Schmuggeljunge

Als der 13 Jährige James erfährt, dass sein Vater ein Schmuggler ist, und er selbst eines Tages diesen Job übernehmen muss kriegt er Angst. Gibt es keinen Ausweg?

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1. Schmuggeljunge

 

SMUGGELJUNGE

 

 

Alles sieht so anders aus wenn man Angst hat. Das hatte ich einmal in einem Roman gelesen, und es stimmte wirklich. Das Boot, in das ich gerade einsteigen sollte, war mir immer so groß und einladend vorgekommen, und ich liebte es, zu segeln. Aber jetzt, wo ich wusste, wozu das Boot diente, jetzt, da ich wusste, das mein Vater nicht einfach Fischer war, kam mir unser Boot so klein und fremd vor.

Mein Vater war Drogenhändler, er schmuggelte Drogen von Bornholm nach Deutschland und verkaufte sie im ganzen Land. Meine Mutter hatte er dabei kennengelernt. Sie hatte immer für den Verkauf der Waren gesorgt und war auch selbst abhängig gewesen. Das war die Wahrheit, warum sie so jung gestorben war, denn sie war damals erst 26. Uns hatte mein Vater immer gesagt, sie wäre in einem Autounfall ums Leben gekommen. „Uns“ waren meine kleine Schwester Elvira, meine große Schwester Lisa und ich, James.

 

Ich hatte all dies erst gestern erfahren. Gestern war mein 13. Geburtstag gewesen, und der schlimmste den ich je hatte. Meine Eltern hatten vereinbart uns allen dreien, also Elvira, Lisa und mir, es erst zu erzählen, wenn wir 13 waren. Lisa wusste es und war sehr stolz darauf, denn die Polizei hatte meinen Vater Elvis und seine Bande nie erwischt.

Ich aber finde es nicht toll, einen Schmuggler und Drogenhändler als Vater zu haben, im Gegenteil. Aber ich bin es, der seinen Job übernehmen soll, wenn ich erwachsen bin. Auch schon mein Großvater und Urgroßvater waren Schmuggler und ausgerechnet ich sollte diese Tradition weiterführen.

 

„Komm endlich an Bord, James! Wir wollen los!“, riss mein Vater mich aus meinen Gedanken. Ich ging zögernd an Bord. Dort stellte mir mein Vater Anton vor, seinen Gehilfen, einen großen muskulöser Mann mit Vollbart. Wir sollten nach Bornholm segeln, um dort 10 kg Kokain entgegen zu nehmen. Mein Vater wollte mich jetzt oft mitnehmen und mich sozusagen ausbilden.

 

„Hol den Anker ein“, rief mein Vater Anton zu, der an der Reling lehnte und rauchte. Also schmiss Anton seine Zigarette ins Meer und holte den Anker ein. Sehr zu beeilen schien er sich nicht.

„Mach endlich, du Trottel“, rief mein Vater. Zu mir gewandt meinte er: „Er ist wirklich sehr kräftig und mir eine gute Hilfe, aber ich finde, er könnte sich mal ein bisschen beeilen. Ich nickte nur.

Ich kapierte es immer noch nicht ganz; ich befand mich gerade auf einem Schmugglerschiff, zusammen mit meinen Vater, der Drogenhändler war. Er sollte mich ausbilden als Schmuggler, und ich sollte dann seinen Job übernehmen. Vorgestern war ich noch ein ganz normaler Junge in der 7. Klasse gewesen, und nun war ich der Sohn eines Verbrechers?!

Ich hatte Angst, meinem Vater zu sagen, dass ich das gar nicht wollte, er würde mich verprügeln oder schlimmeres. Ich hatte andererseits auch Angst, dass mein Vater geschnappt wurde und ins Gefängnis musste, würde ich und meine Schwestern ins Kinderheim müssen, und das war wirklich das letzte, worauf ich Lust hatte. Meinen Vater konnte ich also nicht verraten, und ihm sagen, dass ich kein Drogenhändler wie er werden wollte, konnte ich auch nicht. Es sah für mich so aus als ob ich wirklich Schmuggler werden musste. Ich wusste keinen Ausweg.

