Escape

Ich habe diese Geschichte angefangen und weis noch nicht wohin sie führen wird. sorry :)

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1. Waldkind

Es war mehr eine Flucht als ein geplanter Ausflug in den Wald gewesen. Den hastig gepackten Rucksack mit ihrem IPod, einem Buch, Kopfhörern und natürlich ihrem Messer im Fahrradkorb, raste sie durch die Bäume, durch den Duft von blühendem  Holunder, Erde, Laub und Moos.

 

Der Schweiß rann ihr den Rücken hinunter, endlich war es Sommer geworden. 35 Grad im Schatten, eine drückende Hitze, und doch fühlte sie sich befreit.

 

Ihrer Mutter hatte sie erzählt, sie würde ins Schwimmbad fahren. Sie hatte sie gezwungen aus dem Haus zu gehen, Freunde zu treffen die sie nicht wirklich hatte. Da war ihr die Idee gekommen in den Wald zu fahren. Als Kind hatte sie ihre meiste Zeit hier im Wald verbracht, fast immer mit einem anderen Kind zum Spielen.

 

Doch mit der Zeit hatte sie sich verändert. War zum Außenseiter geworden, hatte Freunde verloren und nur wenig neue gefunden. Auch in den Wald kam sie nur noch selten, obwohl sie dieses Gefühl der Freiheit, den Geruch der Bäume, und das Spiel des Lichtes zwischen den Blättern sehr vermisst hatte. Sie vermisste den Wald. Ihren Wald.

 

Sie nahm die Abzweigung nach links, den kleinen versteckten Pfad der als Abkürzung diente. Er war fast zugewachsen, doch das störte sie nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Sie liebte diesen Anblick: Der ockerfarbene Lehm der eine schmale spur inmitten von Laub, Moos und Wurzeln bildete, der tunnelartig von Bäumen und Unterholz umwachsene Pfad und der Geruch. Die warme, nach Wald und Blumen, Erde und Stein riechende Luft. Alles um sie herum war grün, nur durchzogen vom Braun der Baumstämme und Wurzeln.

 

Plötzlich sah sie eine Abzweigung die sie nicht kannte. Es war ein ungewöhnlich breiter Weg, man konnte deutlich erkennen dass hier ein Auto gefahren war. Ein Weg zu einem der vielen Jägerstände? Oder zu einem der breiten Rentnerautobahnen die durch diesen Teil des Waldes führten?

 

Sie sah sich um. Niemand in der Nähe. Sie wusste genau dass es riskant war jetzt, um fast sechs Uhr abends, neue Wege zu erkunden, mit dem Risiko sich zu verirren. Sie hatte kein Handy dabei, niemand wusste wo sie war. Hin und her gerissen sah sie sich den Weg genauer an. Er führte links von ihr in die Bäume, einige dutzend Meter weiter links lag ein trockenes, ungefähr zehn Meter tiefes Bachbett, fast schon eine kleine Schlucht. Ein hellbrauner Riss inmitten des grünen Meeres das der Wald darstellte.

 

Schließlich siegte ihre Neugierde. Sie trat in die Pedale und fuhr in einem beachtlichen Tempo die Spur entlang, immer darauf bedacht, sich den Weg zu merken um im Notfall zurückzufinden.

 

„Notfall“. Was sollte den schon passieren? Ein sich im Wald herumtreibender Psychopath der es auf 14-jährige Mädchen abgesehen hatte? Jetzt wurde sie schon paranoid. Trotzdem nahm sie ihr Messer fast überall mit hin, schlief sogar mit einem ihrer Messer in der Hand. 12,5cm blanker Stahl, an einem schönen, nussbraunen Holzgriff. Feststehende, stabile Klinge. Ihr Messer gab ihr Sicherheit.

 

Außerdem, in dem Tempo in dem sie unterwegs war konnte sie niemand vom Fahrrad holen.

Trotzdem unterschätzte sie den Wald und seine Gefahren nicht. Alles hat zwei Seiten. Fasziniert von mehreren, ungefähr einen Meter hohen, orchideenartigen Gewächsen hielt sie einen Moment an. Das vollkommene Lila der Blüten passte perfekt in die Umgebung, sie hatte eine kleine, sonnenbeschienene Lichtung gefunden. Das war auf jeden Fall die schöne Seite. Das Mädchen musste lächeln. Es hatte sich definitiv gelohnt ihre Mutter anzulügen.

 

Als sie einige hundert Meter weiter gefahren war bemerkte sie dass sie nicht mehr genau wusste wo sie sich eigentlich befand. Sie beschloss, für einen Tag genug neues Gelände erschlossen zu haben, und wendete ihr Fahrrad. Die Spur war nur noch schwer zu erkennen, trotzdem fand sie mühelos den Rückweg zu dem Ort, an dem der kleine Pfad auf dem sie gekommen war, eine der Rentnerautobahnen kreuzte.

 

Sie spürte, wie der Ärger, die Anspannung und der Hass auf ihre kontrollwütige Mutter verflogen. Der Wald tat ihr gut.

Da hörte sie es. Ein Automotor, inmitten der rauschenden Blätter, dem Vogelgezwitscher und den Tiergeräuschen. Sie drückte sich in eine Nische, dem Eingang zu einem anderen versteckten und vergessenen Wanderweg. Sie wollte niemanden treffen, nicht gestört werden hier in ihrem Paradies, wo sie frei und sie selbst sein konnte. Der Wagen, ein weißer Transporter ( was zum Hades macht der hier im Wald?), fuhr vorbei, und sie beruhigte sich. Das war ihr Wald. Niemand sollte sie stören. Beinahe lautlos wie immer begann sie, dem kleinen, von Wurzeln durchzogenen Wanderweg zu folgen.

Dieses Mädchen bin ich. Und ich bin anders.

 

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