Escape

Ich habe diese Geschichte angefangen und weis noch nicht wohin sie führen wird. sorry :)

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5. Erfolg und Scheitern

Das Schaben des Zieheisens auf dem Bogenholz geht in der Musik unter, die ich im Werkstattkeller laufen lasse. "Hold me like you held on to life...." kommt es aus meinem Handylautsprecher. Der Langbogen für meinen kleinen Bruder ist fast fertig, und das muss er auch sein, denn wenn in zwei Stunden meine Großeltern kommen werde ich ihn ihm zu Weihnachten schenken.

Ich spanne probeweise den Bogen und bin schon zufrieden, als er plötzlich bricht. Eine Unregelmäßigkeit im Holz, von außen nicht zu sehen, ist schon genug um einen Bogen brechen zu lassen. Das weis ich, und desshalb versuche ich, nicht allzu enttäuscht zu sein. Das junge Holz riecht immernoch nach Wald und Moos, es liegt glatt und kühl in der Hand.

Was für eine Verschwendung, denke ich. Seit ich vor einigen Monaten Ithildim gebaut habe ist mir kein einziger Bogen mehr gelungen. Ich habe meinen Bogen nach dem Mondlicht benannt, das mich jede Nacht aufs Neue fasziniert. Auserdem klingt Ithildim einfach schön, naürlich, es ist ja auch Sindarin, die Sprache der Waldelben aus Der Herr der Ringe.

Dann bekommt mein Bruder eben doch nur Schokolade, denke ich mir, und bin trotz allem enttäuscht. Seufzend beginne ich, den Keller zu kehren.

 

 

 

Der Regen prasselt so laut auf meine Tarnjacke dass ich meine eigenen Schritte kaum höre, als ich zielstrebig unseren Garten durchquere und in den schüzenden Schatten der hohen Bäume eintauche. Ich vergewissere mich noch einmal dass mir niemand zusieht, dann springe ich über den Zaun in den Wald. Sofort muss ich mich an einer der Eschen abstützen um nicht im zentimeter tiefen Schlamm auszurutschen. Ich gehe bei diesem Wetter gerne in den Wald, weil ich dann die Garantie habe niemanden außer den Tieren anzutreffen. Es riecht nach Pilzen und Schlamm.

Dieser Regen hat nur zwei Nachteile, denke ich als ich Schritt für Schritt den ansteigenden Weg hinauftaste. Einmal ist alles aufgeweicht, was dazu führt dass es unvermeidbar ist Spuren zu hinterlassen und die Gefahr auszurutschen erhöht, und außerdem bin ich praktisch taub, da der rauschende Regen alles übertönt. Das stört mich am meisten, den auf einen meiner Sinne zu verzichten macht mich nervös.

Ohne mein Gehör kann sich jeder noch so ungeschickte und ungeübte an mich ranschleichen. Desshalb sehe ich mich öfter um als sonst, während ich am Wegrand nach geeigneten Ersatz für den zerbrochenen Bogenrohling suche. Die Kapze schränkt mein Sichtfeld ein, aber durch diesen Regen kann ich onehin nur einige Meter weit sehen. Schließlich entdecke ich auf einer kleinen Lichtung den Stamm einer jungen Eiche und einen etwas dünneren Birkenast. Ich nehme beide in die Hand, dass sie voller Schlamm und Pilzen sind stört mich nicht.

So schnell es auf diesem Untergrund geht, mache ich mich auf den Heimweg. Der Schlamm macht mich langsam und unbeweglich, was mich dazu zwingt, Hindernisse über die ich sonst gesprungen oder geklettert wäre, umständlich zu umrunden. Endlich am Zaun angekommen werfe ich das Holz auf die andere Seite und springe selbst hinterher. Gerade rechtzeitig, denn es ist dunkel geworden.

Meine Eltern haben wahrscheinlich nichteinmal bemerkt dass ich weg war, desshalb schließe ich leise die Hintertür auf und bringe meine Beute direkt in die Werkstatt.  Morgen werde ich genauer untersuchen, was ich aus dem Holz machen kann.

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