Meine Erfahrung mit meinem Korsett(Skoliose)

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  • Veröffentlicht: 7 Sep 2013
  • Aktualisiert: 7 Sep 2013
  • Status: Fertig
Ich heiße Nadja und bin 15 Jahre alt.
Ich habe Skoliose und trage seit 7 Monaten ein Korsett und hier schreibe ich über meine Gefühle und Erfahrungen der ersten Wochen

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1. Erste Eindrücke

Meine ersten Gedanken, als ich erfuhr das ich ein Korett bekommen sollte, waren alle negativ. Ich fragte mich was aus meinem Sport(Cheerleading) werden soll, wie es sich anfühlen wird und allgemein wie ich damit umgehen werde.
Nachdem ich den Gibsabdruck hinter mich gelassen hatte und zwei Wochen warten musste bis ich mein Korsett bekam, genoss ich die Zeit, das letzte mal noch figur betonte Tops tragen zu können und beweglich zu sein, doch andererseits, war ich wirklich neugierig und freute mich auf das Korsett. Ich sah es als eine neue Erfahrung und wollte wissen wie es sich anfühlt, wie es sich ,,Damit Leben ließe", außerdem beschloss ich meinem Korsett den Namen ,,Frank" zu geben, ein komischer Name für ein Korsett, ich weiß, aber ich finde er passte nunmal.
Nach zwei Wochen ging ich dann zu meinem Korsettbauer und er gab mir mein Korsett Frank. Ich sollte es sofort anziehen und da merkte ich schon wie eng es ist. Mit der Atmung musste ich mich erst daran gewöhnen. Als mir mein Korsettbauer mir sagte, ich werde das Korsett in den ersten Wochen nicht lange tragen werden. Was er damit meinte Verstand ich nicht so ganz, aber merkte es sehr schnell.
Bereits auf der zwanzig-minütigen Rückfahrt, spürte ich den Schmerz.
Meine Skoliose ist zum Glück noch nicht so stark, da sie früh genug von meiner Sportlehrerin enddeckt wurde. Ich habe Oben an meiner Halswirbelsäule ,,nur" eine Gradzahl von 17°, die somit nicht durch das Korsett korrigiert werden muss. Jedoch unten an der Lendenwirbelsäule, habe ich 25° und dort an meiner Rechten Seite drückt das Korsett meine Wirbelsäule.

Die ersten Wochen habe ich Mein Korsett gehasst.
Jedesmal wenn meine Mutter sagte, ich solle mein Korsett anziehen, hätte ich losweinen können, weil es solche Schmerzen waren. Außerdem war es Eng, man ist Steif und fühlt sich wie ein Schrank, man kann nur gerade laufen und die Tatsache das ich das Korestt jeden Tag und jede Nacht tragen solle, schien mir zu diesem Zeitpunkt noch nahezu unmöglich!

Das schlimme an diesen Schmerzen war, dass sie nicht äußerlich,  sondern innerlich sind, Tabletten halfen dagegen nicht, also hieß es ,,Augen zu und durch".

Den ersten Tag habe ich es dreißig Minuten getragen, da war es noch aushaltbar, jedoch die nächsten Tage waren die Hölle für mich:
Ich steigerte mich von Tag zu Tag auf immer dreißig Minuten länger pro Tag. Zu der Zeit war ich einwenig hilflos, ich wusste nicht wie ich die Zeit durchschlagen sollte, alle fünf Minuten schaute ich auf die Uhr, in der Hoffnung, dass die Zeit in der ich das Korsett tragen sollte, endich ein Ende hatte und ich ausziehen konnte.
Meine Mutter half mir wirklich sehr dabei, mit Tipps, wie ich die Tragezeit überbrücken konnte.
Zum Beispiel strich ich mein Zimmer, hörte dabei Musik und ehe man sichs versah, war die Zeit auch schon vorbei. 
Oder auch sagte sie mir, ich solle ausprobieren in welcher Position ich am besten klar komme und die Schmerzen nicht so schlimm sind. Das tat ich dann auch:

Zuerst versuchte ich es mit Sitzen, dies jedoch war totaler Reinfall. Mit dem Sitzen habe ich heute noch ab und zu ein paar Probleme. Also versuchte ich es, wie es ich wenn ich mich hinlegte und ein Bus las.
Das klappte erstaunlich gut und ich hätte nicht gedacht das es sich mit einem Korsett so gut liegen lässt, das aufstehen viel mir schwer, denn dazu brauchte ich Hilfe.

Trotzallem ich mit dem Liegen sehr gut klar kam, konnte ich mir unter keinsten Umständen vorstellen, mit dem Korsett schlafen zu können.

Von Tag zu Tag lernte ich besser mit dem Korsett klar zu kommen, ich wurde beweglicher und auch die Schmerzen ließen nach.

Nun kann ich mit Ehrfahrung sagen, dass ,,Das Tragen eines Korsetts" eine Gewöhnungssache ist und auch wenn man es sich am Anfang nicht Vorstellen kann, man lernt gut damit klar zu kommen und damit zu Leben.
Ich trage das Korsett jetzt seit ca. 7 Monaten jeden Tag und jede Nacht und habe wirklich gar keine Probleme mehr mit meinem Korsett ,,Frank". Ich trage es so oft wie ich kann und ziehe es nur zur Hygiene und zum Sport aus, denn ich möchte später, wenn ich ausgewachsen bin, eine gerade Wirbelsäule und keine Rückenbeschwerden haben.
Auch mit meinen Anziehsachen schrenke ich mich nicht mehr ein, ich trage auch enge Tops wo man vorne an meinem Bauch die Schnallen meines Korsetts oder unger meiner rechten Achsel sieht man es auch wenn ich Tops trage, aber das ist mir egal geworden.
Mittlerweile gibt es nur noch wenige Negative Punkte die ich über das Korsett sagen kann, wie zum Beispiel das man unter dem Korsett ein ,,Korsetthemdchen" tragen muss. Dieses Hemdchen ist ein Nahtloses, dünnes Top welches vermeiden soll das das Korsett auf der Haut klebt, oder reibt.
Im Sommer ist das ziemlich nervig weil es selbstverständlich ziemlich warm darunter ist wenn es draußen 30°C ist.
Ein anderer Punkt ist das Sitzen.
Nach einiger Zeit tut mir das Sitzen weh, das ist im Unterricht ziemlich unvorteilhaft, jedoch wissen meine Lehrer  beschied, es ist also kein Problem wenn ich kurz nach draußen gehe um mich einbisschen zu bewegen.

Wie man sieht gibt es nicht viel was ich sagen könnte um jemanden davon zu überzeugen das Korsett nicht zu tragen. Wichtig ist:

Man tut das alles für niemand anderen außer für sich selbst, auch wenn es heißt, dass man die Zähne zusammenbeißen muss, es wird sich Lohnen!

Nach 4 Monaten hatte ich eine Verbessung von 32° auf 17° und das war eine große Motivation das Korsett die nächsten 2 Jahre konsequent weiter zu tragen!


Nadja Schwarz, 15

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