Die Marionettenspieler

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  • Veröffentlicht: 22 Jul 2012
  • Aktualisiert: 1 Okt 2012
  • Status: Fertig
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2. Abschnitt

„Emma! Emma, komm schon! Gehen wir zurück und kaufen dir die Puppe!“ Antons stimme klang flehend und verzweifelt. Er kam zur gleichen Weggabelung wie Emma, nur wählte er links. Die Entscheidung die Emma hätte treffen sollen, nur hatte sie leider rechts abgebogen.

„Mist“, schimpfte Anton als er in die Sackgasse blickte. Keine Emma weit und breit. Vielleicht hatte sie jemand mit nach hause genommen? Ach nein, so dumm war sie wohl auch nicht.

Also nach rechts, dachte er, und ging zurück zur Wegabgabelung. Im Gegensatz zu Emma konnte Anton sehr wohl lesen, und dass seine kleine Schwester wahrscheinlich in die Rue de la mort – Die Straße des Todes, gelaufen war gefiel ihm ganz und gar nicht. Vorne waren lichter, die durch die Schaufenster zu sehen waren. „Le Marionet“ da war sie ganz bestimmt. Schnell lief er die drei Treppen runter zur Eingangstür und öffnete sie. Es war totenstill im Laden. Kein Kinderlachen, keine Hintergrundsmusik. Nicht einmal ein klingeln als er die Tür öffnete.

„Hallo?“ Anton sah sich um. Und es wurde zurück gestarrt. Die Puppen sahen schlapp aus, mit ihren Fäden hängend, als warteten sie dass jemand die Führung nahm. Alle waren auf kleine Regale gestellt, ihre Köpfe hängend sahen sie Anton an mit ihren aufgemalten Augen. Im schummrigen Licht des Ladens sahen sie so echt aus, das Anton das Fliehen zumute war.

„Suchen sie etwas?“ Er hatte schon aufgegeben und seine Hand auf den vergoldeten Türknauf gelegt, um wieder Raus zu gehen. Die Stemme lies ihm mitten in seiner Tätigung erstarren. Es war eine weibliche Stimme, melodisch und wunderschön. Ihr französisch hatte einen leichten, undefinierbaren Akzent. Er drehte sich um, um zu antworten, und geriet im stocken. Das Mädchen sah nicht älter als ihm aus, 16 oder 17. Ihre blonden Haare hingen ihre Schultern runter wie ein Wasserfall, und sie sah prüfend auf ihm mit ihren Kristallblauen Augen, ihr Kopf leicht schräg.

„Äh nein, ich meine ja. Ja das tue ich. Meine kleine Schwester… Emma… Sie ist 6 und äh…“ Er schlug verzweifelt mit der Hand aus. Ihre geschwungenen Lippen formten sich zu etwas das ein Lächeln ähneln könnte.

„Kay hat sie im Hinterzimmer mitgenommen.“ Wieder das mystische Lächeln. Anton lächelte.

„Fantastisch!“ Er wollte einen Schritt zur Tür nehmen die vermutlich zum Hinterzimmer führte.

„Ich werde sie holen.“ Ihre stimme klang eiskalt, und ihr Lächeln war verschwunden. Sie hatte ein schlichtes, schwarzes Kleid an, das leicht flatterte als sie sich umdrehte.

Sie verschwand hinter der schwarzen Tür, die zuging mit einem „klick“.

Es waren die längsten zwei Minuten in Antons leben.

„Emma!“ Die Tür war geöffnet worden, und das Mädchen war mit Emma herausgetreten. Emma lief ihren großen Bruder entgegen, und hatte anscheinend ihren Streit um die Puppe am Jahrmarkt vergessen.

Im Türrahmen stand ein Junge. Er war so alt wie das Mädchen, hatte die gleichen blonden Haare wie sie, die gleichen, feinen Gesichtszügen. Das musste Kaz sein.

Anton umarmte seine kleine Schwester, strich sie über ihre mausbraunen Haare.

„Der nette Man hat Kakao gemacht“, entgegnete sie fröhlich und zeigte auf den Jungen der mit verschränkten Armen in Türrahmen stand.

„Und? Was sagt man dann?“ 

„Danke“, strahlte Emma Kaz an. Anton stand ein bisschen verlegen da. Dann sah er das Mädchen an, dass Kaz’ Zwillingsschwester sein musste. Oder einfach Schwester.

„Danke, äh…“

„Cira“, lächelte sie. Anton was sicher dass es ein Lächeln war.

„Cira“, wiederholte er. Der Name klang fremd auf seiner Zunge. „Cira.“ Sie sahen einander an.

Sie hatte wieder ihren Kopf ein bisschen schräg gelegt.

Ihre Augen waren wunderschön. Anton könnte sie den ganzen Tag anstarren.

Doch es war nicht Tag. Es war Abend, und Emmas und seine Eltern warteten bestimmt schon. Er räusperte sich.

„Nun dann…“ Er wollte sich umdrehen, doch Cira legte blitzschnell eine hand auf seinen Arm der zum zweiten Mal nach dem Türknauf griff. Ihre blasse Hand stand im starken Kontrast zu seiner leicht gebräunten Hautfarbe, und war überraschend warm. Sie gab ihm ein Stück Papier, das sich als Flyer entpuppte.

„Morgen. 18 Uhr. Wir führen die Zauberflöte vor.“ Wieder dieses unwiderstehliche Lächeln.

„Äh… Na klar.“ Er schaffte gerade noch ein Lächeln zu Stande, bevor er aus dem Geschäft taumelte.

„So Emma. Jetzt müssen wir nur noch den Weg zurück finden.“ Er seufzte tief. Das könnte ja mal was werden.

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