Florence. Florence ist ein Mensch."

Ich breche zusammen, klappe einfach in mich zusammen und lande vor Ethans Füßen.

"Jetzt fragt ihr euch bestimmt, wieso ich das erzähle. Ich habe es nicht mehr ertragen, dass Florence denkt sie sei ein Monster, dass die Fabrik das auch denkt, dass ihre Eltern das denken. Florence´echte Eltern sind vor zwei Jahren bei einem Autounfall gestorben. Jordon weiß von nichts, also bitte sagt ihm auch nicht, dass er kein echter Mensch ist. Ich habe durch den Tausch verhindert, dass er die Aufgaben, die er zu erfüllen hat geschickt bekommt. Florence hat sie bekommen. Und jetzt musste ich schlaflose Nächte verbringen. Und es tut mir so leid, dass Florence eine Lüge leben musste."

Bei den letzten Worten ist es endgültig vorbei. Alles geht so schnell. Meine Mutter erwacht aus ihrer Erstarrung, ich schluchze in Ethans T-Shirt, die Männer in den Anzügen führen Mr Rush zu deren Quatier, um seine Erinnerungen zu löschen. 

Und mir wurde eins klar: Mein Leben war eine Lüge, und jetzt würde mein richtiges Leben erst beginnen.

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