Es war stockdunkel, als wir los segelten. Kein Wunder, um ein Uhr nachts. Elvira und Lisa lagen jetzt sicher in ihren warmen Betten und schliefen. Wie gerne hätte ich mit einer von ihnen getauscht! Apropos Elvira, wer passte eigentlich auf sie auf, während wir weg waren? Ich fragte meinen Vater. „Ach, ich hab Lara und Otto gefragt“, sagte er. Lara und Otto waren unsere Nachbarn. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich mit dir zu einer Kur in Schweden fahre“, er lachte kurz, „das haben die mir auch wirklich abgenommen. Lisa schläft bei Freundinnen.“ Ich lachte ein bisschen mit, obwohl mir eigentlich nicht nach lachen zumute war.

 

„James! Aufwachen! Wir sind da!“, rief mein Vater. Ich musste wohl eingeschlafen sein. Unser Boot lag vertäut am Steg in einem großen Hafen. Sind wir wirklich schon in Bornholm?, dachte ich. „Ja was dachtest du denn, in Australien vielleicht?“, entgegnete mein Vater. Uups... Ich hatte wohl laut gedacht. „Heute Nacht holen wir die Ware“, sagte mein Vater leise zu mir, „Tags ist es zu gefährlich.“ Ich nickte. „Hier hast du 10 Euro“, meinte mein Vater und drückte mir einen 10 Euro Schein in die Hand, „kauf dir was schönes aber sei bei Sonnenuntergang wieder hier.“ Kaum hatte er ausgesprochen war ich auch schon in der verschwunden. Ich schlenderte durch die Fußgängerzone. Plötzlich blieb ich stehen. Träumte ich oder war ich wach? Ich kniff mich in den Arm. Autsch! Ich träumte also nicht. Da vorne stand wirklich eine Kaugummi Maschine! Ich kaufte mir schnell für mein ganzes Geld Kaugummi, und zwar nicht zu knapp. Zuhause durfte ich nie Kaugummi kriegen, ich musste also aufpassen, dass mein Vater mich nicht entdeckte. Später bummelte ich noch am Strand entlang, und dann ging auch schon die Sonne unter und ich musste mich beeilen um noch rechtzeitig beim Boot zu sein.

Anton und mein Vater warteten schon auf mich. „Na was hast du dir gekauft?“, fragte mein Vater und als er bemerkte, dass ich kaute fragte er misstrauisch: „Doch nicht etwa Kaugummi?“ Mist, schnell schluckte ich mein Kaugummi runter. Igitt! „Nein ich hab mir eine Pizza gekauft“, log ich. Zum Glück schien mein Vater mir zu glauben und fragte nicht länger nach.

Es wurde schnell dunkel, und in der Dämmerung machten wir uns auf dem Weg. Wohin wusste ich nicht, mein Vater wollte es mir nicht verraten. Wir gingen ein Stückchen am Strand entlang und bogen dann in einen kleinen Sandweg ein. Als wir um eine Kurve bogen sah ich vorne ein Licht. Das Licht kam von einem kleinen Schuppen. Da sollen wir sicher hin, dachte ich und ich hatte recht. Als wir am Schuppen ankamen klopfte mein Vater an die Tür. Dreimal lang und zweimal kurz. Das war wohl ein Zeichen, denn die Tür wurde geöffnet. Wir traten ein. Drinnen stand ein alter Mann. Er musste wirklich sehr alt sein, denn sein ganzes Gesicht war voller Runzeln. „Hallo Holger“, sagte mein Vater zu dem Mann, „wo ist denn das Zeug?“ „Erst die Kohle“, erwiderte der alte Holger, denn er war schon nicht auf den Kopf gefallen. Sein Blick fiel auf mich. „Wen hast du denn da mitgebracht, Elvis alter Junge?“, fragte er. „Das ist mein Sohn James, er ist heute das erste mal mit“, antwortete mein Vater. „Na, dann Willkommen unter den Schmugglern“, rief Holger so laut, dass ich schon Angst hatte, die Polizei würde gleich anrücken. „Pssst! Nicht so laut“, wisperte mein Vater, „hier hast du die Kröten.“ Er holte ein paar Geldbündel aus seinem Rucksack. Holger zählte alles sorgfältig nach. „Stimmt“, sagte er nach einer Weile. Er ging in eine Ecke der Hütte und holte die Drogen hervor. Ich hatte noch nie vorher Kokain gesehen. Mein Vater probierte ein bisschen. „Mmh, ja das ist gutes Kokain“, sagte er, „danke Holger“, zu uns gewandt meinte er, „kommt wir gehen.“

Wir gingen den verlassenen Weg zurück. Das Meer war ganz dunkel, fast ein bisschen unheimlich. Am Boot angekommen, sagte mein Vater: „Wir segeln sofort los. Wenn die Polizei uns erwischt sind wir geliefert.“ Anton holte den Anker ein und machte das Schiff startklar, mein Vater versteckte die Drogen und ich musste auf dem Steg stehen und wache halten. Ich mochte das alles gar nicht, doch was sollte ich tun?

