Die Marionettenspieler

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  • Jugendschutz:
  • Veröffentlicht: 22 Jul 2012
  • Aktualisiert: 1 Okt 2012
  • Status: Fertig
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7. Abschnitt

„Ich…“ Anton fing an sich zu entschuldigen, doch Cira drehte schnell den Rücken zu. Das Hinterzimmer war überraschend hell und freundlich, doch in der jetzigen Situation würden die Schwarzen Wände eher passen. Sie ging vorbei einen Klapp-Tisch mit passenden weißen Plastik-Stühlen, und hin zur kleinen Küche. Beim Waschbecken angekommen, ließ sie kaltes Wasser auf ein Stück Küchenrolle fliesen, und hielt es zum Auge, dass Kaz anscheinend auch erwischt hatte. Beklommen stand er ihm Türrahmen, währen Cira sich beim Waschbecken stützte. Sie probierte nicht zu weinen, keine Schwächen zu zeigen. Doch als Anton zu ihr hinging und eine Hand achtsam auf ihre Schulter lag, brach sie zusammen. Vorsichtig brachte er sie, noch immer weinend, zum einen der Stühle beim Tisch. Denn anderen rückte er daneben, und setzte sich darauf. Er hielt sie fest umschlungen. Nach einer Weile hatte sie al ihre Sorgen mit Tränen ertrunken.

„Du solltest nicht hier sein.“ Als sie endlich etwas sagte, war Anton überrascht, und beleidigt.

„Du würdest nicht hier sein“, korrigierte sie sich. „Nicht wenn du wüsstest was ich mache.“ Anton wurde unsicher.

„Was meinst du?“ Ihre Augen trafen sich. Ihre Augen waren nicht mehr kalkulierend, wie sie waren als sie sich erst trafen. Sie waren traurig, melancholisch wie das Lied im Theater. Cira räusperte sich. Würde sie jetzt ihr Geheimnis sagen, war nichts mehr sicher. Nicht in Paris, jedenfalls. Wahrscheinlich nicht in ganz Frankreich. Doch um sicher zu sein, war es schon zu spät. Niemals würde Kaz zurückkommen, und Anton einfach lassen. Etwas Schlechtes würde passieren, das wusste sie.

„Sie sind echt,“ flüsterte sie. Anton lachte schrill und nervös.

„Was meinst du? Wer ist echt?“ Doch er hatte seine Ahnungen, und es lähmte ihm vor Furcht. Schluchzend erzählte Cira ihr die Geschichte.

Jede Puppe hatte eine Seele. Das war ihr und Kaz‘ Onkel. Seelenfänger. Anton und sie hatten nun die Aufgabe weiterzumachen. Sie wollte nicht, doch zu flüchten wäre nicht einfach. Man verschwindet nicht einfach so. Man braucht Pass, Geld, Genehmigung der Eltern und so weiter.

Jetzt erwartete sie, dass Anton schreiend davonlief. Die Behörde rief, und sagte er sei mit einer Wahnsinnigen in der Küche. Doch er saß einfach da, mucksmäuschenstill. Er verstand es. Alles machte Sinn für ihn. Und es brachte ihm Angst. Doch er blieb. Lief er jetzt davon, waren sie beide allein.

„Kaz… er liebt es. Für jede Seele die man stiehlt, lebt man ein Jahr länger. Onkel wurde in einem Brand gefangen.“ Sie schaute ihn an mit großen Augen. Anton dachte. Er hatte Cira erst vor kurzem getroffen, und doch war es als hatte er sie schon immer. Es konnte kein Zufall sein das sich genau die zwei Seelen getroffen hatten. Es gab keine Lösung mehr, verstand er. Er wusste nicht ob er bereit war für sie zu Sterben, doch Sterben würde er. Entweder bei seiner Familie, wo Kaz ihn zum Schluss doch finden würde oder… Oder er flüchtete mit Cira. Sicher. Lebendig. Er konnte seine Eltern eine Erklärung geben, und Emma auch. Das müsste doch besser sein, als wenn sie ihm einfach Tod fanden.

Anton und Ciras Augen trafen sich. Doch ihn Antons Augen war keine Angst mehr, und in Ciras keine Panik.

„Übermorgen werde ich 18“ sagte Cira. Anton öffnete seinen Mund, und antwortete.

„Es gibt keine Zufälle.“

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