Plötzlich kam mir ein Gedanke. Aber was wenn mein Vater mich erwischte. Ich würde eine gute Ausrede brauchen. Also gut. Das war meine einzige Chance. Ich schaute mich schnell um. Sowohl Anton als auch mein Vater waren beschäftigt. Ich holte einmal tief Luft und rannte los. So schnell war ich noch nie gerannt. Meine Schule klackerten auf dem Steg, Mist, daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. Aber jetzt war alles egal, ich musste einfach schnell hier weg. Hoffentlich waren Anton und mein Vater beschäftigt genug, sodass sie mich nicht hörten. Ich rannte immer weiter und bald hatte ich das Land erreicht. Aber ich hatte nicht viel Zeit um erleichtert zu sein, denn plötzlich hörte ich Schritte hinter mir...

Es war mein Vater. „Was machst du hier“, knurrte er, ja er knurrte richtig, „hatte ich dir nicht gesagt du solltest auf dem Steg Wache halten. Er trat einen Schritt auf mich zu. Jetzt brauchte ich dringend eine gute Ausrede. „Äh... Ich dachte ich hätte ein Polizeiauto gesehen und wollte schnell nach gucken.“ „Und warum hast du mir nichts gesagt?“, mein Vater gab nicht locker. „Ich … ich war mir nicht ganz sicher und deswegen bin ich nach gucken gegangen.“ Mein Vater brummelte etwas unverständliches, aber ich hatte keine Chance mehr, von unserem Boot zu flüchten.

Wieder segelten wir fast die ganze Nacht. Als die Sonne langsam aufging, passierte etwas, dass mein ganzes Leben verändern sollte. Ich hörte plötzlich eine Stimme hinter uns. Ich drehte mich um. „Bitte halten sie an! Hier spricht die Polizei! Bitte halten sie an!“ Die Stimme kam von einem Polizisten der in ein Megafon sprach. Er stand in einem Polizeiboot.

Zum Glück hatte mein Vater das Boot gesehen und gab jetzt voll Gas. Er wollte die Polizisten abhängen. In der Ferne sah ich schon den vertrauten Hafen von Peenemünde, wir waren also fast da. Aber wenn wir anlegen würden, hätte die Polizei uns sofort.

Das hatte mein Vater zum Glück auch gesehen und steuerte scharf nach rechts. Klug, denn das Polizeiboot fuhr noch ein Stück geradeaus. Jetzt hatten wir einen Vorsprung. Die Frage war nur, wo wir hin sollten. Irgendwann würden wir kein Treibstoff mehr haben. Das war alles nur Frage der Zeit.

 

„Wir haben sie abgehängt“, rief Anton triumphierend. Es stimmte, von dem Polizeiboot war nichts mehr zu sehen. Wir hatten es tatsächlich geschafft! Aber wo waren wir? Ich fragte Anton. „Wir sind in der nähe von Sassnitz“, antwortete er, „wir legen im Sassnitzer Hafen an, und machen, dass wir wegkommen. Mit dem Boot ist das zu gefährlich, nun, da die Polizei uns auf der Spur ist.“ Ich wusste nicht wo Sassnitz war, aber das war mir eigentlich auch egal. Ich wollte so schnell wie möglich nach hause.

Bald sah ich den Hafen. Weil es Sonntag war, waren nur wenige Schiffe unterwegs, ein paar vereinzelte Fischkutter und Ausflugsboote. „Da ein Felsen!“, rief Anton plötzlich. Auch ich sah in jetzt, ein dunkler Fleck unter der Wasseroberfläche. Mein Vater versuchte zu wenden, aber es war zu spät.

Es gab ein unschönes Geräusch, als unser kleines Boot am Felsen zerquetscht wurde. Ich guckte vorsichtig über die Reling und sah, dass unser Boot ein riesiges Loch hatte. Durch das Loch strömte Wasser in das Boot, immer mehr. Langsam spürte ich auch wie wir sanken, immer schneller. „Hilfe!“, schrie ich verzweifelt. Jetzt schwappte die erste Welle über Bord, und ich bekam nasse Füße. Immer mehr sank unser kleines Boot, und immer mehr Wellen schwappten über Bord. Ich sah, wie Anton und mein Vater von Bord gespült wurden. Bei der nächsten Welle erwischte es mich und ich tauchte unter. Verzweifelt versuchte ich, an die Oberfläche zu gelangen. Jetzt bereute ich es, dass ich so oft die Schwimmstunden geschwänzt hatte. Da sah ich eines Planke unseres Bootes vorbei schwimmen. Die musste ich erreichen! Mit meiner letzten Kraft schwamm ich hin und klammerte mich fest. Dann wurde mir schwarz vor Augen.

 

Als ich aufwachte lag ich in einem Bett in einem kleinen Zimmer. Wo war ich? Ich schloss meine Augen und machte sie wieder auf, aber ich war immer noch in diesem kleinen Zimmer. Das Zimmer hatte Meerblau gestrichene Wände und ein kleines Fenster, von wo man das Meer sehen konnte. Außer dem Bett standen hier noch ein Nachttisch, ein kleiner Schreibtisch und ein Schrank. Ich versuchte aufzustehen, aber mir wurde schwindelig und mein Kopf tat weh. Ich legte mich schnell wieder hin.

 

Da öffnete sich die Tür und zwei Männer traten ein. Der eine war groß und kräftig, hatte braunes Haar und war so um die 40. Der andere war eher klein und stämmig. In der Hand hielt er einen Arztkoffer. Er war wahrscheinlich Arzt. „Ah, unser kleiner Patient ist aufgewacht“, sagte er, „wie fühlst du dich?“ „Wo bin ich?“, fragte ich verwirrt. „In Sassnitz“, erwiderte der große Mann. Wir haben dich gefunden, du lagst bewusstlos am Strand. Wo kommst du her?“ „Ich war mit meinem Vater segeln, wir wollten nach Bornholm. Wir wollten hier in Sassnitz Pause machen und dann unser Boot ist am Felsen vorm Hafen kaputtgegangen. Mein Vater wurde vor mir über Bord gespült. Ich konnte mich an einer Planke festhalten. Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern“, erzählte ich, dass wir auf einem Schmugglerschiff unterwegs waren, und 10 kg Kokain an Bord hatten verschwieg ich lieber, „Habt ihr meinen Vater auch gefunden?“ „Nein leider nicht mein Junge. Aber der wird schon wieder auftauchen. Solange kannst du hier bleiben. Herr Dr. Meyer sagt, du sollst noch ein bisschen im Bett bleiben“, meinte der Mann, „ich bin übrigens Peter Winter. Nenn mich einfach Peter. Wie heißt du?“ „James“, antwortete ich. Peter sah überrascht aus als er meinen Namen hörte. Oder bildete ich mir das nur ein? „Emely“, rief Peter, „James ist aufgewacht!“ Eine rundliche Frau, so Ende dreißig, kam ins Zimmer. „James?“, fragte sie, und dann sah sie mich, „ach du bist James.“

Sie verließ das Zimmer und kam kurz danach mit einem Tablett mit Kuchen und Kakao wieder. „Hier, iss mein Junge“, sagte sie und stellte das Tablett auf dem Nachttisch ab. „Ich gehe dann mal wieder“, sagte Herr Dr Meyer und ging, nachdem er sich von Peter und Emely verabschiedet hatte. Peter guckte auf die Uhr. „Mein Gott, schon so spät! Ich muss los Tschüss!“, rief Peter und stürmte aus dem Zimmer. Emely schüttelte verständnislos den Kopf; „Diese Professoren...“ „Er ist Professor?“, fragte ich interessiert. „Ja“, erwiderte Emely, „aber jetzt iss!“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Der Kuchen schmeckte köstlich, und auch Kakao hatte ich zu hause so gut wie nie gekriegt. Als ich fertig war musste ich die ganze Geschichte noch mal erzählen. „Oh du ärmster!“, rief Emely als ich geendet hatte. „Du kannst natürlich hier bleiben bis man deinen Vater gefunden hat“, fügte sie noch hinzu, „du solltest jetzt schlafen.“ Sie deckte mich zu und löschte das Licht.

 

Als ich aufwachte war es draußen schon hell. Ich wollte gerade aufstehen, da hörte ich vor meinem Zimmer gedämpfte Stimmen, Emely und Peter. Ich wusste natürlich, dass es sehr unhöflich war, anderen zu lauschen, aber er konnte dem drang nicht widerstehen. Weil sie so leise redeten, bekam ich nur Wortfetzen mit: „James … unser Sohn … aber die Entführung … warum? … Haarprobe …“, dann entfernten sich die Stimmen. Ich verstand gar nichts. Ich stand auf und zog die Anziesachen an, die Emely ihm hingelegt hatte.

Dann ging ich aus dem Zimmer. Da war ein langer Flur, an dem überall Türen abgingen. Auf der nächsten Tür stand „Georg“. Ob das wohl der Sohn der Winters war, von dem sie geredet hatten? Die anderen Türen hatten Aufschriften wie „Emelys Arbeitszimmer“, „Peters Arbeitszimmer“, „WC“ und „Labor“. Letzteres fand ich besonders spannend. Emely hatte ja gesagt das Peter Wissenschaftler war, aber woran er forschte wusste ich nicht. Leider war es eine Sicherheitstür, für die man einen Code brauchte um hereinzukommen. Ich ging weiter und entdeckte endlich eine Tür mit der Aufschrift „Küche“.

Ich wusste nicht, warum hier alle Türen beschriftet waren, aber praktisch war es schon. Ich öffnete die Tür zur Küche und sah Emely, Peter und einen kleinen Jungen von ungefähr 9 Jahren um einen großen Tisch sitzen, der mit allerlei guten Sachen gedeckt war. Da gab es Brötchen und Toast, Cornflakes und Kakao, Tee und Kaffee, Marmelade und Honig, Schinken und Käse und noch vieles mehr. „Da bist du ja endlich“, rief Emely, „komm und setzt dich. Kennst du schon Georg? Nein sicher nicht. Er ist unser Sohn, wie du dir sicher denken kannst.“ Ich setzte mich, und Emely beobachtete mit Genugtuung wie ich ganze berge von Brötchen, Toast und Cornflakes, und mehrere Liter Kakao trank. So kam es mir zumindest vor. Als ich fertig war, war ich papsatt. „Ich muss weiter machen“, sagte Peter, strubbelte mir und Georg über den Kopf und verschwand. Hier fühlte ich mich echt wie zu hause. Oder sogar noch besser. „Georg, könntest du abwaschen? Ich muss einkaufen“, meinte Emely. „Ich kann gerne helfen“, entgegnete ich. „Gerne wenn du möchtest“, strahlte Emely mich an, „ich muss jetzt los!“ Georg grinste mich an; „Danke, du bist echt in Ordnung.“ Ich grinste zurück: „Du auch!“ Wir machten uns an die Arbeit und unterhielten uns dabei ein bisschen. Ich erfuhr, dass er wirklich 9 war und in die 3. Klasse ging. Er liebte es, wie ich, Fußball zu spielen. Zuhause hatte ich abwaschen immer gehasst, aber hier, wo ich mich mit Georg unterhalten konnte, machte es plötzlich sogar Spaß. Wie wäre es schön, wenn er mein Bruder wäre, dachte ich. Als ich gerade die sauberen Teller in den Schrank räumte entdeckte ich eine kleine Zeichnung, die an der Wand hing. Sie zeigte zwei Jungen, offensichtlich Brüder. „Wer ist das?“, fragte ich Georg und zeigte auf das Bild.

 


„Also der kleine bin ich, da war ich vielleicht 4, und das andere ist mein Bruder. Meine Mutter hat das gezeichnet. Sie ist gut, nicht?“, antwortete Georg. „Du hast also noch einen Bruder?“, fragte ich erstaunt. „Ich hatte“, erwiderte Georg, „er wurde entführt als er eins oder zwei war, ich war da noch gar nicht geboren.“ „Entführt? Wer entführt denn ein Baby?“ „Wir wissen es nur, weil sie irgendwann Lösegeld gefordert haben, das haben meine Eltern auch gegeben, aber bekommen haben sie in nicht. Es ist schon komisch. Er hieß auch James – wie du.“ „Aber auf diesem Bild ist er doch mit dir drauf?“, fragte ich verwirrt. „Ja, meine Mutter hat in gezeichnet, wie sie glaubt, dass er ausgesehen haben könnte.“

 

Ich wurde von einer Amsel geweckt, die draußen sang. Es war jetzt eine Woche her, dass unser Schiff gesunken war, und mein Vater war immer nicht nicht aufgetaucht. Ich hatte mich bei den Winters richtig eingelebt, und hatte sogar mal Peter bei seiner Arbeit zusehen dürfen. Ich stand auf und ging in die Küche um zu Frühstücken. Emely war bei einer ihrer Freundinnen, Peter arbeitete und Georg war schon in der Schule.

Der Tisch war gedeckt, und neben meinen Teller lag ein Zettel. Auf dem stand ein Satz, den ich einfach nicht verstand, das konnte doch nicht sein oder?

Da stand: „Du bisst meinn bruter!“ Neben dem Zettel lag noch etwas. Häh? Das waren doch Haarproben?! Peter hatte mir in seinem Labor welche gezeigt. Daran konnte man z.B. Verwandtschaft erkennen. Da lagen vier Haarproben, alle Beschriftet mit: „Emely“, „Peter“, „Georg“ und „James.“. Man konnte klar erkennen, dass Georg und James die Kinder von Emely und Peter waren, na und? Das wusste ich auch schon vorher. Da fiel mir Georgs Satz wieder ein. „Du bist mein Bruder“, der verschwundene Sohn – war das etwa ich?! Mein Kopf platzte fast vor lauter Fragen. Ich lief zu Peter ins Labor. Ich erzählte ihm erst mal die ganze Geschichte, dann löcherte ich in mit Fragen. Plötzlich ergab alles Sinn. Elvis, von dem ich immer geglaubt hatte, dass er mein Vater war, hatte mich als ich klein war entführt, weil er selbst keinen Sohn hatte. Peter rief die Polizei, und gab eine Fahndung nach Elvis aus. Jetzt war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er geschnappt wurde. „Was passiert jetzt mit Elvira und Lisa?“, fragte ich Peter. „Ich habe mit Lara und Otto telefoniert, sie wollen Elvira gerne adoptieren. Lisa zieht mit ihren Freundinnen in eine eigene Wohnung.“

 

Es war ein kalter grauer Herbsttag, ich saß an meinem Schreibtisch und machte Hausaufgaben. Ich späte aus dem Fenster aber ich sah nicht einen nebligen Hafen – ich sah ein Gesicht. Und zwar nicht irgendein Gesicht. Es war Elvis. Ich war nun schon ein halbes Jahr hier in Sassnitz, seit ich herausgefunden hatte, dass die Winters meine richtige Familie waren. Ich hatte mir gar keine Sorgen mehr um Elvis gemacht. „Da bist du also“, raunzte er, „ich habe dich gesucht.“ Oh nein! Peter war nicht zuhause und Emely schaute gerade ihre Lieblingssendung im Fernsehen, mit ihrer Hilfe konnte ich also auch nicht rechnen. Da kam plötzlich Georg ins Zimmer. Ich wusste, dass Elvis ihn durch das Fenster nicht sehen konnte. Ich winkte in zu mir und bedeutete ihm, er solle still sein. Ich tat, als würde ich an meinen Nägeln knabbern und wisperte Georg zu: „Ruf die Polizei, Elvis steht vor meinem Fenster, Pass auf, dass er dich nicht sieht. Ich lenke ihn ab.“ Georg nickte, er hatte verstanden. „Wie hast du mich gefunden?“, fragte ich Elvis um ihn abzulenken. „Das war gar nicht so schwer“, er lachte sein unheimliches lachen. „Du hast aber ein halbes Jahr gebraucht“, wandte ich ein, „was ist eigentlich mit Anton?“ „Ach, der ist ersoffen, konnte nicht schwimmen“, entgegnete Elvis. Ich schauderte. Es schien im völlig egal, dass Anton ertrunken war. Wäre es ihm auch egal gewesen, wenn ich ertrunken wäre?! „Was hast du jetzt vor?“, fragte ich, doch ich kriegte nie eine Antwort. Aus den Büschen traten links und rechts von Elvis zwei uniformierte Beamte. Endlich.

 

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